Android 8 und Android One: Aktuelle Entwicklungen machen es leichter, das neue Smartphone zukunftssicher auszuwählen. Was sollten wir beachten?

Wildwuchs ist nicht zukunftssicher

Der Wettbewerb hat das Betriebssystem Android groß gemacht. Konkurrierende Hersteller sorgten für günstige Gerätepreise. Jeder Hersteller modifizierte und ergänzte das Betriebssystem. So entstanden sehr unterschiedliche Varianten des Betriebssystems für viele Smartphone- und Tablet-Modelle. Das erlebt jeder, der mit unterschiedlichen Smartphones umgeht.

Das Betriebssystem Android ist eine Software, die den “Betrieb” im Smartphone erledigt. Es verbindet die Hardware mit den Apps.

Zukunftssicher durch Android 8 und Android One

Viel Wildwuchs vor Android 8

Mit der Nutzung wachsen die Erfahrungen und die Anforderungen. Mehr Funktionen werden eingebaut, die Korrektur von Schwächen oder Fehlern bringt mehr Sicherheit. Solche Weiterentwicklungen führen zu kleineren “Updates” und größeren “Upgrades”. Android kam 2008 auf den Markt. Bis jetzt entstanden 16 Versionen: Base, Cupcake, Donut, Eclair, Froyo, Gingerbread, Honeycomc, Ice Cream Sandwich, Jelly Bean, KitKat, Wear, Lollipop, Marshmallow, Nougat, Oreo. Im Durchschnitt gab es alle 5 Monate eine neue Android-Version.

Viele Komponenten arbeiten zusammen. Beispiel: Um zu fotografieren, muss die Kamera-App das Objektiv, das Display, den Speicher, Sensoren etc. benutzen. Die Kommunikation zwischen diesen Komponenten läuft über das Betriebssystem. Das Betriebssystem von Google läuft auf Smartphones vieler Hersteller wie Samsung, Huawei etc. Jeder Hersteller hat eine ganze Smartphone-Palette, von Einsteiger- bis zu Premium-Geräten, mit einfachen bis höchstwertigen Komponenten von unterschiedlichen Zulieferern, mit z.T. wechselnden Komponenten während der Lebensdauer eines Modells.

Diese Varianten ergeben eine unüberschaubare Vielzahl denkbarer Kombinationen, die so genannte “Fragmentierung”. Hersteller bzw. Zulieferer können die Fragmentierung nur dezentral bewältigen. Nur sie kennen ihre eigenen Komponenten und Betriebsgeheimnisse; die aktuelle Version des Betriebssystems bekommen sie von Google. Für diese individuelle Kombination entwickeln sie eine spezielle Software, die so genannten “Treiber”.

Die Hardware, die Treiber und das Betriebssystem beeinflussen sich gegenseitig. Die Veränderung eines Elements (z.B. eine neue Android-Version) erzwingt die Anpassung der anderen Elemente. Die Zulieferer mussten bisher für jede neue Android-Version die Treiber anpassen. Diese Anpassung war der Engpass, der die Bereitstellung neuer Android-Versionen monatelang verzögerte oder sogar verhinderte.

Mindest-Anforderung: Zukunftssicher durch Android 8 und Treble

So ist der Ablauf von Updates: Google entwickelt das Update für das Kernsystem und gibt es an die Hersteller weiter. Die Hersteller sollen das Update so umsetzen, dass es für alle Geräte-Varianten passt. Sie sollen es an die Nutzer ausliefern. Leider geschieht das viel seltener als erwünscht. Weil die Anpassung mit viel Aufwand verbunden ist, kommen die Updates vorrangig bei ganz neuen Geräten an. Nur wenige ausgewählte ältere Geräte (Oberklasse oder Bestseller) bekommen ein Update.

Nutzer ärgern sich, wenn die Verbesserungen bei ihnen nicht ankommen. Google ärgert sich, weil weiteres Wachstum und Datensammeln ausgebremst wird. Zum Glück decken sich hier die Erwartungen der Nutzer und die Ziele von Google.

Zwei Maßnahmen machen Android zukunftssicher:

  1. Die Version Android 8 (“Oreo”) bringt ein grundsätzlich neues “Schnittstellen”-Konzept, das Projekt “Treble”. Es standardisiert die Einbindung der Treiber und macht deren Anpassung an neue Android-Versionen überflüssig. Dann kann Google die Updates zentral und schnell ausliefern – ohne die bisherige Verzögerung durch die Hersteller und Zulieferer.
  2. Damit das Konzept funktioniert, müssen auch die Hersteller ab Werk Hardware-Voraussetzungen schaffen: Neupartitionierung des internen Speichers. Ohne diese Voraussetzung bleibt es bei der dezentralen und verzögerten Auslieferung durch die Hersteller.

Experten halten diese Änderung im Bereich der Treiber für die größte und wichtigste, die Android mit der Version 8 seither erfahren hat.

Zukunftssicher: Das neue Smartphone MUSS AB WERK mit Android 8 und Treble ausgeliefert werden.

Google stellte Android 8 am 21.08.2017 offiziell vor. Seitdem können die Hersteller neue Geräte damit ausstatten und Geräte mit der Vorgängerversion aktualisieren. Das braucht mehrere Monate. Das Portal connect stellte per 28.12.2017 zusammen: “Android 8 Oreo: Diese Smartphones bekommen das Update”. Weitere Android-Versionen (Android 9 etc.) werden sicher folgen.

