Senioren, Smartphones, Sicherheit Privatstunden, Hilfe, Seminare – damit Technik Spaß macht

Was Ihre Metadaten Neugierigen verraten

Aufrufe: 112

Metadaten können für die Privatsphäre gefährlicher sein als die Daten selbst. Lesen Sie, warum das so ist und wie man in der Kommunikation damit umgehen kann.

Daten und Metadaten im Puzzlespiel

Haben Sie mal ein Kind beobachtet, wenn es ein Puzzle zusammensetzt? Beim ersten Mal ist es ziemlich mühsam, mit jedem weiteren Anlauf geht es sicherer und schneller.

Ohne dass es dem Kind bewusst ist, geht es um “Daten” um (das fertige Bild bzw. Teile davon) und “Metadaten” (Position der einzelnen Teile im Bild). Viele Puzzle-Steine kann es z.B. anhand ihrer Form anordnen: Eck-, Kanten-, Innen-Teile. Und die Farben helfen auch, z.B. Himmel, Boden, Objekte im Bild. Der Rest ist ein “Kinderspiel”.

Die Position eines einzelnen Steins sagt nicht viel aus. Erst das Zusammenspiel führt zum Ergebnis.

Daten und Metadaten im Leben

Daten gibt es z.B. in Datenbeständen wie Dokumenten, Büchern, Filmen, Datenbanken oder Dateien. Sie sind die “Inhalte” dieser Datensammlungen. Daten gibt es auch in der Kommunikation als Datenfluss, z.B. im persönlichen Gespräch oder im Telefonat, im Videochat, in E-Mails.

Man kann sich kaum vorstellen, dass die Masse aller Telefonate “abgehört” oder gespeichert werden kann. Oft kommt noch die Überzeugung dazu “Ich bin nicht wichtig genug, um abgehört zu werden”. Diese Einschätzung ist weitgehend richtig. Ausnahme: “Lauschangriffe” durchsuchen Inhalte z.B. über Reizwörter – manche sind unter bestimmten Bedingungen rechtlich zulässig, andere sind kriminell. Kommunikationsdaten haben einen flüchtigen Charakter. Die fehlende “Dokumentation” kann den Eindruck verstärken, dass “bewegte” Inhalte weniger brisant sind im Hinblick auf die Privatsphäre.

Metadaten sind “Daten über Daten”. Sie beschreiben die Kommunikation “von draußen”, z.B. wer hat mit wem wann wo wie lange wie oft telefoniert. Mit den Inhalten der Kommunikation (z.B. des Telefonats) haben sie nichts zu tun.

Während die Inhalte umfangreich und “wolkig” sein können, sind Metadaten knapp gehalten und einheitlich wie in einer Tabelle strukturiert. Damit können sie mit wenig Aufwand gespeichert und ausgewertet werden.

Metadaten

Metadaten werden erst im “Zusammenhang” interessant. Je mehr Puzzlesteine zusammenkommen, desto deutlicher und aussagefähiger wird das Gesamtbild. Wer das Gesamtbild erkennen will, wird also Interesse an immer mehr Metadaten haben.

Metadaten im kleinen Stil

Corona-Gästelisten sind Metadaten. Die Listen haben das Ziel, mögliche Infektionsketten zu erkennen und zu unterbrechen. Gastronomie und Friseure sollen ihre Gäste dazu anhalten, Namen und Kontaktdaten zu hinterlassen. Falls im Betrieb eine Infektion entdeckt wird, kann das Gesundheitsamt die Gäste informieren, damit sie sich z.B. testen lassen können. So weit so gut.

Ich war mit meinem Enkel auf ein Spaghetti-Eis in der Eisdiele. In der Gästeliste (in einem DIN A4-Formular) sah ich vier Positionen über meiner Zeile einen mir bekannten Namen mit E-Mail-Adresse. Als ich den Enkel wieder ablieferte, traf ich zufällig genau diese Person aus der Gästeliste. Ich begrüßte sie mit “Erwischt!”. Die Irritation konnte ich leicht aufklären, ich bin schließlich kein Stalker.

Geht mich das überhaupt etwas an? Muss die Liste für alle anderen Gäste einsehbar sein? Darf das überhaupt sein? Was passiert mit den Listen im Hintergrund? Wer hat noch Zugang zu den Listen? Werden sie vernichtet, sobald sie ihre Corona-Aufgabe erfüllt haben? Wirklich?

Die Listen enthalten Metadaten: Wer, wann, wo, mit wem, wie erreichbar. Bei Kartenzahlung (statt bar) lässt sich auch die Bestellung herausfinden.

Wer aktuell im Internet z.B. mit den Stichwörtern “corona listen gastronomie polizei” sucht, findet etliche Presseberichte und Kommentare. Immer wieder hat die Polizei bei Fahndungen auf diese Metadaten zugegriffen. Sie erfährt zwar nichts über Gesprächsinhalte. Aber Eis und Cappucino werden evtl. anders bewertet als Champagner.

Die Rechtmäßigkeit des Polizeizugriffs auf die Metadaten ist umstritten, trotz großmäuliger vollmundiger Politikererklärungen. Sie argumentieren mit Tötungsdelikten und Vermisstensuche. Vielleicht wollen sie auch nur Falschparker überführen. Wem hilft die Liste, wenn Gäste ihr Vertrauen verlieren und sich als Micky Maus und Max Muster eintragen?

