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Ist WLAN unterwegs besser als Mobilfunk?

Ist offenes WLAN unterwegs eine echte Alternative zum Mobilfunk? PRO und KONTRA – eine Abwägung. Ich beschreibe hier die wichtigen Merkmale aus Anwendersicht. Jeder Nutzer kann anders betroffen sein. Bitte prüfen Sie, was für Sie zutrifft.

Die Geschwindigkeit:
Mobilfunk kann viel schneller sein – oder viel langsamer

Dieses Bild zeigt die heute praktizierten theoretischen Geschwindigkeiten des Mobilfunknetzes. Dazwischen – zum Vergleich – ist eine blaue Zeile mit einer typischen Festnetz-Geschwindigkeit (die heute schnellsten Festnetz-Angebote sind 50, 100 oder 150 MBit/s).

Mobil oder mit WLAN unterwegs

Die Mobilfunknetze gleichen einem Flickenteppich. In ländlichen Gegenden werden 0,1 oder 0,2 MBit/s erreicht. Das reicht gerade mal für die Übertragung von Texten, z.B. E-Mails. Unter ungünstigen Bedingungen wirkt es sich aus wie ein Funkloch – nichts geht mehr. In Ballungszentren geht es bis über 1000 MBit/s. Das ist 10.000 Mal schneller als das langsamste Mobilfunknetz und immer noch 6 bis 10 Mal schneller als das schnellste Festnetz.

Das Festnetz bildet einen ähnlichen Flickenteppich. Auch hier entscheiden die Netzbetreiber über die Infrastruktur abhängig von der Anzahl der zahlenden Kunden. Wo WLAN unterwegs langsam ist, ist es konstant langsam; wo es schnell ist, ist es konstant schnell.

Wie beim Auto: Die praktischen Werte sind oft deutlich schlechter als die theoretischen Werte der Werbung. Zum Vergleich genügt aber die geschönte Theorie.

Die Verfügbarkeit:
Mobilfunk gibt es flächendeckend, WLAN unterwegs nur bei Routern

Mindestens jährlich werden Testberichte über die Qualität der Mobilfunknetze veröffentlicht. Die Angaben zur Flächenabdeckung steigen nur noch langsam, sie sind schon fast bei 100 Prozent. Vergleichbare Berichte sind mir für WLAN nicht bekannt. WLAN-Flächen machen nur einen Bruchteil der mobil versorgten Flächen aus. Z.B. im unbebauten Gelände gibt es durchaus Mobilfunk, aber WLAN sicher nicht.

Ihr „normales“ privates oder Firmen WLAN ist ständig verfügbar; es deckt theoretisch eine Reichweite bis ca. 30m ab und steht nur Ihnen und ausgewählten Nutzern zur Verfügung. Oft grenzen benachbarte WLANs an, z.B. Router in Wohnungen des gleichen Gebäudes oder auf benachbarten Grundstücken. Theoretisch könnten sich daraus größere WLAN-Flächen ergeben. Die sind aber praktisch nur nutzbar, wenn Sie dafür auch die Zugangsberechtigung haben (die WLAN-Schlüssel) oder wenn es „offene“ WLANs sind.

An belebten Orten gibt es zunehmend für Passanten offenes WLAN unterwegs. Passanten können sich anonym einloggen, ohne Authentifizierung und WLAN-Schlüssel. Z.B. Gastronomie und Geschäfte werben um Kunden mit kostenlosem WLAN, Kommunen wollen attraktiver werden, die Betreiber der Mobilfunknetze entlasten durch offenes WLAN ihre Mobilfunk-Kapazitäten (z.B. „WLAN TO GO“ der Telekom). Wir stehen damit am Anfang einer Entwicklung. Mitte 2017 gab es eine Gesetzesänderung zur Störerhaftung: Bundestag bessert WLAN-Gesetz nach, die diesen Trend zur Digitalisierung fördern soll.

Zunehmend gibt es „mobile WLAN-Hotspots“. Was sich wie ein Widerspruch anhört (mobiler Festnetz-Dienst?), funktioniert z.T. schon ganz gut. Z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln (Bahnen, Busse, Flugzeuge) bieten die Betreiber WLAN-Zugang für ihre Fahrgäste an. Im Hintergrund arbeitet nicht das Festnetz, sondern das Mobilfunknetz. Es speist Internet-Daten in einen mobilen WLAN-Router ein, der im Verkehrsmittel mitreist. Die Qualität: Wie es der „Flickenteppich“ des Netzes gerade zulässt. Anbieter helfen z.T. nach, indem sie die Verkehrswege mit mehr und besseren Mobilfunkmasten ausstatten. Auch dieses Angebot steht erst am Anfang einer Entwicklung.

