Satellite – telefonieren ohne SIM-Karte

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Mit satellite über das Internet telefonieren. Einfach, an vielen Orten kostenlos, ohne SIM-Karte, ziemlich universell.

satellite ist eine Telefon-App

Eigentlich gibt es eine scharfe Grenze zwischen “Sprache” (Mobiltelefon und SMS) und “Daten” (z.B. Internet). Das schlägt sich z.B. in unterschiedlichen Tarifen nieder. satellite überspringt diese Grenze.

satellite ohne SIM-Karte

Wenn der Anrufer satellite auf seinem Smartphone hat, kann er alle Ziele anrufen: Im Festnetz, auf dem herkömmlichen Handy, auf der Telefon-App am Ziel (an eine SIM-Karte gebunden), auf der satellite-App am Ziel. Und der Anrufer kann von allen dieser Ziele angerufen werden. Telefon in beide Richtungen.

Und die Bedienung des Telefons ist ganz “normal”: satellite starten (anstelle der Telefon-App), Nummer des Ziels wählen (per Telefontastatur oder aus den Kontakten), sprechen. Und wenn der Gesprächspartner vom Ziel aus den Anrufer erreichen will, ist es noch einfacher. Der Gesprächspartner nimmt sein Telefon (egal ob Festnetz, Handy Smartphone mit SIM-Karte oder Smartphone mit satellite) und ruft die satellite-Nummer des Anrufers an.

satellite – was geht, was nicht geht

Sie haben den Trick wohl schon erkannt. satellite-Nutzer bekommen bei der Registrierung eine eigene deutsche Mobilfunk-Nummer, beginnend mit 015678. Der Anrufer muss satellite haben. Ob der angerufene Gesprächspartner satellite hat, spielt keine Rolle.

Nach meinen Beobachtungen gibt es beste Sprachqualität, z.B. auch im Auto, sogar im Tunnel.

Zur Zeit gibt es Vereinbarungen zwischen dem App-Anbieter und 55 Ländern (EU und ähnlich viele nicht-europäische Länder). Es soll möglich sein, von Deutschland aus in diese Länder ohne zusätzliche Kosten zu telefonieren, egal ob ins Mobilfunk- oder Festnetz. Und wenn man sich in einem dieser Länder aufhält, kann man ohne zusätzliche Kosten nach Deutschland telefonieren. Ideal für private und geschäftliche Reisen.

SMS geht (noch) nicht. Das mag nicht dramatisch sein, weil SMS immer weniger genutzt werden. Private SMS werden verdrängt durch Messenger und soziale Netzwerke (WhatsApp, Threema, Facebook etc.). Aber es gibt Situationen, wo die SMS noch wichtig ist, z.B.

  • Zwei-Faktor-Authentifizierung, wie Homebanking mit Passwort und Transaktionsnummer (TAN) per SMS
  • “Passwort vergessen”-Funktion mit Information per SMS, mit der ein neues Passwort erzeugt werden kann

Wer vollständig vom Sprachtarif zu satellite wechseln will, kann seine Rufnummer mitnehmen. Portierung ist möglich, und zwar vom herkömmlichen Provider zu satellite und ggf. später von satellite zum herkömmlichen Provider.

satellite braucht keine SIM-Karte. Wenn z.B. der einzige SIM-Karten-Steckplatz mit einem Tarif und einer SIM-Karte belegt ist, kann satellite eine Art Dual-SIM-Smartphone daraus machen. Und ein Dual-SIM-Gerät kann damit quasi auf “drei” SIM-Karten erweitert werden. Sogar Geräte ohne SIM-Karten-Slot (z.B. manche Tablets) lassen sich so zum Telefonieren aufrüsten.

satellite kann mit den gleichen Zugangsdaten und der gleichen Rufnummer auf mehreren Geräten installiert werden, wie bei einem Multi-SIM-Vertrag. Dann klingeln bei einem Anruf beide Geräte.

satellite ist günstig

Die App satellite gibt es für Android (seit Mai 2019) und für Apple (seit Februar 2018). Ich beschreibe hier die Android-Version. Die App ist kostenlos und bietet 100 Frei-Minuten pro Monat. Werbefrei ist angenehm. In Kürze soll es eine Premium-Version für knapp 5 Euro pro Monat geben, mit einer Telefon-Flatrate.

Der Anbieter sipgate (Düsseldorf) setzt auf das “Freemium”-Geschäftsmodell. Für Basiskunden ist die Nutzung frei (“free”). Andere Nutzer bezahlen für “Premium”-Funktionen und tragen damit die Basiskunden mit.

Die Idee ist, Sprache (“Voice”) über die Datentechnik (“over Internet-Protokoll”) abzuwickeln: VoIP. Denn tendenziell ist der Datenverkehr günstiger als das Telefonieren. Besonders deutlich wird das, weil Festnetz-WLAN an immer mehr Orten verfügbar wird und keine zusätzlichen Kosten verursacht. Egal, ob Sie kostenloses WLAN oder kostenpflichtige Megabyte im Mobilfunk benutzen, diese Kosten sind mit satellite nicht abgegolten.

Das Datenvolumen wird auf 30 bis 130 MB pro Stunde angegeben. Das entspricht etwa dem Verbrauch beim Surfen oder in sozialen Netzwerken.

Egal, wohin man telefoniert (Mobilfunknetz, Festnetz, Ausland), jede Minute wird als eine Minute vom “freien” Volumen bei satellite abgebucht.

Das verbrauchte Datenvolumen zahlt jeder Gesprächsteilnehmer nach dem Tarif, den er gerade benutzt; z.B. nichts im WLAN, MB beim Anrufer und am Ziel, je nach nach Mobilfunktarif.

Es gibt auch andere Ansätze, per Internet zu “telefonieren”, z.B. von WhatsApp zu WhatsApp, von Skype zu Skype, von Threema zu Threema. Aber diese Ansätze funktionieren nur, wenn die Gesprächspartner in der gleichen Community registriert sind. Für mich käme z.B. eine Mitgliedschaft bei WhatsApp nicht in Frage, also auch keine Telefonie darüber.

Registrierung und Regularien

Ich habe die App aus dem Google-Play-Store installiert. Beim Aufrufen der App sind Namen und Geburtsdatum und E-Mail-Adresse einzugeben. Außerdem benötigt satellite eine Postanschrift. Das ergibt sich aus den Vorschriften der Bundesnetzagentur. Die Identität hinter einer Nummer muss bekannt sein, ähnlich wie bei Prepaid-Verträgen. Die Postzustellung beweist, dass meine angegebene Adresse gültig war. Den Freischalt-Code bekam ich nach wenigen Tagen per Post. Den habe ich in die App eingegeben, sie hat sofort funktioniert.

Es gelten deutsche Datenschutzgesetze.

Fazit: einfach nur telefonieren

“Alle sagten. Es geht nicht. Dann kam einer, der das nicht wusste. Er hat es einfach gemacht.” Dieser Spruch fiel mir ein, nachdem ich die App satellite installiert hatte. OK, der Satz stimmt hier nicht ganz. VoIP gibt es schon, aber nicht so einfach nutzbar. Seit einem Jahr gibt es die App für Apple. Außerdem gibt es WiFi Calling, VoLTE, Messenger – Lösungen, die an bestimmte Bedingungen gebunden sind.

Interessant ist: Es funktioniert gut, ich habe keine Vertragsbindung, ich brauche keine Community-Bedingungen zu beachten. Ob meine Gesprächspartner mehr oder weniger an der Technik interessiert sind, spielt keine Rolle.


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