Senioren, Smartphones, Sicherheit Privatstunden, Hilfe, Seminare – damit Technik Spaß macht

Infektionswege und Privatsphäre – Corona Tracing App

Aufrufe: 54

Wer die Infektionswege kennt, kann die weitere Verbreitung einer Krankheit eingrenzen. Und weiß, wer mit wem wann wo zusammen war. Ist das gut oder schlecht?

Infektionswege ohne Vorbereitung verfolgen

Ein Weg des Corona-Virus nach Deutschland war eine Schulung in Deutschland, zu der auch eine Teilnehmerin aus China anreiste. Sie wurde (wohl ohne es zu wissen) in China infiziert und steckte andere Teilnehmer in Deutschland an. Wenn man die möglichen Infektionswege kennt, kann man evtl. weitere Betroffene herausfinden und warnen oder isolieren oder behandeln.

Viele Untersuchungen wurden nötig, um die Infektionswege zu erkennen und möglichst zu unterbrechen. Beispiele: Neben wem saß sie im Flugzeug? Mit welchen Hotel-Gästen und -Mitarbeitern hatte sie Kontakt? Wer wurde in der Fortbildung infiziert? Mit wem hatten die Angehörigen der inzwischen infizierten Ausbildungs-Teilnehmer Kontakt und konnten die Infektion weitergeben?

Infektionswege und Privatsphäre

Die Prüfungen waren umfangreich und schwierig, weil die Kontaktdaten nicht systematisch erfasst waren. Mit hohem Aufwand wurden die Prüfungen weitgehend erfolgreich, aber vermutlich trotz aller Bemühungen lückenhaft. Rechtfertigung für diesen “kriminalistischen” Aufwand waren die lawinenartige Verbreitung des Virus mit großen gesundheitlichen Risiken.

Infektionswege manuell verfolgen

Die Verbreitung des Virus wurde durch scharfe Maßnahmen verlangsamt. “Lockdown” ist die Ausgangssperre, Bürger sollten so weit möglich in häuslicher Quarantäne bleiben. Damit sollten Gesunde vor Ansteckung geschützt werden und Infizierte sollten die Krankheit nicht weitergeben können. “Shutdown” ist die Schließung von vielen Unternehmen, Geschäften, öffentlichen Einrichtungen.

Diese Einschränkungen der Freiheit müssen schrittweise wieder aufgehoben werden. Aber vorsichtig, damit die Ausbreitung der Krankheit nicht wieder explodiert. Um Infektionswege zu erkennen und unterbrechen zu können, wurde ein manuelles Verfahren festgelegt. Z.B. in Restaurants und bei Friseuren werden Kontaktdaten (Namen, Telefonnummern) für evtl. Benachrichtigung erfasst. Ein besseres Verfahren ist z.Z. nicht verfügbar.

Das Verfahren wird kritisiert. Falls eine Auswertung erforderlich ist, wird sie aufwändig und evtl. unsicher. Sind die handschriftlichen Eintragungen alle lesbar? Haben alle Gäste / Kunden echte Daten angegeben? Werden die gesammelten Daten gegen Missbrauch geschützt und nach Ende der medizinischen Aussagefägigkeit wieder vernichtet?

Infektionswege digital verfolgen – Corona Tracing App

Flächendeckende Verfolgung per Smartphone

Mit dem gleichen Ziel wurde von der Politik die Entwicklung einer “Corona Tracing App” (“Verfolgungs-App”) in Auftrag gegeben. Der Gedanke dahinter: Smartphones sind weit verbreitet. Diese App kann automatisch erkennen, welche anderen Smartphones (bzw. Personen) in der Nähe waren, d.h. in Reichweite der eingebauten Bluetooth-Antenne. Begegnungen zwischen Personen sollten automatisch von der App gespeichert werden.

Sobald eine Begegnung einen Sicherheitsabstand unterschreitet und eine gewisse Dauer überschreitet, ist das Risiko einer Infektion gegeben. Wenn sich bei der Auswertung herausstellt, dass eine der Personen infiziert war, sollen deren Kontakt-Personen informiert werden. Zum Schutz des Privatsphäre sollen die Daten anonymisiert werden.

Möglichst viele Bürger sollten die App freiwillig auf ihren Smartphones installieren. Das System kann nur wirksam warnen, wenn es möglichst flächendeckend Begegnungen ermittelt. Je weiter Lockdown und Shutdown gelockert werden, desto mehr Begegnungen finden statt und desto dringlicher ist ein funktionierendes Warnsystem.

