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Ignoranz von Politikern und Presse zur Digitalisierung

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Ignoranz nervt mich. Immer wieder schwafeln Politiker unwidersprochen vom iPad als “Digitalisierung”. Ich fragte das ZDF.

Lobbyismus schafft Ignoranz und macht mich wütend

Corona wirkt – unabhängig von der Pandemie – als Brandbeschleuniger in der Digitalisierung. Politiker wollen sich profilieren und schwafeln (Entschuldigung für den Ausdruck) über Home Office und Home Schooling. Sie wollen iPads über Schulen verteilen und halten das für Digitalisierung. Meine Kritik betrifft Politiker in Regierungs- und Oppositions-Parteien.

IgnoranzAlle wollen das Apple iPad. Keiner erwähnt Notebooks, PCs, Smartphones von Samsung, Huawei oder anderen Herstellern. Ich kritisiere nicht das Apple iPad, sondern die Alternativlosigkeit: nur die Geräteart Tablet, nur von diesem Hersteller. Keiner fordert Medienkompetenz. Keiner fordert digitale Weiterbildung für Multiplikatoren, wie Politiker, Lehrer, Manager, Eltern. Nur Tablet, nur Apple. WLAN in Schulen? Funklöcher in ländlichen Gebieten? Aber Flugtaxis sind wichtig. Sie haben es verpennt. Ich bin wütend.

Soweit meine subjektive Meinung. Es gibt auch objektive Informationen. Ein Artikel dazu heißt: Digital-Ranking von Expats: Diese Länder schneiden am besten ab. Im Text steht: “Weit abgeschieden im Digital-Ranking ist wenig überraschend Deutschland – lediglich Platz 53 von insgesamt 68 abgebildeten Staaten nimmt die Bundesrepublik in dieser Kategorie ein”. Hinter Platz 52 Griechenland und vor Platz 54 Argentinien. “Expats” ist die Abkürzung von “Expatriates”; das sind Fach- und Führungskräfte, die vorübergehend ins Ausland entsendet werden.

In dieser Situation der “Unaufgeklärtheit” und Ignoranz haben Lobbyisten und Marketingprofis ein leichtes Spiel. Apples Vertreter verkünden “Digitalisierung heißt iPad”. Sie machen das sicher subtiler, vielleicht verteilen sie “leihweise” oder zu “Testzwecken” iPads an Politiker und Journalisten. “Framing” heißt diese Beeinflussung. Einer setzt den Rahmen (englisch “Frame”), indem er diesen Begriff verwendet. Immer wieder. Bis alle in ihrer Ignoranz daran glauben und auch diesen Begriff verwenden.

Meine Ignoranz-Frage an das ZDF

Am 07.08.2020 schrieb ich diese E-Mail an Zuschauerservice@zdf-service.de:

Guten Tag,

ich habe eine Frage zu einer Beobachtung, die ich in den vergangenen Monaten mehrfach gemacht habe, nicht nur beim ZDF. Meine Beobachtung bezieht sich auf die Digitalisierung in Schulen, die immer wieder in Interviews, Nachrichten und Talkshows angesprochen wurde. Immer wieder wurde z.B. von Politikern die Ausstattung der Schüler mit “iPad”s als Lösung genannt – nicht Tablets, Smartphones, Notebooks, sondern iPads. iPad ist kein Gattungsbegriff, sondern eine Produktgruppe (Tablets) eines einzigen Herstellers (Apple). Aktuelles Beispiel: Armin Laschet bei Dunja Hayali am 6.8.2020.

Meine Meinung:
Wenn z.B. in einem Interview ALDI erwähnt wird, kontert der Moderator “Es gibt auch LIDL, REWE etc. …”. Wenn z.B. BMW genannt wird, wird auf Audi, Mercedes etc. hingewiesen. Das finde ich richtig, obwohl das den Zuschauern wohl bekannt ist. In der Digitalisierung fehlt das, obwohl gerade zu diesem Thema das Allgemeinwissen fehlt.

Wenn Politiker davon keine Ahnung haben, finde ich das bei einem derart zukunftsorientierten Thema schlimm genug (z.B. Herr Laschet bei Frau Halali). Wenn Journalisten sich auf ihr Thema nicht ausreichend vorbereiten und nicht kontern können, ist das für mich noch schlimmer. Wenn Laschet “iPad” sagt, müsste die Journalistin kontern “Es gibt nicht nur die Geräteart Tablets, sondern auch Notebooks. Es gibt nicht nur den Hersteller Apple, sondern auch die Hersteller Samsung, Huawei etc. Es gibt nicht nur hochpreisige Geräte wie Apple, sondern auch preiswertere wie in der “Android-Welt”. Gerade wenn es um Steuergelder geht. Ich erwarte in einer solchen Sendung keinen qualifizierten Systemvergleich, den können die Journalistin und der Politiker nicht leisten, das ist auch nicht Aufgabe der Sendung.

