Das Auto hat kein eingebautes Navigationssystem? Beifahrer navigieren mit der Landkarte auf dem Schoß? Tipps zum richtigen Navi.
Navigationssystem

Hier bin ich, da will ich hin. Diese Strecke soll es sein. Bis eine ungeplante Störung kommt. Wie komme ich trotzdem zum Ziel?

Navigationssystem: Vorurteile und Fakten

Wer ein Navigationssystem (umgangssprachlich: “Navi”) sucht, kann zwischen drei Arten wählen.

Der Klassiker ist das “integrierte” System, das fest in das Auto eingebaut ist. Das macht schon der Hersteller des Autos. Inzwischen ist die Navigation oft Teil eines “Infotainment-Systems”. In der Zubehörliste für Neuwagen stehen vierstellige Beträge.

Um Fahrzeuge nachträglich mit einem Navi zu versorgen, hat man “Persönliche Navigations-Assistenten” (PNA) entwickelt. Das sind Geräte in der Größe eines Smartphones oder Tablets, die man z.B. mit einem Saugfuß an der Windschutzscheibe befestigt. So ein “Einzweck”-Navigationssystem kann navigieren, sonst nichts. Man zahlt dafür viel weniger, dreistellige Beträge genügen.

Als jüngste Entwicklung gibt es Navigations-Apps im Smartphone. Damit kann das “Allzweck”-Smartphone auch für die Navigation genutzt werden. Das Smartphone befestigt man, ähnlich wie ein PNA, z.B. mit einem Saugfuß an der Windschutzscheibe. Wer schon ein Smartphone hat, bekommt die App kostenlos.

Wer sich mit dem Thema nur oberflächlich beschäftigt, wird von widersprüchlichen Informationen so verunsichert, dass er evtl. lieber verzichtet. Typische Aussagen sind:

  • “Bisher bin ich auch ohne Navigationssystem noch überall angekommen”. Wirklich immer? Pünktlich? Ohne sich zu verfahren? Wer das als Vorwand benutzt, hat nicht erlebt, wie entspannt das Fahren mit Navigationssystem sein kann.
  • “Kann eine kostenlose Navigation überhaupt was taugen?”. Ganz klar: JA, wegen der besonderen Interessen der Anbieter.
  • “Die CDs für das eingebaute System sind bald veraltet, neue sind (zu) teuer.” Stimmt für integrierte Geräte.
  • “Ich habe schon gehört, dass jemand ins Hafenbecken geleitet wurde”. Mag sein. Hat dabei das Navi gelenkt oder der Fahrer? Auch beim Autofahren ist Aufpassen nötig.
  • Fortgeschrittene wissen mehr: “Im Funkloch hilft mir die Smartphone-Navigation auch nicht”. Das stimmt nur für die reine “ONLINE-Navigation”. Aber es gibt auch “OFFLINE-Navigation”, die funktioniert ähnlich wie ein PNA.

Ein TOMTOM-Angebot bei Aldi

Ab dem 09. Juli 2018 war bei ALDI Nord ein TOMTOM-Navigationssystem im Angebot, das Modell TOMTOM-Start 62 mit einem 6-Zoll-Display für 129 Euro. Das mitgelieferte Kartenmaterial umfasst 48 Länder in Europa. Dafür soll es “lebenslang” kostenlose Updates geben. Zusätzlich gab es drei Monate lang einen Blitzerwarner.

Bei Chip wird das Angebot näher beschrieben und bewertet.

TOMTOM beschreibt die kostenlosen Updates so: “Lebenslang Karten sind kostenlos so lange verfügbar, wie Ihr Produkt unterstützt wird.” Lebenslang meint also nicht den Besitzer, auch nicht die Haltbarkeit des Navigationssystems, sondern die Support-Entscheidung des Herstellers. Das klingt eher begrenzt und willkürlich.

Das gleiche Gerät wird auf der Webseite des Herstellers für 179 Euro angeboten. Amazon bietet es, wie ALDI, für 129 Euro an, Mediamarkt, Otto und Saturn für 144,99 Euro. In diesem Vergleich sieht das inzwischen beendete ALDI-Angebot nicht schlecht aus, aber auch nicht sensationell.

TOMTOM ist einer der Navi-Anbieter, die nach heftigen Marktkämpfen übrig geblieben sind. Garmin und Blaupunkt gibt es noch, Navigon und andere gibt es nicht mehr. Vermutlich haben die überwiegend kostenlosen Smartphones-Apps frühere Anbieter verdrängt.

Typische Beispiele der Smartphone-Apps

Google Maps als “Online”-Navigation

Jedes Android-Smartphone hat ein mitgeliefertes Navigationssystem: Google Maps. Die App ist kostenlos, weltweites Kartenmaterial gibt es ebenfalls kostenlos. Die Karten sind jederzeit aktuell, weil sie auf einem zentralen Server im Internet gepflegt und im Augenblick der Navigation bereitgestellt werden. Auch Verkehrsinformationen (z.B. Stau) sind vielseitig und aktuell. In Vergleichstests wird die Google-Navigation gut beurteilt.

Ohne Internet-Verbindung geht fast nichts. Die Informationen zum Ziel und zum aktuellen Standort werden ins Internet übertragen (Upload). Daraus errechnet der Server bei Google die Fahranweisungen und überträgt sie zum Smartphone (Download). Upload und Download verbrauchen nur ein sehr geringes Datenvolumen (etwa 1 MB pro Stunde). Welches Datenvolumen bietet Ihr Mobilfunk-Vertrag?