Die Corona Tracing App braucht für ihre Wirksamkeit mindestens die Information, ob und mit wem eine Begegnung stattgefunden hat. Wünschenswert sind vielleicht noch weitere Daten: Wer, wann, wo, wie lange, einmalig oder wiederholt und mehr, also sehr persönliche Daten.

Medizin oder Datenschutz?

Daraus entstand ein Zielkonflikt, der zu heftigen Diskussionen führte. Einerseits soll die App ausreichend präzise Daten zum Infektionsweg liefern. Andererseits soll sie die Privatsphäre schützen und z.B. sensible Gesundheitsdaten, Bewegungsprofile und Kontaktpersonen anonymisieren.

Zwei konkurrierende Ansätze wurden verfolgt, die sich wesentlich durch den Ort der Speicherung unterscheiden:

  • Bei einer zentralen Speicherung (z.B. bei einer Behörde) wurde befürchtet, dass mehr als nur die Begegnungsdaten gespeichert werden. Verdacht: Mit dem Argument “Corona” könnte die Politik durch die Hintertür die Vorratsdatenspeicherung einführen.
  • Bei einer datensparsamen dezentralen Speicherung nur im Smartphone des Nutzers entfällt die Befürchtung der Vorratsdatenspeicherung.

Die politische Entscheidung fiel zugunsten der datensparsameren dezentralen Speicherung. Vielleicht war es Einsicht der Politiker, dass ohne Akzeptanz durch die Bevölkerung die App blockiert würde. Außerdem passten Google und Apple ihre Betriebssysteme nur für die dezentrale Speicherung an.

Das aktuelle Problem: Die Diskussion um die Metadaten dauerte lange, die Entwicklung der App ebenfalls. Wenn die App marktreif ist, wird weitere Zeit vergehen, bis genügend Nutzer die App installieren. Hoffentlich kommt die gute Idee nicht zu spät.

Abwägung: Infektionswege oder Privatsphäre

  • In der Anfangsphase fehlten den Experten und den Politikern Erfahrungen mit der noch unbekannten Bedrohung. Die Analyse der Infektionswege war notwendig, aber es gab keine professionellen Hilfsmittel. Die Freiheit war stark eingeschränkt, die Bürger sahen die Notwendigkeit ein. Die Privatsphäre war nicht beeinträchtigt.
  • Die ersten vorsichtigen Schritte aus Lockdown und Shutdown wurden mit manuellen Aufschreibungen an ausgewählten Orten der Begegnung begleitet. Besser so als gar keine Verfolgung. Namen und Erreichbarkeit sind ein klarer Eingriff in die Privatsphäre. Wo war ich? Wann war das? Mit wem war ich da? Vielleicht ist es mir egal, wer das weiß. Vielleicht auch nicht! Dann könnte ich mich mit Fake-Daten verbergen – vorbei am Sinn der Verfolgung.
  • Brauchbar wird die Verfolgung erst, wenn Begegnungen automatisch, digital und anonym erfasst werden. Dafür muss die App verfügbar sein und viele Bürger müssen sie nutzen. Erst dann bleiben die Infektionswege auch bei einer flächendeckenden Öffnung beherrschbar. Wenn die Zusage der Anonymisierung eingehalten wird, ist die Privatsphäre geschützt.

Die Bedrohung durch Corona ist ohne Zweifel so groß, dass wir für einen begrenzten Zeitraum Einschränkungen der Freiheit und der Privatsphäre akzeptieren müssen – und können. Aber es muss gewährleistet sein, dass die Zugeständnisse von uns Bürgern nicht für obskure “Hintertür-Aktionen” missbraucht werden. Das muss die Politik transparent und nachprüfbar offenlegen. Daran zweifle ich gelegentlich, z.B. wenn ich abgeordnetenwatch.de lese.

Ich wünsche mir, dass die Tracing-App bald kommt und dass alle Begegnungsdaten gelöscht werden, sobald sie medizinisch überflüssig geworden sind. Transparent und nachprüfbar.

Solange es keinen Impfstoff gibt, müssen wir die Abstands- und die Hygiene-Regeln befolgen. Dann haben wir die Chance, uns nicht zu infizieren.

PrivatstundenHandyTipp Fernsteuerung


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.