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Trickbetrug per Telefon erkennen und vermeiden

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“Dass auf diesen Trickbetrug immer wieder jemand hereinfällt – unverständlich”. Das höre ich bei vielen Meldungen in der Tageszeitung. Was tun?

Die Masche beim Trickbetrug

Immer wieder die gleiche Masche. Ein Betrüger gibt sich als angeblicher “Helfer” aus. Sie sollen sein Opfer werden. Sie sollen einem Ihnen nahestehenden Dritten aus einer Klemme helfen, weil der von einem (erfundenen) Ereignis betroffen ist. Der Betrüger fordert die Übergabe von Bargeld an einen “Vertrauten”, weil der Dritte verhindert ist. Das geht nur mit massiver psychologischer Manipulation.

Trickbetrug am Telefon

Was in dieser Kurfassung sehr abstrakt klingt, kann in den fantasiereichsten Erscheinungsformen auftreten. Das sind ein paar Bausteine, die vielseitig kombiniert werden können.

Die Bausteine des Betrugs

  • Der angebliche Helfer gibt sich als “Autorität” aus, als Freund einer nahestehenden Person, als Polizist, Handwerker, Mitarbeiter einer “Institution”, als Notar, Beauftragter einer Bank oder Versicherung. Der Helfer verspricht etwas “Gutes” oder Schutz gegen etwas “Böses”. Der Helfer kann eine einzelne Person oder eine Bande sein, oft organisierte Kriminalität im Inland oder Ausland.
  • Sie als Opfer haben zunächst keine Beziehung zum Helfer. Vielleicht gehören Sie zur älteren Generation, z.B. erkennbar an altertümlichen Vornamen im Telefonbuch oder anderen öffentlich zugänglichen Daten, bei Facebook oder ähnlichen Netzwerken. Sie sind vermutlich “nicht unvermögend”.
  • Gern wird ein Dritter ohne sein Wissen als “Hebel” benutzt. Das ist z.B. eine Person, die Ihnen nahesteht, die Sie schützen oder unterstützen wollen, der Sie sich verpflichtet fühlen, gegenüber der Sie ein schlechtes Gewissen haben.
  • Das erfundene Ereignis wird plastisch / drastisch beschrieben. Z.B. bei Ihnen als Zielperson oder bei einem “Dritten” kann ein drohender Schaden vermieden werden. Mit einer Zahlung lässt sich eine Strafe abwenden. Oder eine lang ersehnte Chance / ein Schnäppchen fordert eine schnelle Entscheidung. Oder ein Gewinn oder eine unerwartete Erbschaft lockt.
  • Sie als Opfer erleben Manipulation mit allen psychologischen Tricks zur Ausnutzung menschlicher Eigenschaften. Beispiele von A bis Z: Angst, Eitelkeit, Entnervung, eingeredete Gewissensbisse, Gutgläubigkeit, Hilfsbereitschaft, Panik, Respekt, Trotz, Überraschung, Unsicherheit, Verantwortung, Verzweiflung.
  • Der Vertraute tritt auf, weil der “Dritte” unabkömmlich ist. Zur Sicherheit bekommen Sie eine (fingierte) Telefonnummer, dort können Sie sich dessen Identität bestätigen lassen. Die Geldübergabe soll bar erfolgen, aus Ihrem Tresor, Konto, Depot oder Kredit, notfalls auch als Schmuck. Weil es eilt und so vertraulich ist, sollen Sie mit niemand darüber sprechen. Das Versprechen “nur für ein paar Tage” soll Ihre Entscheidung erleichtern, ist aber nie ernst gemeint.

Misstrauen und Zeitgewinn gegen Trickbetrug

Trickbetrug soll Sie überraschen und verunsichern. Lassen Sie das nicht zu. Wer fragt, der führt. Übernehmen Sie die Gesprächsführung, indem Sie den Trickbetrüger immer wieder unterbrechen. Immer wieder. Damit gewinnen Sie Zeit zum Nachdenken und Sie demonstrieren Sicherheit.

Bleiben Sie höflich und sachlich, aber distanziert (nicht jeder Verdächtige ist ein Trickbetrüger). Vermeiden Sie jede Hilfsbereitschaft und Auskunft, solange die Situation unklar ist. Stoppen Sie den angeblichen Helfer mit Ihren Fragen. Das erwartet er nicht, es bringt ihn aus seiner Routine. Er kommt nicht zu seinem Ziel.

Die Rufnummer im Display gibt erste Hinweise

Achten Sie auf die Rufnummer auf Ihrem Display. Anonyme Anrufer mit unterdrückter Rufnummer sind grundsätzlich verdächtig. Standard ist, dass normale Telefone die Rufnummer übertragen. Erwarten Sie ein Gespräch aus dem Ausland, erkennbar an der Vorwahl, die mit “00” beginnt? Die Polizei ruft nie vom Polizeinotruf “110” an.