Beim Mobilfunk und bei jedem offenen WLAN unterwegs kann es Bandbreitenprobleme geben: Wenn zu viele Nutzer gleichzeitig ins Internet wollen, reicht die Kapazität nicht aus. Das wirkt sich aus wie eine Drosselung, die Verfügbarkeit bleibt weit unter der „Papierform“. Haben Sie schon mal die Wartezeit erlebt, wenn Sie Silvester Mitternacht jemanden mobil anrufen wollten?

Die Sicherheit:
WLAN unterwegs birgt Risiken

Sicherheits-Merkmale

Wer Kommunikation „abhören“ will, müsste im Kabelnetz die Leitung physikalisch anzapfen; das ist innerhalb gesicherter Gebäude schwer. Im Funknetz (wie Mobilfunk oder WLAN) genügt es, wenn der Lauscher seinen Empfänger irgendwo in Funk-Reichweite betreibt – unabhängig von Wohnungs-, Haus- oder Gartentüren. Eigentumsgrenzen begrenzen WLAN nicht.

Schutz in Funknetzen (z.B. WLAN-Sicherheit) gibt es, wenn mindestens zwei Bedingungen erfüllt sind:

  • Authentifizierung: Der Nutzer (bzw. sein Gerät) muss beim Einloggen ins Netz seine Zugangsberechtigung nachweisen, mit Name und Passwort.
  • Verschlüsselung: Der „Sender“ benutzt eine „Methode“ und einen Schlüssel, mit dem lesbare Daten unlesbar gemacht wird. Der „Empfänger“ benutzt ebenfalls eine Methode und den passenden Schlüssel, um die unlesbaren Daten wieder lesbar zu machen. Ein Lauscher kann während der Übertragung nur die unlesbaren Daten abhören.

Die Netze sind unterschiedlich sicher

Beim Mobilfunk sind Authentifizierung und Verschlüsselung durch die SIM-Karte gewährleistet.

Die Authentifizierung erfolgt beim Einloggen in ein sicheres WLAN. Der Nutzer sieht in seinem Display eine Liste der gerade verfügbaren WLANs. Wenn er den WLAN-Namen kennt, wählt er ihn aus. Außerdem muss er den WLAN-Schlüssel eintragen. Der WLAN-Schlüssel hat zwei Aufgaben; er dient als Passwort beim Einloggen und als Komponente der Ver- bzw. Entschlüsselung der übertragenen Daten.

Das Einloggen zum offenen WLAN unterwegs verzichtet bewusst auf Passwort / WLAN-Schlüssel, um allen Nutzern unbürokratisch den Zugang zu ermöglichen. Im offenen WLAN werden die Daten also unverschlüsselt übertragen. Jeder Lauscher kann sehen, welche Webseiten Sie besuchen, welche Daten, Namen und Passwörter Sie dabei einsetzen. Jeder Lauscher kann alles als Klartext mitlesen. Er braucht dafür nur einen „WLAN-Sniffer“, das ist eine Schnüffel-App in seinem Smartphone – keine aufwändige Technik, kein besonderes Fachwissen.

Fremde WLANs zu nutzen ist also immer riskant. Man weiß nicht, wer das WLAN betreibt und wer es noch parallel nutzt. Der Name eines WLAN kann durchaus seriös klingen; das bedeutet nichts, weil er frei gewählt werden kann – ohne irgendeine Registrierung.

Sicherheits-Bereiche beim WLAN

WLAN ist also nicht grundsätzlich sicher oder unsicher. Die Sicherheit hängt von den Zielen des WLAN-Betreibers ab. Es ist durchaus legal, ein offenes WLAN zu betreiben, illegal ist aber der Missbrauch der übertragenen Daten.

