Balken und Buchstaben in der Statusleiste des Displays beschreiben das Mobilfunknetz. Lassen Sie sich beim Entschlüsseln des “Codes” überraschen.

Mobilfunknetz

Im vorangegangenen Artikel Gigabit-Netze betreffen auch unsere Smartphones schrieb ich: “Die ganz schnellen Geschwindigkeiten kann das Smartphone normalerweise nicht ausnutzen. Es kann aber sehr wohl davon profitieren, wenn ein Gigabit-Netz ländliche Regionen versorgt und damit Funklöcher schließt.” Das muss ich erklären.

Mobilfunknetz in Buchstaben und Balken

Die Statusleiste am oberen Displayrand des Smartphones zeigt einige Informationen zur aktuellen Situation, z.B. Uhrzeit, Akkuladung, Signalstärke und Netz. Bei Android-Geräten erfolgt das in dieser Reihenfolge von rechts nach links. Hier geht es um das Netz und die Signalstärke.

  • Die Statuszeile zeigt immer nur ein Netz, nämlich das aktuell an diesem Standort erkannte Netz. Das Mobilfunknetz wird mit einer dieser Abkürzungen beschrieben: G E 3G H H+ LTE 4G 5G. WLAN im Festnetz wird als Symbol dargestellt: mehrere Bögen übereinander. Die Abkürzungen sind nach Leistung sortiert, nicht alphabetisch. Das ist weiter unten erklärt.
  • Die Signalstärke wird als kleines Säulendiagramm angezeigt. Die Erklärung ist einfach: Je mehr helle Balken gezeigt werden, desto stärker ist der Empfang im erkannten Netz. Die Signalstärke ist eine relative Information: Wie viel der Leistung vom nächsten Sender kommt beim Smartphone an? Sie hängt z.B. von der Entfernung vom Sender ab, von atmosphärischen Störungen, von Hindernissen zwischen Sender und Smartphone.

Wer sich nicht mit dem Thema beschäftigt hat, orientiert sich an der (relativen) Signalstärke, weil mehr oder weniger Balken leicht erkennbar sind.

Die wesentlich wichtigere Information ist das Netz. Die Leistungsfähigkeit des Netzes hängt davon ab, mit welcher Sende- und Empfangs-Technik die lokalen Funkmasten (“Mobilfunkstandorte”) ausgestattet sind. Manche Sender übertragen die Daten vergleichsweise mit der Geschwindigkeit einer Schnecke, andere wie mit Düsenantrieb. Die Informationen zum Netz werden gern “übersehen”, weil sie sich nicht selbst erklären.

Für die Anschaffung, für die Standortwahl und für die zufriedenstellende Nutzung lohnt es sich, die Netze näher zu betrachten.

Mobilfunknetz und “Generationen”

Sind unsere Netze schon 140 Jahre alt? Seit ca. 1880 gibt es die Anfänge von nationalen Telefonnetzen. Auf dieser Basis entwickelten sich etwa 100 Jahre später unabhängig voneinander der Mobilfunk und das Internet. Diese neuen Nutzungen verwenden die bestehende Infrastruktur und erweiterten sie. Darum gibt es heute nebeneinander alte und neue Netz-Generationen – ein Flickenteppich.

Mobilfunknetz in Generationen

Die Grafik zeigt alles auf einen Blick, ich erkläre sie hier schrittweise. Die Generationen sind nach Leistungsfähigkeit sortiert: Links ganz langsam, rechts extrem schnell.

Die Nutzung der Netze

Links (im grauen Bereich des Bildes) ist die älteste Nutzung, das Telefon. Aus heutiger Sicht ist das die erste Generation. Sie wurde erst später so genannt. Denn bei ihrer Entstehung war noch nicht erkennbar, dass es einmal weitere Generationen geben würde.

Im Anschluss daran gab es das extrem “langsame” Internet (im blauen Bereich des Bildes), bestenfalls geeignet, um Texte zu übertragen, z.B. E-Mails und Presse.

Danach gab es das “Multimedia”-Internet (im grünen Bereich des Bildes). Die Übertragungsleistung eignet sich gut für Musik, Surfen im Internet, Kommunikation mit Text, Fotos und Videos, die nicht hochauflösend aufgenommen wurden, z.B. YouTube-Qualität.

Für Fernsehen und Streaming (Video on Demand) mit höchster Auflösung wird das “Highspeed”-Internet benötigt (im roten Bereich des Bildes). Ganz rechts ist die zukünftige fünfte Generation, Digitalisierung mit Industrie 4.0, Tele-Medizin, Smart Home, E-Mobility etc.

