Funklöcher-Dilemma: 3G wird wegen 5G abgeschaltet

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Unser Mobilfunk-Dilemma: 3G schwächelt, LTE/4G ist erst halb fertig, 5G verdrängt 3G ohne es zu ersetzen. Was beim Wechsel der Generationen zu beachten ist.

Funklöcher durch 5G
Die Nutzung der Mobilfunk-Generationen ist an drei Voraussetzungen gebunden:

  1. Die Infrastruktur (der zuständige -Funkmast) muss die Generation beherrschen,
  2. das Smartphone muss die Generation unterstützen und
  3. der Tarif (die SIM-Karte) muss dieses Leistungsmerkmal abdecken.

3G erfüllt diese Voraussetzungen, LTE, 4G und 5G erfüllen diese Voraussetzungen noch nicht. Infrastruktur, Smartphone-Technik und Tarife von LTE, 4G und 5G werden teurer.

Digitalisierung mit 5G ist in Deutschland überfällig. Es wird in der öffentlichen Diskussion hochgejubelt. Aber für Smartphones bringt es keine Vorteile. Im Gegenteil: 5G verdrängt den Standard 3G und vergrößert Funklöcher.

In jedem der drei Mobilfunknetze Telekom, Vofafone und O2 ist die ganze Leistungspalette der Generationen installiert, aber nicht alles an jedem Funkmast. Smartphones und SIM-Karten müssen mit den Funkmasten kompatibel sein, um sich anmelden zu können:

  • Alle Funkmasten beherrschen z.Zt. 3G, nur ein Teil beherrscht 4G. 5G gibt es erst in Testgebieten.
  • Alle Smartphones beherrschen 3G; modernere Smartphones beherrschen auch 4G. 5G gibt es erst in einzelnen Angeboten.
  • Alle SIM-Karten (alle Tarife) unterstützen 3G, nur ein Teil unterstützt 4G. Erste Tarife werden mit 5G angeboten.

Mit Funklöchern müssen wir leben

Eine Pressemeldung aus diesen Tagen: Monaco ist der erste europäische Staat mit flächendeckendem 5G. In Deutschland ist die erklärte Politik: “5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig”.

So ist die Versorgungs-Situation in Deutschland:

  • Die lückenhafte 3. Generation 3G mit vielen Funklöchern ist heute Standard.
  • Die 4. Generation 4G mit besserer Netzabdeckung ist im Aufbau, wird aber bisher nur von 47% der SIM-Karten benutzt.
  • Die 5. Generation 5G ist gerade gestartet. Testbereiche werden eingerichtet, Smartphones sind angekündigt.

Bis Ende 2022 soll es für 98% der Haushalte die Datenrate von mindestens 100 MBit/s geben. Experten schätzen, dass 98% der Haushalte nur 75% bis 85% des Gebiets der Republik entspricht. D.h. bis zu einem Viertel der Fläche sind Funklöcher. Ob diese Abdeckung mit 4G oder 5G erfolgt, ist nicht vorgegeben. D.h. auch mit 5G ist keine bessere Netzabdeckung zu erwarten.

Das Problem für den flächendeckenden 5G-Ausbau ist, dass freie Frequenzen fehlen. Davon gibt es aber zu wenig. 5G wird daher Frequenzen von 3G verwenden. Dafür muss 3G abgeschaltet werden. Der 3G-Abbau wird also zu größeren Funklöchern führen.

5G kann viel mehr als Smartphones

Ein paar Andeutungen zur Leistungsfähigkeit von 5G: Bis 100-fach höhere Datenrate als heutige LTE-Netze, rund 1000-fach höhere Kapazität, wesentlich geringerer Stromverbrauch. Weltweit werden 100 Mrd. Mobilfunkgeräte gleichzeitig ansprechbar sein.

Solche Leistungsdaten werden von Smartphones nicht annähernd ausgeschöpft. Stattdessen wird es Anwendungen geben, die heute noch viel Phantasie brauchen:

  • In der Produktion für Industrie 4.0,
  • in medizinischen Zentren für Tele-Medizin,
  • zur umfassenden Verkehrslenkung in Smart Cities,
  • an Verkehrs-Brennpunkten für E-Mobility / autonomes Fahren,
  • an Orten mit viel Publikum z.B. Groß-Veranstaltungen mit vielen Nutzern,
  • im Haushalt für Smart Home mit vielen vernetzten Geräten,
  • für schnelle Online-Spiele.

Mit dieser Leistungsfähigkeit kann 5G das Festnetz ersetzen, z.B. in schwach versorgten ländlichen Regionen.

Sicher fiebern Early Adopter schon nach dieser Technik. Senioren mit Normalbedarf brauchen 5G so dringend wie einen Formel-1-Boliden zum Brötchenholen.

Warum machen Politiker Funklöcher?

Unsere “Neuland”-Regierung macht mit ihrer Digitalisierungs-Politik die deutschen Netze teurer und schlechter als die Netze im Ausland.