Ich halte es aber für völlig verfehlt, wenn bei den (oft ebenso uninformierten) Zuschauern der Eindruck entsteht, das iPad sei “die Digitalisierung”. Apple betreibt offensichtlich erfolgreich Lobbyismus bei Politikern. Von Journalisten erwarte ich aber Objektivität, zumindest den Hinweis, dass es nicht nur das iPad gibt.

Meine Frage:
Wie sind die Regelungen bezüglich Produktwerbung / Product Placement in Informationssendungen? Muss das nicht als Werbung gekennzeichnet sein?

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Buchert
Diplom-Kaufmann
[…]

Die ZDF-Antwort auf meine Ignoranz-Frage

Am 19.08.2020 antwortete das ZDF:

Sehr geehrter Herr Buchert,

vielen Dank für Ihre E-Mail an das ZDF.

Sie beanstanden in Ihrer Mail die Erwähnung von “IPads” und möchten wissen, welche Regelungen es bezüglich Produktwerbung/Product Placement in Informationssendungen gibt.

Produktwerbung bzw. Schleichwerbung liegt vor, wenn Hersteller für das Zeigen des Produktes zahlen. Dies ist gemäß Rundfunkstaatsvertrag verboten. Wir als Sendeanstalt haben das Bestreben, keine Firmennamen in unseren Formaten zu nennen, allerdings gehört das ein oder andere Produkt, wie das iPad beispielsweise, mittlerweile zum alltäglichen Sprachgebrauch. Seien Sie versichert, dass das ZDF damit keinen Werbezweck verfolgt bzw. es keine Absicht gibt, für Produkte wie Apple zum Beispiel, Werbung zu machen.

Auf unserer ZDF-Seite unter dem link https://www.zdf.de/zdfunternehmen/zdf-rechtsgrundlagen-und-vorschriften-100.html, ZDF-Richtlinien für Werbung, Sponsoring, Gewinnspiele und Produktionshilfe sind die Vorschriften dazu einsehbar.

Wir hoffen, Ihre Bedenken damit ausgeräumt zu haben und würden uns freuen, Sie weiterhin als aufmerksamen und durchaus kritischen Zuschauer begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Zuschauerservice

Meine Reaktion an das ZDF

Am 19.08.2020 schrieb ich an das ZDF:

Sehr geehrte Damen und Herren vom Zuschauerservice,

zunächst danke ich für Ihre Antwort. Allerdings bin ich damit nicht ganz zufrieden.

Richtigstellung 1: Ich bin nicht davon ausgegangen, dass Apple Zahlungen für die Nennung des iPad im Interview geleistet hat, weder an das ZDF, Frau Halali oder Herrn Laschet. Ich unterstelle keine Absicht.

Richtigstellung 2: Ich teile Ihre Meinung nicht, dass das iPad mittlerweile zum alltäglichen Sprachgebrauch gehört. Wahrscheinlich ist es als Gerät bekannt, der eine oder andere nutzt es (Apple hat einen Marktanteil von um die 10 Prozent). Als Synonym für “Digitalisierung” gehört es gewiss nicht zum Sprachgebrauch. Mich stört weniger das Produkt „iPad“, sondern seine alternativlose Nennung.

Ihr Link https://www.zdf.de/zdfunternehmen/zdf-rechtsgrundlagen-und-vorschriften-100.html hat mich fast “erschlagen” – viel zu viel für mich als Nicht-Jurist. Aus meinen Richtigstellungen können Sie erkennen, dass es mir nicht um das Juristische geht, sondern um die Sache.

Sie wissen so gut wie ich, dass bei der Kommunikation die Absicht des Senders (keine Werbung!) weniger wichtig ist als das, was beim Empfänger ankommt. Beim Empfänger kommt eindeutig “iPad ist Digitalisierung” an, in diesem Fall von Herrn Laschet, ohne Widerspruch von Frau Halali. Vermutlich nicht geplant, sondern spontan. Oder als eine der üblichen vorbereiteten “Sprechblasen”. Vermutlich müssen sich Politiker eine gewisse Menge Ignoranz leisten. Aber bitte nicht bei zukunftsrelevanten Themen.

Ich hätte mir von Ihnen gewünscht, dass Sie Ihre zuständigen Mitarbeiter auf ein ähnliches Verhalten beobachten / hinweisen / trainieren wie bei meinen Beispielen ALDI-LIDL-REWE oder BMW-AUDI-Mercedes.

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Buchert

Ob und wie es weitergeht, werde ich mitteilen

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