Die Tarife sind unabhängig

Die Tarife sind so etwas wie Preislisten der Netzanbieter. Sie orientieren sich “irgendwie” an der Technik, sind aber davon nicht abhängig.

In Deutschland gibt es Sprach- und Daten- Tarife. Für das Telefonieren gilt ein Sprachtarif (Minuten als Abrechnungsbasis). Für das Internet gilt ein Datentarif (Datenmenge als Abrechnungsbasis). Im Ausland kann das ganz anders sein.

Tarife sind willkürlich. Die Unabhängigkeit der Tarife von der Technik erkennt man z.B. an SMS; das sind Texte (also keine Sprache), sie werden aber zum Sprachtarif abgerechnet. Noch ein Beispiel ist die Gebühr für die Datenmenge. Egal ob die langsamste Datenübertragung oder eine mehr als tausendfache Leistung zur Verfügung steht – im Tarif wird das nicht berücksichtigt.

Festnetz und / oder Mobilfunknetz

Festnetz und Mobilfunknetz können Sprache und Daten übertragen, sie sind also im Prinzip für alle Nutzungsarten geeignet.

Der wesentliche Unterschied zwischen Fest- und Mobilfunknetz ist das Gerät, das damit betrieben wird. Computer (und zukünftige stationäre Geräte mit Internet-Zugang) hängen normalerweise am Festnetz. Mobile Geräte werden ohne Verkabelung vom Mobilfunknetz versorgt.

Diese Zuordnung ist nicht zwingend. Tragbare Computer (z.B. Notebooks) können – mit zusätzlicher SIM-Karte – im Mobilfunknetz arbeiten. Smartphones können per WLAN auch stationäre DSL-Anschlüsse im Festnetz benutzen. WLAN gibt es auch mobil, z.B. in Bahnen und Fernbussen für Smartphones und Tablets.

Im Bild markieren die Telefonsteckdose und die schwarze Schrift das Festnetz; die SIM-Karte und die weiße Schrift markieren das Mobilfunknetz. Um den Vergleich zu vereinfachen, stehen die Festnetz-Angebote gemäß Datenrate zwischen den Mobilfunk-Generationen.

Statusleiste: Generationen – grausig bis Luxus

Die Symbole in der Statusleiste (Buchstaben, z.T. um Ziffern ergänzt) sind Abkürzungen, die die Mobilfunk-Generationen beschreiben. Sie müssen sich die Erläuterungen nicht merken. Auch die Nummerierung der Generationen, z.T. mit Dezimalstellen, ist nicht unbedingt logisch. Ich habe sie zusammengestellt, um zu zeigen, dass es keine alphabetische Logik gibt.

  • Generation “2”: ohne Symbol, GSM (Global System for Mobile Communications)
    0,01 GBit/s
  • Generation “2,5”: G steht für GPRS (General Packet Radio Service)
    0,11 GBit/s
  • Generation “2,75”: E steht für EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution)
    0,23 GBit/s
  • Generation “3”: 3G steht für 3. Generation
    0,38 GBit/s
  • Generation “3,5”: H steht für HSUPA (High Speed Uplink Packet Access)
    14,4 GBit/s
  • ebenfalls Generation “3,5”: H+ steht für HSPA+ (High Speed Packet Access)
    42 GBit/s
  • Generation “3,9”: LTE (Long Term Evolution)
    150 GBit/s
  • Generation “4”: 4G steht für 4. Generation oder LTE+ (Long Term Evolution-Advanced)
    1024 GBit/s
  • Generation “5”: 5G steht für 5. Generation
    10000 GBit/s
  • Es gibt nur ein Symbol “mehrere Bögen” für WLAN. Typische Datenraten:
    DSL: 16 MBit/s, VDSL: 50 MBit/s oder 100 MBit/s

Ich biete hier eine “Eselsbrücke” für die Buchstaben in der Statuszeile an, völlig “unfachlich” aber vielleicht nützlich:

  • G: Grausig – fast wie im Funkloch, mit Glück für E-Mails geeignet
  • E: Elend – nicht spürbar schneller
  • 3G: Dreist – verspricht mehr, immer noch viel zu langsam
  • H, H+: Handlich – gut zum Surfen, ähnlich wie Festnetz
  • LTE: Luxus – schneller als das Smartphone nutzen kann

Datenrate MBit/s und Vergleich

Beschreibungen sind besser lesbar, Zahlen sind präziser. Ich habe alle Datenraten (“Übertragungs-Geschwindigkeiten”) in MBit/s umgerechnet, um sie vergleichbar zu machen (im Bild in der letzten Zeile). Beispiel: Eine früher “schnelle 6000-er Leitung” im Festnetz meinte 6000 KBit/s, das sind 6 MBit/s und heute eher langsam.

