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Medienkompetenz – was wir brauchen, was fehlt und warum

Warum gibt es so wenig Medienkompetenz? Jeder braucht sie, keiner will sie. Ein Erklärungsversuch.

In der Rheinischen Post gibt es eine Kolumne “TOTAL DIGITAL”. Am 28.08.2017 ging es Florian Rinke um die Medienkompetenz, um die dringend benötigte aber vernachlässigte “digitale Bildung”.

Warum gibt es so wenig Medienkompetenz?

Was ich sehr selten mache – ich schrieb diesen Leserbrief an die Rheinische Post. Weil ich das Thema für wichtig halte, obwohl ich immer wieder auf Desinteresse stoße, sogar auf Ablehnung.

Guten Tag, danke Herr Rinke,

Digitalisierung betrifft Kids, Berufstätige und Mächtige. Wie verhält sich Digitalisierung zu Medienkompetenz? Gesichtserkennung ist ein gutes Beispiel. Die gleiche Technik bringt einen Datenschutz-Aufschrei für Berlin-Südkreuz und einen Bequemlichkeits-Hype für das Apple iPhone.

Das Problem liegt in unserer fehlenden “Aufklärung”, manche nennen es Medienkompetenz. Meine (unzulässige) Vereinfachung: Digitalisierung für Kids bedeutet Spiele und WhatsApp. Digitalisierung für Berufstätige bedeutet lästiges Regelwerk, dem man sich besser entzieht. Digitalisierung für Mächtige bedeutet Machterhalt.

Wie das kommt? Lehrer sind berufstätig und haben (eine gewisse) Macht, Bildungspolitiker und Bundeskanzler auch. Frau Merkel sollte kürzlich Schülern Lernschwerpunkte empfehlen. Antwort: “Lesen, Schreiben, Rechnen – ach ja, und Programmieren”. Programmieren statt Medienkompetenz? Wahlkämpfende Politiker, ebenfalls mächtig berufstätig, verkünden Digitalisierung als Highspeed und WLAN an allen Straßenecken und als TV-Ersatz. Und sie halten Datenschutz für Teufelswerk gegen ihren Machtanspruch.

Nachdem das Auto erfunden wurde, musste ein Fußgänger mit einer roten Flagge vorauslaufen, um vor der Gefahr zu warnen. Auf diesem Niveau sind wir heute mit der Digitalisierung. Ja, der Verbraucher entscheidet. Entscheidet er „richtig“? Er ist nicht dumm, er weiß nur nicht genug.

Darf ich (jenseits der Berufstätigkeit) mich zu diesem Thema überhaupt noch äußern?

Jürgen Buchert

Medienkompetenz

Als ich meinen Leserbrief jetzt noch einmal las, hätte ich noch zwei Punkte deutlicher machen wollen. Erstens: “Kids” sind nicht nur Kinder; es gibt auch viele Erwachsene mit “kindlichem (kindischem?) Gemüt”. Zweitens: Beim Auto gab es seinerzeit nur einzelne Exemplare und noch keine Erfahrungen. Dagegen leben wir inzwischen flächendeckend digital – aber wir denken meistens noch analog.

Es gibt Anssätze, aber viel zu wenige

Gut fand ich ein Gerichtsurteil, das die Mutter eines minderjährigen Jungen zum Lernen und zu Gesprächen mit ihrem Sohn verurteilte, und diese Maßnahmen regelmäßig prüft: Wegweisendes Urteil zur WhatsApp-Nutzung. Was das Gericht hier im Urteil für die Mutter festgelegt hat, zeugt von Sachkunde und Lebensnähe.

Kann es die Aufgabe eines Gerichts sein, die Lücken zu schließen, die eigentlich von der Aus- und Weiterbildung geschlossen werden müssten? Hat ein Gericht überhaupt Kapazität dafür? Haben “berufstätige” Politiker und Lehrer selbst genug digitale Bildung? Haben (Macht-) Politiker überhaupt Interesse an digitaler Bildung der Wähler?

Natürlich soll jeder das Recht haben, z.B. seine Privatsphäre der ganzen Welt mitzuteilen. Aber er soll das nicht “blind” tun, er soll die möglichen Konsequenzen abschätzen können. Er soll VERSTEHEN und MITDENKEN.

Solange Medienkompetenz nicht gelehrt und gelebt wird, ist Eigeninitiative nötig. Sie entsteht nicht “von selbst”. Man muss sie nicht nur zulassen, sondern wollen. Weil jeder für sich selbst verantwortlich ist.

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