  • Das geschlossene und verschlüsselte WLAN zu Hause ist so sicher, wie es eingerichtet wurde. Sie sind selbst der Betreiber oder Sie sind berechtigter Gast bei einem persönlich bekannten Betreiber.
  • Das offene WLAN unterwegs ist unverschlüsselt, es kann abgehört werden und ist daher potentiell unsicher. Sie haben keine Möglichkeit, die Seriosität des Betreibers oder der Mit-Nutzer zu prüfen. Eine ausdrückliche Berechtigung ist nicht erforderlich.
  • Außerdem gibt es WLANs, die zwar verschlüsselt sind, die aber Schlüssel an so viele Nutzer vergeben haben, dass sie faktisch offen sind. Oft werden solche Netze nur mit einfachen Schlüsseln gesichert, um den Nutzern das Einloggen zu erleichtern. Ich nenne sie „halboffen“. Beispiele: Hotels, Schulungsinstitute. Nutzer vertrauen vielleicht der Seriosität des Betreibers, können aber die Mit-Nutzer nicht einschätzen.

Fazit: WLAN unterwegs ist nicht immer die erste Wahl

Technik: WLAN unterwegs und Mobilfunk können sich gegenseitig ersetzen

Beide Techniken, Mobilfunk und WLAN, sind für die Internet-Nutzung geeignet. Jedes Smartphone kann damit umgehen, d.h. eine grundlegende Entscheidung für die eine oder andere Technik ist nicht erforderlich.

Sie können die Entscheidung für WLAN oder Mobilfunk von der aktuellen Situation am aktuellen Standort abhängig machen.

Kosten und AGB der Betreiber sind prüfbedürftig

Offenes WLAN bedeutet nicht, dass dessen Nutzung kostenlos ist! Fragen Sie nicht nur, ob WLAN verfügbar ist, sondern auch, was die Nutzung kostet.

Es gibt keine einheitlichen Regelungen. Beispiele: Manche Züge der Bahn bieten kostenlose Nutzung an, andere sind kostenpflichtig. Flughäfen berechnen unterschiedliche Beträge für unterschiedliche Nutzungsdauer.

Die AGB stimmen nicht immer mit der praktischen Handhabung überein, weil z.B. die Betreiber der Verkehrsmittel das WLAN-Geschäft von Subunternehmern betreuen lassen – nicht immer mit abgestimmten Bedingungen.

Manche Hotspots lassen den Zugang ohne Authentifizierung zu, sondern erfragen z.B. die E-Mail-Adresse für Werbung. Das wirkt auf Nutzer ähnlich wie ein Passwort, bewirkt aber keine Verschlüsselung,

Sicherheit: Persönliche Daten nicht über WLAN unterwegs

Internet-„Konten“ („Accounts“, Mitgliedschaften) sind gefährdet, z.B. Neugierige können persönliche E-Mails lesen und schreiben. „Freunde“ in sozialen Medien schreiben unzulässige Beiträge. Betrüger können bei Shops Bestellungen und Zahlungen umleiten oder Bankkonten leeren. Enkeltrick-Betrüger finden Lebensumstände heraus, um ihre Lügen noch glaubhafter zu machen. Kriminelle missbrauchen in solchen und viel mehr Fällen fremde Identität. Werber wollen mir noch mehr Spam schicken.

Im offenen WLAN werden alle Daten unverschlüsselt übertragen und können abgehört werden. Wer seine Internetkonten im offenen WLAN nutzt, riskiert, dass neben den Inhalten auch Namen und Passwörter abgehört und missbraucht werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Daten per Tastatur eingetippt werden oder ob sie im Smartphone gespeichert sind.

Offenes WLAN ist einfach zu erkennen: Es fordert keine Authentifizierung mit Name und WLAN-Schlüssel. Im offenen WLAN vermeide ich, mich in meine Konten einzuloggen. Wenn es eilig ist, mache ich das per Mobilfunk; sonst warte ich bis zum sicheren WLAN.

Es bleibt noch genug für das offene unverschlüsselte WLAN, z.B. Angebote suchen, Fahrpläne, Fernsehen, Hotelsuche, Internet-Recherchen, Landkarten, Musik-Streaming, Navigation, Öffnungszeiten, Preisvergleiche, Reiseplanung, Restaurantsuche, Routenplanung, Rundfunk, Sehenswürdigkeiten, Shopping-Tipps, Spiele, Surfen, Verkehrsmeldungen, Video-Streaming, Wetterprognose, Zeitunglesen u.v.m.

WLAN ist eine gute Ergänzung, aber kein Ersatz für Mobilfunk.


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