Amazon bietet z.B. diese Smartphones mit Android 8 und Treble an: Google Pixel, Google Pixel 2, Sony Xperia XZ1, Huawei Mate 10 Pro, Honor View 10.

Noch besser: Zukunftssicher durch Android One mit “Stock-Android”

“Stock Android” ist das pure ursprüngliche Android, wie es von Google entwickelt wurde (“Stock” bedeutet etwa Vorrat, Bestand). Es verzichtet auf optische Spielereien und ist häufig klarer strukturiert. Das entlastet Speicher und die übrige Hardware. Das wirkt sich gerade bei Einsteiger-Geräten als Leistungssteigerung aus.

Hersteller wollen durch vermeintlich “verbesserte” Bedienkonzepte und eigene Apps ihre Kunden an sich binden. Vielleicht wollen sie auch zusätzliche Einnahmen durch Werbung für fremde Apps erzielen. Sie ergänzen das Stock Android und installieren Apps, die für viele Nutzer überflüssig und daher unerwünscht sind. Sie können i.d.R. nicht deinstalliert werden und blockieren wertvollen Speicherplatz. Der Begriff dafür ist “Bloatware” (Blähware). Die Abweichungen vom Stock Android wurden immer größer.

Seit einiger Zeit bietet Google die Smartphones Nexus und Pixel an, die mit Stock Android arbeiten. Inzwischen wurden zertifizierte Kooperationen mit einzelnen Herstellern vereinbart, die Google’s Hardware-Vorgaben beachten und mit Stock Android auskommen. Diese Kampagne heißt “Android One” und soll Stock Android in allen Geräteklassen und Regionen verfügbar machen. Android-Updates müssen dann nicht mehr verzögert vom Hersteller verteilt werden, sondern zeitnah von Google.

Google selbst beschreibt das Konzept auf android.com und verspricht “Alles, was du willst” und “Nichts, was du nicht brauchst” und “Immer auf dem neuesten Stand: Mit Android One erhältst du mindestens zwei Jahre lang Upgrades auf die aktuelle Android-Version. Dadurch hast du Zugriff auf neueste Innovationen und dein Smartphone läuft auch nach langer Zeit noch genauso gut wie am ersten Tag.” Monatliche Sicherheits-Updates sind sogar für drei Jahre angekündigt. Das ist für ein Smartphone fast “lebenslänglich”.

Als Basis-Anwendungen sind diese Apps installiert: Telefon, Uhr, Rechner, Kontakte, Nachrichten, Google Fotos, Drive, Gmail, Kalender und Google Duo. Weitere Apps installiert jeder Nutzer nach seinem Bedarf.

Zukunftssicher: Das neue Smartphone SOLL zum Projekt Android One gehören und Android 8 haben.

Android One mit Stock Android besteht als Projekt schon länger. Leider gab es bisher fast nur Google-Smartphones. Erst jetzt steigen weitere Hersteller ein. Smartphone-Angebote bei Amazon:

Eingeschränkt: Android 8 Go Edition

Nur für die Vollständigkeit: Google kündigte zuammen mit Android 8 ganz neu die “Android Oreo Go Edition” an. Diese Version soll eine Weiterentwicklung von Android One sein, die speziell für schwache Einsteigergeräte konzipiert wurde. Ihre Merkmale sind ein abgespecktes Stock Android und abgespeckte Google Apps. Vermutlich will Google damit in Schwellen- und Entwicklungsländern große Stückzahlen ausliefern. Die Einführung in Europa wird eher als unwahrscheinlich eingeschätzt.

Die “Android 8 Go Edition” unterscheidet sich technisch von der Vollversion durch das “Abspecken”. Im Gegensatz dazu ist “Android One” eine Kooperation ohne technische Änderung.

Wählen Sie Android 8 / Android One

Android 8 und Android One ergänzen sich, denn auch die Geräte aus dem Android One-Projekt werden mit den jeweils aktuellen Android-Versionen ausgestattet. Darum halte ich es auch nicht für einen Nachteil, dass sich erst wenige Hersteller an Android One beteiligen.

Ich sehe diese Unterschiede zwischen Android 8 und Android One:

  • Die Auswahl bei Android One-Geräten ist kleiner.
  • Android One-Geräte haben die Chance, bis zum Ende ihrer technischen und wirtschaftlichen Lebensdauer ein aktuelles und sicheres Betriebssystem zu haben.
  • Wer bei Stock Android bleibt, reduziert späteren Lernaufwand – auch bei einem Herstellerwechsel.

Wenn Sie jetzt kaufen, achten Sie darauf, dass Android 8 bereits ab Werk installiert ist. Evtl. gibt es noch Bestände mit Android 7 auf dem Weg von der Produktion zum Kunden. Dabei ist die Hardware vermutlich noch nicht für Treble vorbereitet (Neupartitionierung des Speichers).

Die ersten Smartphones mit Android 8 gehören eher zur hochpreisigen Spitzenklasse. Wenn das nicht Ihr Bedarf ist, warten Sie noch ein Vierteljahr. Neue Geräte und Updates für ältere werden auf den Markt kommen. Und dann greifen die Viertel-Regel und der Preisverfall.

In einschlägigen Foren lese ich, dass Fragen zur Aktualisierung und Sicherheit des Betriebssystem die wenigsten Nutzer interessieren. Das sei “Nerd-Kram” – nur etwas für Spezialisten. Die Aktualität des Betriebssystems ist so etwas wie eine kostenlose Versicherung zur technischen und wirtschaftlichen Werterhaltung. Ist das nur etwas für Spezialisten?


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