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Nebelkerzen um die Mobilfunk-Generationen

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Nebelkerzen im Mobilfunk: Versprechungen sind größer als die Leistungen. Nutzer entscheiden sich für höhere nicht nutzbare Leistung und zahlen dauerhaft zu viel.

Die Nummerierung der Generationen wirkt transparent: 5G wirkt “stärker” als 4G. Werbung (mit unlauterer Absicht?) und Presse (fahrlässig?) nutzen diese Vereinfachung als Nebelkerzen.

Nutzer sind verunsichert, für viele ist das Thema “zu technisch”. 4G hat immer noch Lücken, 3G entfällt. Funklöcher werden nicht erkennbar weniger. Ich versuche das aufzuklären.

Nebelkerzen um 4G

Die “Versorgungsauflage” der Bundesnetzagentur fordert eine Datenrate von mindestens 50 MBit/s. LTE mit 300 MBit/s erfüllt die Auflage. Die nächste Leistungsstufe ist 4G mit 1.024 MBit/s. 4G wird auch “LTE+” oder “LTE Advanced” genannt. Das ist mehr als das Dreifache von 3G. Der Leistungsunterschied ist spürbar. Was leistet Ihr Smartphone? Was bietet Ihr Tarif?

Ich habe bei Angeboten den Eindruck, dass 4G (LTE+ mit 1.024 MBit/s) angeboten, aber nur LTE (mit 300 MBit/s) geliefert wird. Meine Vermutung ist eine Nebelkerze mit sprachlicher Vereinfachung: Wenn man LTE (mit Zusatz) 4G nennen kann, kann man LTE (ohne Zusatz) auch 4G nennen – wenn es dem Kunden nicht auffällt.

Nebelkerzen um 5G

5G ist das Beste, was z.Z. im Mobilfunknetz mit großem Getöse angeboten wird. Das Marketing “erfindet” neuen Bedarf, um den stagnierenden Absatz zu beleben. Smartphone-Hersteller, Netzbetreiber und Tarifanbieter nutzen die Situation und verkünden 5G als “Heilsbringer”. Aber die so genannte Generation 5G ist nicht das “echte” 5G.

Hintergrund-Info: Ein Mobilfunknetz besteht aus dem “Kernnetz” (vereinfacht: Vernetzung der Funkmasten) und dem “Zugangsnetz” (vereinfacht: die Strecke vom Funkmast zum Smartphone). Das Kernnetz trägt das Zugangsnetz wie “Huckepack”. Im aktuellen Standard arbeiten das Kernnetz und das Zugangsnetz mit 4G-Technik. Für ein “echtes” 5G-Netz müssten Kernnetz und Zugangsnetz mit 5G-Technik arbeiten. Technisch ist es aber möglich, das 4G-Kernnetz um ein 5G-Zugangsnetz zu ergänzen. Dafür müssen “nur” die Funkmasten mit Sende- und Empfangs-Einrichtungen der 5. Generation ausgestattet werden.

Weil das 5G-Kernnetz noch lange nicht darstellbar ist, entwickeln die Anbieter ein “halbes” 5G, das ich “Nebelkerze” nenne. Die Basis ist das 4G-Kernnetz. Das 5G-Zugangsnetz wird draufgesetzt. Fachlich heißt das “5G Non-Standalone” (kurz “5G NSA”) – unselbständiges 5G. Die Vorteile eines 5G-Kernnetzes stehen also im Zugangsnetz 5G NSA nicht zur Verfügung.

Ein Vergleich: Wenn ein normaler Gartenschlauch (4G) einen dicken Feuerwehrschlauch (5G) versorgt, kommt aus dem Feuerwehrschlauch nicht mehr heraus, als der Gartenschlauch liefern kann. Ein 5G-Smartphone hat keinen spürbaren Vorteil gegenüber 4G. Damit hat ein Netz mit 5G NSA zwar im Namen “5G”, leistet aber nicht mehr das 4G-Kernnetz. Das ist für mich eine Nebelkerze. Auch 5G NSA ist weit davon entfernt, flächendeckende Versorgung zu erreichen, denn 5G NSA deckt z.Z. nur einen Bruchteil des 4G-Kernnetzes ab. Was das 4G-Kernnetz nicht schafft, schafft das 5G NSA-Zugangsnetz schon gar nicht.

Das echte 5G (in ein paar Jahren) bringt einen Leistungssprung und ist etwa 10-fach schneller als 4G. Das ist mehr, als heutige Smartphone-Anwendungen nutzen können. Tele-Medizin, E-Mobility, Industrie 4.0 sind keine Smartphone-Anwendungen. Und falls es irgendwann selbständiges “echtes” 5G gibt, kann man sich fragen: Wenn 4G oder 5G NSA genügt, was bringt dann 10-fach schnelleres 5G-Internet?

Fallback: 2G statt 5G?

Nebelkerzen und FallbackDas Bild zeigt links die Infrastruktur (einen maximal ausgestatteten Funkmast) und rechts Smartphones mit passendem Tarif. Nicht alle Funkmasten sind maximal ausgestattet. Die Verbindungslinien zeigen, welches Smartphone welche Ausstattung nutzen kann.