Wenn von den Netzanbietern Datenraten genannt werden, sind das Höchstleistungen, die theoretisch mit dieser Generation erreichbar sind. Messungen ergeben, dass praktisch oft nur die Hälfte oder zwei Drittel der Nennleistung erreicht werden. Es sind keine garantierten Leistungen. Das wird oft mit der Beschreibung “bis zu … MBit/s” dargestellt.

Gedankenspiel: Wenn man die Maßeinheit MBit/s durch km/h ersetzt, kommt man zu Geschwindigkeiten z.B. von Fahrzeugen. Dieser Vergleich soll die praktisch vorhandenen Unterschiede deutlich machen: Zwischen dem langsamsten Internet GPRS (G) und dem stellenweise verfügbaren LTE+ (4G) besteht ein Verhältnis von 1 : 10000. Eine Schnecke im “Wettkampf” mit einem Jet – bei gleichen Gebühren pro MB. Zwischen so unterschiedlich versorgten Standorten liegen evtl. nur ein paar Kilometer. Das zukünftige 5G ist nochmals 10-fach schneller – eine Rakete.

Das Festnetz hat einigermaßen stabile Leistungen. Im Mobilfunknetz kann es starke Schwankungen geben – abhängig vom Standort. Sie haben keine Wahl, Sie müssen das Netz so nehmen, wie es die Infrastruktur hergibt. Sie können evtl. Ihren Standort wechseln:

  • Außerhalb von Gebäuden oder am offenen Fenster sind die Signale stärker als hinter Mauern.
  • Wer den Standort des nächsten Funkmastes kennt, kann Hindernisse umgehen und Sichtkontakt aufnehmen.
  • In Ballungsgebieten ist die Infrastruktur besser, weil sich mehr Gebührenzahler an den Kosten beteiligen.

Tarif und Mobilfunknetz

Zum Schluss noch ein paar evtl. überraschende Konsequenzen, die sich aus dieser Darstellung ergeben:

  1. Der Zusammenhang zwischen Tarif und Technik ist “willkürlich vom Markt” bestimmt, nicht durch technische Kriterien wie Mobilfunk-Generationen.
  2. Eine SMS oder ein Mobiltelefonat kann mit dem Symbol “G” übertragen werden, ebenso wie mit “4G/LTE”, abhängig vom Standort. Die schnellere Übertragung macht sich nicht bemerkbar. Ich zahle in jedem Fall dafür, was in meinem Tarif steht, z.B. 9 Cent pro SMS oder Minute.
  3. Ein Video könnte theoretisch mit der Anzeige “G” übertragen werden, wenn die Infrastruktur nicht mehr hergibt. Das ist nicht praktikabel. Besser geht das per “H” oder “LTE”. Voraussetzungen: Die Infrastruktur kann das UND mein Tarif schließt LTE ein. Die Gebühren für die langsamste und die schnellste Übertragung sind die gleichen. Die Datenübertragung verbraucht mein tarifliches Datenvolumens.

Fazit

Sie können das Symbol des Netzes (G E 3G H H+ LTE 4G) nicht selbst wählen, weil Ihr aktueller Funkmast das stärkste verfügbare Netz vorgibt. Sie können nur indirekt aktiv werden, indem Sie den Standort wechseln. Die Balken der Signalstärke haben nicht die Aussage, die Sie vielleicht erwarten.

Mobilfunknetz

Für das Internet sollten Sie sich im “grünen Bereich” des Bildes bewegen. Mit den Buchstaben H oder H+. Der blaue Bereich ist ätzend langsam. LTE im schnellen roten Bereich wirkt sich auf dem Smartphone kaum aus, nur wenn er ländliche Gegenden aus dem (Fast-)Funkloch ins Internet bringt.

Wenn Sie sich meine “Eselsbrücken” merken (G_rausig, E_lend, D_reist, H_andlich, L_uxus), verstehen Sie manche Situationen unterwegs besser und können evtl. reagieren.

Diese Details und Zusammenhänge gelten für alle Netze und alle Anbieter.


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2 Gedanken zu “Mobilfunknetz – was die Balken und Buchstaben bedeuten”

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