Huawei-Boykott, 5G-Versteigerung, Rezo auf YouTube. Wenn die Politik sich in die Digitalisierung einmischt. Die letzten Tage waren spannend.
Politik und Digitalisierung

Trumps Politik geht gegen China

Im Handelskrieg gegen China hat Herr Trump ein Dekret gegen Huawei erlassen. Huawei ist ein großer chinesischer weltweit anbietender Netzwerk-Ausrüster und der größte chinesische Smartphone-Hersteller. Huawei ist schnell gewachsen und hat den amerikanischen Hersteller Apple seit einiger Zeit überholt. Vielleicht hat auch das Einfluss auf die Politik?

Trumps Politik führte zunächst dazu, dass Google als Anbieter des Betriebssystems Android Huawei den Zugang zu neueren Android-Versionen verweigert. Später schlossen sich auch Microsoft und Facebook dem Boykott an. Damit fallen die publikumswirksamen Apps für Facebook, WhatsApp und Instagram für die werksseitige Ausstattung weg. Auch Hardware-Anbieter dürfen Huawei keine amerikanischen Chips für die Produktion liefern.

Nutzer von Huawei-Smartphones sind nicht betroffen, verunsichert sind sie trotzdem. Käufer neuer Smartphones sind so weit verunsichert, dass der Absatz und inzwischen auch die Produktion gewaltig eingebrochen ist.

Was Trumps Politik für Nutzer bedeuten kann

Huawei ist groß genug, um ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln. Das wurde unter dem Namen ArkOS auch inzwischen angekündigt. Bisher gibt es dazu nur Spekulationen. Mit ArkOS könnte sich Huawei von der Google-Abhängigkeit lösen.

Viel wichtiger ist die Frage nach Apps. Nutzer werden kein Gerät (egal mit welchem Betriebssystem) kaufen, wenn es zu wenig Apps gibt. An diesem Problem ist seinerzeit schon Microsoft gescheitert. Spekuliert wird, dass die vielen Android-Apps mit ArkOS kompatibel sein könnten.

Für uns Nutzer könnte der aufschreckende Crash bedeuten, dass Konkurrenz zum Quasi-Monopol von Google entsteht. Google’s Reichtum ist aus der Datensammelwut entstanden, die vielen Angst macht. Falls Huawei die Krise übersteht, kann das mehr Datenschutz für uns Nutzer bedeuten. Vielleicht kommen wir auch nur vom Regen in die Traufe?

Politik der Bundesregierung zu 5G

6,6 Milliarden Euro hat die Versteigerung von 5G-Frequenzen gebracht, mehr Geld als erwartet. 5G wird von der Politik wie ein “Heilsbringer” angekündigt, Anschluss an die Digitalisierung in Europa, sogar eine digitale Führungsrolle sollen wir damit erreichen.

Mein persönlicher Eindruck: Seitdem Frau Merkel 2012 die Digitalisierung als “Neuland” bezeichnet hat, hat sich in der Politik nicht viel getan. Themen wie “Flugtaxis”, “5G an jeder Milchkanne” und das “Internet der Dinge” werden populistisch verkündet. Aber in großen ländlichen Bereichen fehlt immer noch die Basisversorgung. Funklöcher werden auch mit den kurzen Reichweiten von 5G nicht geschlossen.

6,6 Milliarden, die angeblich in die Digitalisierung fließen sollen, fehlen den Netzbetreibern. Sie können die Funklöcher nur mit 3G oder 4G schließen. 5G bringt dort überhaupt nichts. Die Politik wiederholt sachlich falsche Sprechblasen, sie hat es nicht verstanden.

Was 5G für Smartphone-Nutzer bedeuten kann

Wir bekommen einen zusätzlichen Netzbetreiber: 1&1-Drillisch. Das könnte zu mehr Wettbewerb führen und evtl. zu sinkenden Preisen für die Nutzer. Aber die Mehrkosten für den Ausbau von 5G müssen erwirtschaftet werden. Wie machen das die Netzbetreiber? Indem sie die Gebühren erhöhen. Deutschland hat heute schon höhere Gebühren als das europäische Ausland. Da wird sich nichts verbessern.

5G hat extrem kurze Reichweiten, dafür aber extrem hohe Datenraten. Damit wird diese Technik wichtig für die Produktion (“Industrie 4.0”), für die “Tele-Medizin”, für selbstfahrende Autos (“E-Mobility”), vielleicht auch für das “Internet der Dinge” (wenn sich “Alexa” mit dem Kühlschrank und der Jalousie verständigt).

Nur für Smartphone-Nutzer bringt 5G nichts. Es sind keine Apps erkennbar, die mit diesen hohen Geschwindigkeiten etwas anfangen können. Funkloch bleibt Funkloch.

Blogger schockt die Politik

Kurz vor der Europa-Wahl erregte ein YouTube-Video Aufsehen: “Die Zerstörung der CDU”. Das Video wurde inzwischen fast 15 Millionen Mal aufgerufen und heftig diskutiert. Vermutlich hat diese Meinungsäußerung auch Wähler beeinflusst.

Die Politik hat völlig hilflos reagiert, bis hin zur Diskussion über Zensur, die “natürlich” nie so gemeint war und missverstanden wurde.

Rezo entlarvt die Politik

Ich rechne aber nicht damit, dass die Politik Wesentliches daraus lernt. Sie hat auch aus dem Datenklau Anfang dieses Jahres nichts Erkennbares gelernt.

Die Politik hat Luft nach oben

Ja, ich bin wütend auf “die Politik”, solange sie Denken durch ignorante Sprechblasen ersetzt. Die Polit-Darsteller empören sich populistisch, wenn sie den Eindruck haben, dass das opportun ist. Dann warten sie ab, bis die nächste “Sau durchs Dorf getrieben” wird. Die kommt zuverlässig.


Kontakt

Bitte schreiben Sie einen Kommentar (am Ende des Artikels).
Sie möchten bei neuen Artikeln eine unverbindliche Info?
Sie haben Fragen, Wünsche oder Vorschläge? Bitte hier.


Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.