Ein Generationswechsel braucht nicht nur neue Geräte und Tarife, sondern auch Infrastruktur mit Kern- und Zugangsnetz. Das ist flächendeckend kurzfristig nicht leistbar. Wenn ich die “Lebensdauer” der bisherigen Generationen hochrechne, ist die flächendeckende Fertigstellung von 5G NSA vielleicht 2028 zu erwarten. Ob dann das echte 5G kommt? Oder schon 6G?

Wenn Sie den Fortschritt nutzen wollen, müssen Sie Ihr “altes” Gerät ersetzen und gleichzeitig auch den Tarif anpassen. Einerseits kann die Ergänzung der Funknetze nicht überall gleichzeitig vollzogen werden. Andererseits sollen die Nutzer nicht mit Funklöchern “bestraft” werden, wenn sie zur nächsten Generation umsteigen.

Daher sind die Smartphones so konzipiert, dass sie am Standort versuchen, die stärkste Technik zu nutzen. Wenn das nicht möglich ist, versuchen sie es mit der nächst schwächeren. Nach der Abschaltung von 3G und wenn 4G nicht möglich ist, wird 2G verwendet. Wenn kein Internet möglich ist, verbleibt wenigstens die Telefonie. Dieses Sicherheits-Verhalten wird “Fallback” genannt.

Daraus ergibt sich:

  • Mit 5G-Gerät und 5G-Tarif: Sie können das so genannte “5G” (nur in der “halben” Version 5G NSA) nutzen, und zwar bisher nur in einigen Großstädten. Internet mit 4G können Sie fast flächendeckend nutzen (Funklöcher gibt es z.B. in ländlichen Bereichen). 2G-Telefonie bleibt erhalten.
  • Mit 4G-Gerät und 4G-Tarif: Sie können Internet fast flächendeckend nutzen (Funklöcher, z.B. in ländlichen Bereichen, gibt es). 2G-Telefonie bleibt erhalten.
  • Mit 3G-Gerät und 3G-Tarif: Sie können das Internet nur extrem eingeschränkt nutzen, begrenzt auf die langsamen Standards GPRS und EDGE. Die bisher brauchbaren Standards HSPA werden abgeschaltet, weil sie der Versorgungsauflage nicht mehr genügen. GPRS und EDGE reichen knapp für textorientierte Anwendungen wie E-Mails, Zeitungen und evtl. Messenger ohne Multimedia. Völlig ungenügend z.B. für Videos. 2G-Telefonie bleibt erhalten.

Lassen Sie sich nicht irritieren

Die Ausstattung des Funkmasts an Ihrem aktuellen Standort müssen Sie so akzeptieren wie sie ist. Entscheiden können Sie über Ihr Gerät und Ihren Tarif (und damit über Ihren Netzbetreiber). Bei diesen Entscheidungen gilt es, Nebelkerzen zu erkennen und zu vermeiden.

LTE und LTE+ klingt ähnlich. Nur LTE+ ist das “echte” und stärkere 4G. Wer LTE und 4G in seinem Netz- oder Tarif-Angebot gleich setzt, will Sie vielleicht täuschen. Empfehlung: Wenn Sie sich für ein Smartphone oder einen Tarif entscheiden, sollte beides das “echte” 4G = LTE+ sein.

5G und 5G NSA (Non Stand Alone) klingt ähnlich, ist aber ganz anders. Das “echte” 5G hat mit Smartphones nichts zu tun. Was heute als 5G-Smartphone oder 5G-Tarif angeboten wird, nutzt nur die Leistung von 5G NSA. Die Leistungsfähigkeit ist nur geringfügig besser als 4G – wenn überhaupt.

Ich vermute, dass 5G NSA in den nächsten Jahren flächendeckend angeboten wird. Dagegen wird das echte 5G wohl nur in begrenzten “Inseln” verfügbar sein. Diese Vermutung stützt sich darauf, dass private mobile Anwendungen (Text und Sprache bis Video) weniger Leistung brauchen als ortsfeste Spezialanwendungen.

5G und seine Varianten stehen noch am Anfang der Entwicklung. Smartphones werden für Regionen / Kontinente und die dort installierten Frequenzbänder produziert. Die ersten 5G-Smartphones sind bereits technisch überholt. Stichwörter: Frequenzbänder, 5G DSS, Kompatibilität deutscher SIM-Karten, mmWave-Frequenzen, Sub 6 GHz, Vo5G.

Ich würde mich mit meiner Auswahl wohler fühlen, wenn ich das schon eindeutig erkennen könnte. Und auch die Entwicklung der Auswahl und der Preise. Um eine Fehlinvestition zu vermeiden. Konkret: Ich würde mit einer Weichenstellung noch warten. Zwei oder drei Jahre, so lange meine 4G-Ausstattung funktioniert: Investitionsrisiko ohne spürbaren Nutzen. Nur um mit 5G “unverstanden angeben” zu können?

 

Mobilfunk-Generationen: Revolution und Nebelkerzen

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