Ist dieses 1-Euro-Angebot attraktiv?

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Ein Angebot im Briefkasten: 1 Euro für ein Samsung Galaxy Note10+ mit 5G. Ist das “hot” oder “Schrott”? Ich versuche, dieses “Bündel” zu analysieren.

Das Angebot formal

Reizwörter im Angebot

Angebot Titelseite

“VORNE #DABEI mit 5G – DAS NEUE GALAXY”. Das soll für Aufmerksamkeit sorgen, zusammen mit dem Hinweis “NUR BEI DER TELEKOM”.

Brauchen wir jetzt 5G im Smartphone?

Ganz eindeutig: NEIN. Lesen Sie bitte hier: 5G kann viel mehr als Smartphones.

  1. Zur Zeit gibt es keine Apps, die die Leistungsfähigkeit von 5G nutzen können.
  2. 5G ist mächtig schnell. Der Schweizer Tages-Anzeiger vergleicht den Zeitbedarf für das Herunterladen von 800 MB Film. Bei 5G dauert das 1 Sekunde, bei 4G 43 Sekunden, bei 3G 4Stunden und 44 Minuten. Das klingt eindrucksvoll, ich halte es für Unsinn. Erstens: Einen Film sehe ich mir nicht auf dem kleinen Smartphone an. Zweitens: Bei 3G und 4G könnte ich den Film starten und sofort ansehen – er wird während des Ansehens im Hintergrund geladen. 5G bringt keinen Zeitgewinn.
  3. Die Netzabdeckung ist z.Z. noch fast Null. Die Netzwelt schreibt am 05.09.2019 “Erste 5G-Netze stehen seit Juli 2019 an einigen Standorten in Deutschland bereit.”
Außer zum “Vorzeigen” ist das Angebot zu “nichts Neuem” zu gebrauchen.

Es gibt erste wenige Smartphones und Tarife, die 5G beherrschen. Vielleicht will Telekom in diesem Zukunftsmarkt “Claims abstecken”. Meinetwegen. Aber soll ich dafür jetzt schon bezahlen, wenn ich die Technik erst beim nächsten oder übernächsten Smartphone nutzen kann?

Unlesbares im Angebot

Auf fast allen Seiten des Angebots erscheint Text in dieser Form. “Kleingedrucktes” ganz wörtlich genommen. Ich kann das in dieser Schriftgröße und Farbe nicht lesen.

Kleingedrucktes

Für mich entsteht der Eindruck, dass ich den Text gar nicht lesen soll. Das ist kein positiver Eindruck. Ich werde den Text vielleicht aber erst dann lesen, wenn ich das Angebot “unbedingt” annehmen will.

Ich vermute, der Anbieter will etwas verbergen. Wie betrifft mich das?

Die Volumen-Staffelung lässt kaum Wahlmöglichleiten

Telekom schreibt: “DIE NEUEN MOBILFUNK-TARIFE: VIEL MEHR DATENVOLUMEN UND 5G”. Die Wahlmöglichkeiten zum Datenvolumen sind

  • S: 6 GB – “S” steht für “small” bzw. “klein”
  • M: 12 GB – “M” steht für “middle” bzw. “mittel”
  • L: 24 GB – “L” steht für “large” bzw. “groß”
  • XL: OHNE LIMIT – “XL” steht für “extra large” bzw. “extra groß” und wirkt wie eine echte Flatrate.

Die Datenmengen sind deutlich größer als der Datenverbrauch, der 2018 im Durchschnitt bei 1,6 GB pro Monat lag. Sparsame Nutzer kommen mit 500 MB aus, das “Small”-Angebot ist 12 Mal so groß. Hier soll wohl mit Formulierungen Bedarf erzeugt werden.

Die angebotenen Datenmengen des Angebots entsprechen eher dem Bedarf, der über das Festnetz per DSL verbraucht wird. Aber 5G wird noch mehrere Jahre brauchen, bis es flächendeckend zur Ablösung des Festnetzes verfügbar ist. Bisher gibt es sogar bei 3G noch viele Funklöcher.

Vorsichtshalber schränkt Telekom ein “Immer die maximal mögliche Geschwindigkeit – mit 5G wo verfügbar”. 3G und 4G sind auch möglich – “wo verfügbar”.

Das Angebot ist völlig unrealistisch: Übergroße Datenmengen, bei kleinen Flächen, wo 5G bereits installiert ist.

Nur 3 Smartphones im Angebot

Das Angebot gilt nur für diese Smartphones

  • Samsung Galaxy Note 10+ 5G für 1,00 Euro beim zweitgrößten Tarif “L”
  • Samsung Galaxy S10 5G für 1,00 Euro beim zweitgrößten Tarif “L”
  • Huawei Mate20 X 5G für 1,00 Euro beim zweitgrößten Tarif “L”
Das Angebot gibt es nur für teure Smartphones.

Das Angebot rechnerisch vergleichen

In meinem Buch Smartphone, Tablet und Tarif finden habe ich ein Rechenmodell zum Vergleich unterschiedlicher Angebote beschrieben.

Dieses Modell benutze ich für die Bewertung dieses Telekom-Angebots.

  • Die Spalte “Beispiel” dient nur dazu, die rechnerischen Zusammenhänge zu zeigen. Sie hat keine Beziehung zum Telekom-Angebot.
  • In der Spalte “2. Note10+” werden die Kosten für den Fall ermittelt, dass das Smartphone und der Tarif getrennt beschafft werden. Der Preis für das “Note 10+” wirid z.Z. bei Amazon angeboten. Das Note 10+ hat keine 5G-Antenne, ist also nicht ganz mit dem Telekom-Angebot identisch. Die monatliche Zahlung für den Tarif ohne Gerät stammt aus dem aktuellen Tarifvergleich von teltarif.de.
  • Die Spalte “3. Note10+ 5G” stellt das Angebot der Telekom dar, soweit ich es verstanden habe. Weil ich das Kleingedruckte nicht lesen konnte, kann ich eine Fehlinterpretation nicht ausschließen.

Vergleich

Rechnerisch ergibt sich also, dass das Telekom-Angebot deutlich günstiger ist als die getrennte Beschaffung. Gleichzeitig ist das Telekom-Angebot “höherwertig”, weil im Gerät und im Tarif 5G enthalten ist (für die getrennte Beschaffung habe noch keine 5G-Angebote gefunden).

Mich hat das günstigere Bündel-Angebot überrascht, weil normalerweise die getrennte Beschaffung wirtschaftlicher ist. Mein Erklärungsversuch: In der aktuellen Start-Situation für den 5G-Markt will die Telekom als “Platzhirsch” Marktanteile sichern und vielleicht Erfahrungen sammeln, die es bisher noch nicht gibt.

Mein Fazit

Dieses Telekom-Angebot ist wegen der Mengen ein typisches Intensiv-Nutzer-Angebot: Telefon- und SMS-Flatrate, sehr großes Datenvolumen. Das passt für geschäftlichen Einsatz und für zahlungskräftige “Early Adopter”. Wer seinen Bedarf so ermittelt hat, dass das Angebot passt, kann zuschlagen und relativ weniger (aber immer noch viel) ausgeben.

Für Normal- oder Wenig-Nutzer ist das Angebot weit überdimensioniert und für eine Netzausbaustufe ausgelegt, die noch “in weiter Ferne” liegt. Für mich kommt das nicht in Frage.


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