Notruf per Android-Smartphone rettet schneller

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Erste Hilfe kann schneller kommen, wenn der Notruf den genauen Standort meldet. Neue Technik: AML automatisiert die Ortung jetzt.

Notruf 112

Gut zu wissen: 112 ist der zentrale Euro-Notruf

Wer vom Handy, Smartphone oder Festnetz aus die Nummer 112 wählt, wird mit einer Leitstelle verbunden, die je nach Notwendigkeit die zuständigen Organisationen wie Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei alarmiert.

Die wichtigsten Stichwörter zum Notruf sind:

  • 112 ist die europaweit einheitliche Notrufnummer (sie gilt auch in vielen Staaten außerhalb Europas).
  • Die Notruf-Nummer funktioniert ohne Ortsvorwahl. Wer diese Nummer wählt, landet automatisch bei der örtlich zuständigen Stelle.
  • Bei mobilen Geräten muss die SIM-Karte eines europäischen Anbieters eingelegt sein.
  • Der Notruf ist kostenlos, er funktioniert z.B. auch, wenn kein Guthaben mehr auf einer Prepaid-SIM-Karte ist.
  • Im Funkloch hat das Mobiltelefon keinen Empfang im Netz des eigenen Mobilfunk-Anbieters. Dann wird automatisch eine Verbindung mit einem anderen Netz aufgebaut.

Informationsquellen:
Deutsches Rotes Kreuz
handytarife.de
teltarif.de
Wikipedia

Genauere Ortung bringt schnellere Rettung

Die Ortung beim Anruf aus dem Festnetz oder von einer Notruf-Säule ist wegen der stationären Geräte einfach. Der Festnetz-Standort kann auch ermittelt werden, wenn die Rufnummer unterdrückt ist.

Ersthelfer oder Betroffene mit mobilen Geräten können in Gebieten unterwegs sein, die sie nicht genau kennen. Abseits von Verkehrsschildern und markanten Punkten können Anrufer evtl. den Einsatzort nicht genau beschreiben.

Herkömmliche Handys und Smartphones können über ihr Mobilfunknetz geortet werden, weil sie mit ihrer SIM-Karte in einer Funkzelle / bei einem Funkmast angemeldet sind. Diese so genannte GSM-Ortung (Global System for Mobile Communications) ist relativ ungenau, weil eine Funkzelle mehrere Quadratkilometer groß sein kann. In einer Notsituation kann der Zeitaufwand für die Suche dramatische Folgen haben.

Smartphones bieten eine weitere Ortungsmöglichkeit. Mit ihrer GPS-Antenne (Global Positioning System) kann der aktuelle Standort des Smartphones auf wenige Meter genau ermittelt werden. Das habe ich z.B. in diesen Beiträgen beschrieben:
Smartphone-Ortung – GPS ist überall und
Wie funktioniert die Satelliten-Navigation?.

Es gibt spezielle Notruf-Apps, die (bei eingeschalteter GPS-Funktion) den Standort an die zuständige Leitstelle melden können.

Seit September/Oktober 2019 haben die deutschen Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefonica/O2 einen neuen Netzwerkdienst aktiviert: AML (Advanced Mobile Location). Das ist keine App, sondern eine Funktion des Betriebssystems Android. Die Seite rettungsdienst.de beschreibt AML so:

Das Smartphone “erkennt, dass jemand die nationale Notruf Nummer wählt. Automatisch werden daraufhin alle Standort-Funktionen aktiviert. Noch während ein Erste-Hilfe-Leistender oder eine verletzte Person mit dem Disponenten spricht, sammelt sein Gerät für etwa 20 Sekunden alle Informationen über GPS-Koordinaten, Mobilfunkzellen und umliegende WLAN-Netze. Dann werden die gesammelten Daten an eine zentrale Stelle einer Notrufzentrale geschickt”

AML-Notruf hilft (eingeschränkt) schneller

AML funktioniert automatisch, ohne zusätzliche App und ohne Zutun der Anrufer, nur bei der Wahl des Euro-Notrufs 112. AML funktioniert zur Zeit auf den Smartphones mit Android-Betriebssystem ab Version 4.0, d.h. auf allen “nicht ganz alten” Android-Smartphones.

Mögliche Einschränkungen:

  • Das System funktioniert eindeutig nicht auf herkömmlichen Handys, weil die keine GPS-Funktion haben.
  • Android-Smartphones ohne Google Play können den Dienst nicht nutzen, das betrifft z.B. neueste Huawei-Geräte aufgrund des Boykotts durch USA.
  • Auf Apple-Geräten funktioniert es angeblich in bestimmten europäischen Ländern ab der iOS-Version 11.3. In Deutschland wurde es wohl wegen Bedenken zum Datenschutz (noch?) nicht freigeschaltet.
  • Der AML-Service wird ab sofort sukzessive in allen rund 250 deutschen Rettungsleitstellen implementiert, die den Notruf 112 entgegennehmen. Bereits heute kann rund ein Drittel aller Leitstellen die AML-Daten von Mobilfunkkunden empfangen. (inside-digital.de)

Gut, dass es diese Entwicklung gibt. Ich wünsche uns allen, dass wir sie nicht in Anspruch nehmen müssen.


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