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Sind WhatsApp-Nutzer auf einem Auge blind?

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WhatsApp-Nutzer (“Jubelnutzer”) betonen Ihre Eigenverantwortung. Ist Solidarität unbekannt oder egal? Lernen Sie drei Personen in drei Situtionen kennen.

Pressemeldungen überschlagen sich. Bisher wurde WhatsApp als selbstverständlich gern genutzt und “bejubelt”. Kritiker wurden schnell in die Spielverderber-Ecke gestellt. WhatsApp ist doch so “kuschelig”, das lässt man sich doch nicht vermiesen.

Jetzt schreckte WhatsApp die Nutzer auf. Um den Dienst weiter nutzen zu können, mussten sie neue Bedingungen bewusst akzeptieren. Was bisher in einer “Textwüste” versteckt war und ungelesen abgehakt wurde, wurde zum Aufreger. Die Presse wachte auf. WhatsApp-Nutzer wechselten zur Konkurrenz, z.B. zu Signal oder Threema. Es gab genug Wechsler, um WhatsApp zu einer Terminverschiebung zu veranlassen, nicht zum Umdenken.

WhatsApp-Nutzer in der Praxis

Ich zeige Ihnen hier die Verhaltensweisen von drei WhatsApp-Nutzern: WhatsApp-Verweigerer, WhatsApp mit einzelnen Partnern, WhatsApp in einer “erzwungenen” Gruppe.

WhatsApp-Verweigerer erwarten Solidarität

Der Internet-Monopolist WhatsApp darf meine Privatsphäre nicht vermarkten, weil ich das nicht will. Von WhatsApp-Nutzern erwarte ich die Solidarität, meine Daten nicht abfragen zu lassen.

WhatsApp-Nutzer löschen

Wenn ich Sie damit irritiere, ist das Absicht. Das ist die Rechtslage. Es geht um meine Namen, Adressen, E-Mails, Telefonnummern, Geburtstag oder was noch in den Kontakten gespeichert ist. Es geht um meine Privatsphäre.

Meine Daten gehören nur mir. Sie gehören nicht WhatsApp-Nutzern, schon gar nicht WhatsApp. Aber mit Ihrem “Abhaken” der Nutzungsbedingungen erlauben Sie WhatsApp, alle Daten von Ihren Kontakten abzugreifen, auch meine. Ich empfinde das als Diebstahl meiner Daten. Nutzen Sie in Ihrem Smartphone auch geschäftliche Kontakte? Auch deren Daten dürfen Sie nicht WhatsApp überlassen. Es sei denn, Sie haben von allen eine schriftliche Einwilligung.

Es geht nicht nur um Kontaktdaten, sondern besonders um Metadaten: Wer kommuniziert mit wem, wann, wie oft, wie lange, woher, wohin etc. Lesen Sie hier, was die unterschätzten Metadaten Neugierigen verraten.

Ich höre “Ich habe doch von Dir gar nichts gespeichert”. Allein meine Telefonnummer zeigt WhatsApp, dass wir uns “irgendwie” kennen. Das ist schon mehr als das Telefonbuch weiß. Vielleicht will ich das sogar vor gemeinsamen Bekannten verbergen. Weil ich das so will und es nicht begründen muss. Und WhatsApp geht das überhaupt nichts an.

Ich bleibe bei meiner Aufforderung: Wenn Sie WhatsApp nutzen und Daten von mir in Ihren Kontakten speichern, löschen Sie bitte meine Daten. Kommunizieren können wir anders.

Ob Sie bei WhatsApp bleiben, ist Ihre eigene Entscheidung. Aber bitte ohne meine Daten.

Wenn WhatsApp-Nutzer einzelne Partner sind

Ich sprach mit einer Nutzerin, die Threema für Freunde und Familie benutzt. WhatsApp war ein Zugeständnis an einzelne Nutzer. Sie kannte die Bedenken gegen WhatsApp, aber die anderen …

Die öffentliche Diskussion gab ihr den Anstoß zu weiteren Recherchen und erleichterte ihre Entscheidung. Zum Monatsende will sie sich bei WhatsApp abmelden und bis dahin ihre Entscheidung all ihren WhatsApp-Kontakten mitteilen. Sie will sich nicht von den Kontakten verabschieden, sondern von WhatsApp. Als Alternativen bietet sie Threema und Signal an, E-Mails sowieso.

Sie hat sich vorgenommen, mit guten Freunden und Bekannten persönlich zu sprechen, zu erläutern und evtl. gemeinsam auf einen anderen Kanal zu wechseln. Die Idee ist gut. Sie berichtete mir erfreut von guten und in diesem Sinn erfolgreichen Gesprächen.

Wenn WhatsApp-Nutzer eine “erzwungene” Gruppe sind

Ich sprach auch mit einer anderen Nutzerin, die Threema für Freunde und Familie benutzt. Auch sie kannte die Bedenken gegen WhatsApp. Aber: WhatsApp “musste” sie akzeptieren, die Eltern der Schulklasse ihres Kindes hatten dort eine Gruppe. Die offiziellen Informationen der Schule kommen per E-Mail.

Sie konnte sich der Gruppe anschließen oder es lassen. Ein Verzicht hätte einen Verzicht auf “Hintergrund-Informationen” und vielleicht eine Ausgrenzung der Mutter aus der Elterngruppe bedeutet. Und das Schulkind sollte nicht davon betroffen sein. Eine schwierige Abwägung.

Die Nutzerin griff die öffentliche Diskussion auf und regte einen Wechsel zu Threema oder Signal an. Sie begründete das sachlich und untermauerte ihren Vorschlag mit aktuellen Links. Schwierig war die Diskussion wegen der Corona-Einschränkungen. Ein Treffen oder eine Videokonferenz war nicht möglich. Also blieb nur die viel mühsamere Diskussion im WhatsApp-Chat.

Erwartungsgemäß gab es Zustimmung, Ablehnung und Gleichgültigkeit. Ein Shitstorm war es nicht (die Reaktionen waren ja nicht anonym), aber es gab spontane unbegründete Ablehnung. Nun zeichnet sich die Tendenz ab, zu Signal zu wechseln. Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen.

Plan B: Wenn die Gruppe unbedingt bei WhatsApp bleiben will, wird sie ein altes Handy aus der Schublade holen und auf Werkseinstellungen zurücksetzen (alles löschen, besonders die Kontakte). Dann wird WhatsApp installiert und nur für diese Gruppe benutzt. Ohne Telefonnummer geht das nicht. Evtl. nutzt sie eine kostenlose SIM-Karte von netzclub.net.

Bereiten Sie Ihre WhatsApp-Argumente vor

Für den folgenden Beitrag habe ich Argumente der betroffenen WhatsApp-Nutzer gesammelt, etwas sortiert und um mögliche Reaktionen ergänzt. Damit können Sie sich auf “Abschieds”-Diskussionen vorbereiten.

 

Weg von WhatsApp




Flatrate: Handy-Hilfe

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