  • Sinnvoll wäre ein bundesweites Netz, das 100% der Fläche abdeckt und das an alle Anbieter “vermietet” wird. Stattdessen planen die Netzbetreiber voneinander unabhängig. So kommt es vor, dass ein Dorf mit je einem Mast von Telekom, Vodafone und O2 überversorgt ist. Und andere Dörfer bleiben ganz ohne Funkmast im Funkloch.
  • Vorgaben der Bundesnetzagentur bevorzugen Ballungsgebiete. Beispielrechnung: Das Ballungszentrum Berlin hat eine Bevölkerungsdichte von ca. 4000 Einwohnern pro km². Das ländliche Brandenburg hat nur ca. 80 Einwohner pro km². Angenommen ein Funkmast versorgt eine Fläche von 1 km². Dann kann ein Netzbetreiber mit einem Funkmast in Berlin 4000 Einwohner versorgen, in Brandenburg müsste er für 4000 Einwohner 50 Funkmasten aufstellen. Ergebnis: Funklöcher, wo weniger Gebührenzahler wohnen.
  • 5G startet ohne gleichwertigen Ersatz. 4G ist noch nicht flächendeckend, weder im Netz noch in der Ausstattung der Nutzer. 3G wird zugunsten von 5G stufenweise abgeschaltet. Das führt faktisch zur Enteignung der Nutzer, denen 3G genügt. Und es erzeugt Tonnen von Elektronik-Schrott – Geräte, die nicht mehr funktionieren.
  • 5G-Frequenzen wurden für Milliarden-Beträge an Netzbetreiber versteigert. Diese Beträge fehlen beim Ausbau der Netze zum Schließen der Funklöcher.

Auswirkungen der Funklöcher

Viele (ältere) Smartphones unterstützen nur 3G, viele (Reseller-)Tarife schließen 4G aus. Wer ein solches Smartphone und einen solchen Tarif hat, wird zünftig noch schlechter versorgt werden.

Smartphones brauchen mehr als 3G. Das erlebt jeder Nutzer außerhalb der Ballungszentren. 4G ist wünschenswert, das ist heute – im Vergleich zu 3G und zum Festnetz – eine Luxusversorgung. 5G wird mit zukünftigen Smartphones und Tarifen verfügbar sein. Das wird für Smartphones eine “Premium”-Luxusversorgung.

Ab 2026 sollen Frequenzbereiche, die bisher für 3G genutzt werden, für 5G verwendet werden. Die Netzbetreiber haben aktuell angekündigt, dass sie 3G nur noch bis 2019 bzw. 2020 garantieren wollen. LTE/4G-wird der bevorzugte Standard sein.

Maßnahmen gegen Funklöcher

Wir Nutzer müssen also versuchen, mit möglichst wenig Belästigung durch die “Generationskonflikte” zu lavieren. Das sollten Sie ab jetzt beachten, denn 5G-Geräte und Tarife sind für “normalen” Bedarf überdimensioniert. 5G ist für andere Aufgaben vorgesehen:

  • Wenn Sie Smartphone und Tarif ohne LTE/4G haben, können Sie beides nutzen, “bis es nicht mehr funktioniert”. Um dann die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, sollten Sie herausfinden, wo Ihr Engpass ist: Gerät oder Tarif oder beides. Ein Dual-SIM-Smartphone hilft hier nicht, auch in den anderen Netzen wird 3G abgeschaltet.
  • Einen bestehenden Tarif ohne LTE/4G können Sie evtl. ändern oder notfalls kündigen. Vielleicht wird es wegen der 3G-Abschaltung ein Sonderkündigungsrecht geben.
  • Akzeptieren Sie keine Vertragsverlängerung ohne LTE/4G, falls Sie aus anderen Gründen Ihren bestehenden Tarif ändern.
  • Wenn Sie einen neuen Tarif abschließen, sollte er entweder LTE/4G einschließen oder nur eine kurze Laufzeit haben (Laufzeit-Vertrag über einen Monat oder Prepaid).
  • Wenn Sie ein neues Smartphone wählen, sollte es LTE/4G haben. 3G hat in den deutschen Netzen keine Zukunftssicherheit.

Aber vielleicht kommt alles ganz anders. Vielleicht entwickelt sich die Umstellung abweichend von den zeitlichen Planungen. Andere Großprojekte, z.B. der Berliner Flughafen, laufen auch aus der Planung.

Die Telekom macht ein aktuelles Angebot:”5G-Netz in Deutschland: Telekom startet 5G-Verkauf — ohne Netz”. Ich könnte damit nichts anfangen. Wenn ich das Angebot heute annähme, müsste ich nach meinem Maßstab vor Scham rot werden: Kein 5G-Bedarf, keine 5G-Apps, kein 5G-Netz über den Test hinaus, kein 5G-Smartphone, kein 5G-Tarif. Vielleicht sieht das zwei oder drei Smartphones später anders aus? Aber es wird sicher Käufer geben, die das bestellen. Weil Verkäufer “zu gut” verkauft haben. Oder weil sie es “zum Vorzeigen” brauchen.

Kommen Sie gut durch den “Generationskonflikt”.


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