Metadaten im ganz großen Stil

“Ganz groß” bedeutet: Der Facebook-Konzern mit WhatsApp und Instagram hat zusammen rund 2,89 Milliarden monatlich aktive Nutzer. Zum Vergleich: Das bevölkerungsreichste Land China hat “nur” 1,4 Milliarden Einwohner. Wenn Facebook ein Land wäre …

Facebook ist immer wieder durch Datenskandale aufgefallen. Chef Zuckerberg verbindet die Messenger von Facebook, WhatsApp und Instagram zu einem riesigen Netzwerk. Noch mehr Metadaten, noch vollständigere Profile, noch mehr Einfluss. Die Daten werden nur zum Teil verschlüsselt. Die Metadaten bleiben unverschlüsselt. Dann kann Zuckerberg sie einfacher verwerten.

Jörg Schieb beschreibt mögliche Konsequenzen in seinem Artikel “WhatsApp und die vielen Metadaten, die anfallen”. WhatsApp und Instagram sind bei vielen ihrer Nutzer ständig aktiv und liefern dabei Daten an Facebook.

Zitat: “Facebook kennt auch mein soziales Umfeld. Die Namen und Rufnummern aller Personen, mit denen ich Nachrichten austausche (bei Instagram nur die Namen). Wann ich kommuniziere. Wie oft ich kommuniziere. Wie schnell ich reagiere. Wer nachts um 3 Uhr eine Nachricht verschickt, schreibt höchstwahrscheinlich gerade mit einem engen Freund/einer engen Freundin. Wer täglich 50 Nachrichten miteinander austauscht, steht sich sehr nah. Außerdem weiß WhatsApp auch, wann, wo und wie oft wir uns sehen (siehe: Bewegungsprofil).”

Schieb fasst zusammen: “… wir sind gut beraten, das Schlimmste zu befürchten: Nämlich, dass sich Facebook hemmungslos bedient und die Daten ausschlachtet. Facebook macht immer, was technisch machbar ist. Moral spielt keine Rolle. Business first.”

Aus den Metadaten errechnet Facebook mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) Bewegungsprofile und Psychoprofile: Verhaltensmuster, Gemüts- oder Beziehungsstatus und mehr.

Folgerungen aus Metadaten

Zwischen ganz kleinen und ganz großen Sammlern und Nutzern von Metadaten gibt es viele Abstufungen. Unternehmen wollen werben. Kriminelle wollen betrügen. Ermittler wollen aufklären. Polit-Funktionäre wollen Wahlen beeinflussen. Alle werden erfolgreicher, wenn sie den “Nerv” der Betroffenen treffen. Metadaten helfen bei der Einschätzung.

Das sind ein paar Beispiele, wie Metadaten richtig oder falsch interpretiert werden können:

Wer Terroristen kennt, muss selbst Terrorist sein. Wer mit Kritikern kommuniziert, ist wohl selbst Kritiker. Wer in einer Diskussion auf den Like-Button (“gefällt mir”) tippt, teilt seine Meinung mit. Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch jenen angesehen. Wer in einem Viertel mit schlechter Kreditwürdigkeit wohnt, kann auch nicht besser sein (und bekommt keinen Kredit und keinen Handy-Vertrag). Wer im Biker-Forum diskutiert, bekommt keine Wohnung (die Lautstärke der Motoren ist den Nachbarn nicht zuzumuten).

Die “Profiler” stellen richtige Fakten in richtige oder falsche Zusammenhänge. Sie wissen nicht genug, aber es genügt ihnen.

Metadaten möglichst vermeiden

Weniger bekannte Messenger sind Signal und Threema. Auch sie übertragen Chats, Texte, Fotos, Sprache, Videos vom Absender zu einzelnen Empfängern oder zu Gruppen. Z.B. der Messenger Threema schreibt: “Threema kann anonym (ohne Angabe einer Rufnummer) genutzt werden und speichert so wenige Daten wie technisch möglich.”

Ohne Metadaten geht es nicht. Wichtig ist, wie die Betreiber mit Metadaten umgehen. Datensparsamkeit: Betreiber sollten so wenig Metadaten erheben, wie technisch möglich ist. Protokollierung: Betreiber sollten die Metadaten löschen, sobald sie nicht mehr benötigt werden. Anonymisierung: Metadaten sind sicherer, wenn sie nicht einer Rufnummer, sondern einer anonymen Ident-Nummer zugeordnet werden.

Was wir Nutzer tun können

Für Laien ist das schwer zu prüfen. Ich verlasse mich lieber auf kritische Fachleute als auf Werbetexte und Jubelnutzer.

Bei Facebook habe ich mich schon vor Jahren abgemeldet. Über WhatsApp musste ich nicht lange nachdenken. Ich wollte nicht wieder in den Facebook-Konzern. Und die Nutzungsbedingungen enthalten Klauseln, die ich einfach nicht akzeptieren konnte. Lesen genügt. Pressemeldungen bestätigten meine Entscheidung.

Die für mich wichtigen Kontakte erreiche ich über Threema und Signal, die wurden beide immer wieder positiv bewertet. Und weil ich flexibel bin, biete ich auch E-Mail-Adressen und Telefonnummern an. Alles außer Zuckerbergs, das fällt mir leicht.

Mit der Digitalisierung entstehen Metadaten, sie lassen sich nicht vermeiden. Gesammelte Metadaten sind z.T. aussagefähiger als Inhalte. Metadaten werden genutzt, um uns auszuforschen, zu beurteilen und zu manipulieren. Das können wir oft nicht erkennen und verhindern. Wir Nutzer können nur darauf achten, wie “Dienstleister” wie Facebook, Behörden etc. mit unseren Metadaten umgehen und die Dienstleister danach aussuchen.

PrivatstundenHandyTipp Fernsteuerung


Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.