Die Internetnutzung (“Online”-Navigation) bedeutet, dass in ländlichen Gegenden mit Funkloch die Navigation oft lückenhaft ist. Bei Auslandsfahrten ist zu berücksichtigen, dass evtl. zusätzliche Gebühren für die Daten im fremden Netz entstehen können.

Mit Leistungs-Einschränkungen und deutlichem Vorbereitungsaufwand kann man mit Google Maps auch Offline-Karten benutzen.

HERE WeGo als “Offline”-Navigation

Der wohl bekannteste Konkurrent von Google Maps ist HERE WeGo. Auch diese App und das weltweite Kartenmaterial sind kostenlos aus dem Google Play Store zu installieren. Das Kartenmaterial wird einmalig aus dem Internet heruntergeladen und im Smartphone gespeichert. Der Nutzer kann es jederzeit kostenlos aktualisieren, z.B. vor Reisen in unbekannte Regionen. In Vergleichstests wird auch diese Navigation gut beurteilt.

Die Speicherung und Verarbeitung der Daten im Smartphone macht die Internet-Verbindung überflüssig. Funklöcher und Gebühren im Ausland spielen bei dieser “Offline”-Navigation keine Rolle, weil sie während der Navigation keine externen Daten benötigt.

Auch HERE WeGo kann aktuelle Verkehrsinformationen liefern, dann allerdings online und mit sparsamem Datenvolumen.

Andere Navigationssysteme

Google Maps und HERE WeGo wurden unabhängig voneinander entwickelt und kostenlos angeboten, jeweils mit eigener App und eigenem Kartenmaterial. Google will damit Kundendaten für Werbung sammeln. Ein Konsortium von Audi, BMW und Mercedes Benz wollen damit eine Grundlage für späteres autonomes Fahren schaffen. Beide Motivationen lassen erwarten, dass die Systeme auf einem hohen Qualitätsniveau bleiben.

Daneben gibt es weitere Apps, die z.B. die Google-Karten mit anderem Design und anderen Funktionen benutzen.

Weiter gibt es das internationale Projekt “OpenStreetMap”, in dem z.B. Nutzer das Kartenmaterial aufbauen und aktualisieren – mit regional unterschiedlicher Qualität. Dafür gibt es eigene Apps.

Bei diesen “konkurrierenden” Systemen gibt es z.T. interessante neue Ansätze und Funktionen, aber manche sind im Experimentier-Status und nicht immer zuverlässig. Ausprobieren kann sich lohnen oder auch mühsam sein.

Vergleich und Empfehlung

Die “normalen” Navigationsfunktionen sind bei PNA und Smartphone-Apps ähnlich, z.B. Kartenmaterial für Fernstrecken und bis zur Haustür, präzise Satelliten-Ortung (z.B. GPS), gesprochene Fahranweisungen, Strecken- und Zeitplanung sowie automatische Korrektur bei Abweichungen.

Manche Navi-Anbieter lassen sich das Kartenmaterial und Updates teuer bezahlen. Das gilt besonders für integrierte Navis und PNA. Die Preise sind nach Ländern gestaffelt, z.B. Deutschland / D-A-CH (Deutschland + Österreich + Schweiz) / Westeuropa / Europa / Weltweit. Kartenmaterial für Smartphone-Apps ist für die meisten Navis kostenlos.

Blitzerwarner sind rechtlich umstritten. Blitzerwarner, die nur befristet angeboten werden (wie beim ALDI-TOMTOM 3 Monate), sind eher nutzlos. Auch für Smartphones gibt es Blitzerwarner, ergänzend zum Navi und dauerhaft kostenlos.

Im Auto bietet das Allzweck-Smartphone Vorteile gegenüber dem PNA, z.B. wird neben dem Smartphone kein weiteres Gerät benötigt. Kontakte (Reiseziele, Telefonnummern) stehen vollständig und aktuell zur Verfügung. Durch die Verbindung zu einer Freisprechanlage wird Telefonieren legal. Manche Smartphone-Funktionen können per Sprachsteuerung genutzt werden.

Mein Fazit: Offline Smartphone-App HERE WeGo

Mir ist ein “mobiles” Navigationssystem (PNA oder Smartphone-App) lieber als ein “integriertes” fest eingebautes System. Der Preisunterschied bei Kauf und Kartenupdates ist beachtlich.

Für mich wichtiger als der Preis ist aber, dass ein mobiles System nicht an das Auto gebunden ist. Es ist auch für Fußgänger- und Fahrrad-Navigation geeignet. Es kann sogar als “Reiseführer” z.B. in fremden Städten dienen.

Speziell eine Smartphone-App ist mir lieber als ein PNA. Ich muss kein zweites Gerät mitnehmen. Das Smartphone ist vielseitiger als ein PNA. Z.B. die Möglichkeit der Sprachsteuerung vermeidet die verbotene Handybedienung beim Fahren.

Mein Favorit ist die “Offline”-Navigation HERE WeGo. Damit bin ich unabhängig von Funklöchern und Auslandsgebühren. Nach vielen Experimenten entspricht diese App am besten meinem Bedarf. Sie ist “pflegeleicht”, weil ich nur gelegentlich Das Kartenmaterial aktualisiere. Z.T. sind es Kleinigkeiten, die mir diese App “angenehmer” als andere Systeme machen.

Viel Erfolg bei Ihrer Auswahl!


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