Wenn Sie die Rufnummer nicht kennen oder wenn sie unterdrückt ist, melden Sie sich nicht mit Ihrem Namen, sondern z.B. mit “Hallo”. Wer Sie anonym anruft, kann keine Offenheit Ihrerseits erwarten.

Wer versucht einen Trickbetrug?

Anrufer mit unlauteren Absichten “vergessen” gern, ihren Namen zu nennen oder nuscheln ihn unverständlich. Lassen Sie sich den Namen und ggf. seine Firma deutlich wiederholen und immer buchstabieren: “Moment bitte, ich nehme mir eben Zettel und Stift”. Sie sind ja höflich und können ihn dann mit Namen ansprechen. Fragen Sie unbedingt “Woher haben Sie meine Telefonnummer? Wer hat Ihnen erlaubt mich anzurufen?”

Lassen Sie sich nicht auf Ratespielchen ein wie “Was meinst du, wer hier ist?”. Wenn Sie den Anrufer erraten (auch wenn Sie nicht ganz sicher sind), sinken Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Misstrauen. Sie können auch einen Namen “erraten”, den es in Ihrem Umfeld nicht gibt; wenn er den falsch erratenen Namen bestätigt, hat er seinen Trickbetrug selbst enttarnt.

Ist der Hilfsbedürftige “echt”?

Prüfen Sie, ob der Dritte “echt” ist. Klingt seine Stimme vertraut? Redet er sich mit “Erkältung” heraus oder mit “Umgebungsgeräuschen”? Kann er einfache persönliche Fragen richtig beantworten, z.B. zur Familie, zu gemeinsamen Erlebnissen – “Wie bist du eigentlich am Wochenende nach Hause gekommen? Was hat Yvonne gesagt?”

Lassen Sie sich das Ereignis ausführlich erklären. Wer, was, wann, wie, wo, warum?

Wenn er einen angeblichen Vertrauten vorschickt, bleiben Sie misstrauisch. Warum kann er nicht selbst kommen? Wie können Sie sicher sein, der Vertrauten richtig zu erkennen? Wenn Ihnen eine Telefonnummer zur Rückfrage / Absicherung genannt wird: Stimmt sie mit der auf Ihrem Display überein? Wenn nein, warum nicht?

Stellen Sie sich zur Geld-Übergabe unsicher. Sie wissen nicht, wie das geht, ob das so geht, ob das zu dieser Zeit geht, ob Sie einen Helfer finden, den Sie dafür brauchen. Nerven Sie ihn mit Fragen zur Abwicklung.

Richtige Rückrufe gegen Trickbetrug

Lassen Sie sich unter einem Vorwand eine Rückrufnummer geben (z.B. “Essen steht auf dem Herd”) und beenden Sie das Gespräch. Rufen Sie nicht die Rückrufnummer an, die wird fingiert sein! Wenn Sie anrufen wollen, suchen Sie selbst die Nummer heraus – das ist eine zusätzliche Kontrolle.

Versuchen Sie, Ihren nahestehenden Dritten direkt oder jemand in seiner vertrauten Umgebung zu erreichen. Vielleicht hat sich der Trickbetrug damit schon erledigt.

Sprechen Sie mit Unbeteiligten über den Vorgang. Z.B. mit Freunden, Verwandten, Nachbarn, mit Ihrer Bank, mit der Polizei (jetzt wählen Sie den Polizeinotruf 110). Indem Sie über den Vorgang und Ihre Zweifel berichten, klären Sie die Zusammenhänge auch für sich selbst.

Mehr Informationen zum Trickbetrug

Solange auch nur ein kleiner Rest Misstrauen besteht, folgen Sie nicht den Anweisungen des selbst ernannten “Helfers”. Misstrauen gegenüber Trickbetrügern zeugt von Ihrer Stärke.

Das schreckt den Trickbetrüger oder seine Bande ab. Sie haben die Chance, Ihr Eigentum zu schützen und andere vor ähnlichen Angriffen zu bewahren. Und wenn Sie der Polizei geeignete Hinweise geben, können Sie sogar deren Fahndung unterstützen.

Wer fragt, der führt. Übernehmen Sie die Gesprachsführung. Besser erfolgreiche Stärke als Scham nach einem vermeidbaren Verlust.

Die Polizei Rheinkreis Neuss behandelt das Thema hier
„Klüger gegen Betrüger“ – Gemeinsam gegen Trickbetrüger im Einsatz

und bietet zum Download diese Broschüre an:
Klüger gegen Betrüger!

Schön, wenn Sie dann sagen können: “Dass auf diesen Trickbetrug immer wieder jemand hereinfällt – unverständlich”.

 

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