Der Handelskrieg zwischen den USA und China führt zum Huawei-Boykott. Die Folgen für Huawei-Anwender und -Käufer.

Trumps Huawei-Boykott

Huawei ist ein großer chinesischer Smartphone-Hersteller (hochwertige Geräte) und Netzausrüster (z.B. 5G-Netze).

Hier geht es um die Smartphones. Huawei ist groß und wuchs schnell bis zum Huawei-Boykott. Die Zukunft ist unsicher.
Marktanteile im 1. Quartal 2019.

Marktführer bei Smartphones ist Samsung (Südkorea) mit 21%, dicht gefolgt von Huawei mit 17% (China) und Apple mit 12% (USA). Huawei hat erst im vergangenen Jahr Apple überholt. Im ersten Quartal 2019 verkaufte Huawei weltweit fast 60 Millionen Smartphones.

Der Hintergrund: US-Präsident Trump verdächtigt Huawei der Spionage. Zum Schutz hat er ein Dekret erlassen, das US-Unternehmen Geschäfte mit Huawei verbietet. Huawei ist als Netzwerkausrüster (z.B. für 5G) und Smartphones-Hersteller (Huawei und Honor) betroffen. Als Konsequenz hat Google Huawei die Lizenz entzogen, das Betriebssystem Android zu benutzen.

Der Huawei-Boykott ist eine wirtschaftspolitische Maßnahme, keine technische. Eine Entscheidung kann durch weitere Entscheidungen gelockert oder aufgehoben oder erweitert werden. Nach dem Dekret wurde Huawei eine “Gnadenfrist” in Form einer 90-Tage-Lizenz (bis zum 19.08.2019) für Android und für US-Ausrüstung gewährt. Wegen der unübersichtlichen wechselseitigen Auswirkungen ist die Branche international verunsichert.

Und sonst?

  • Denkbar sind solche Boykotts gegen Huawei auch von anderen US-Unternehmen wie Amazon (mit eigenem Appstore), Facebook (mit Apps für Facebook, WhatsApp und Instagram) etc.
  • Microsoft beliefert Huawei nicht mehr. Das betrifft aber wohl das Betriebssystem Windows für Notebooks von Huawei.
  • Berichtet wird, dass auch Chips für die Smartphone-Produktion vom Boykott betroffen sind (Chiphersteller Qualcomm, Xilinx, Intel, Broadcom).
  • Z.Z. nicht betroffen sind andere chinesische Anbieter wie Oneplus, Xiaomi, ZTE – jedenfalls nicht von diesem Dekret. Aber Trump ist unberechenbar.
  • Spionage? Der Verdacht gegen Huawei wurde angeblich nicht bewiesen. Huawei bestreitet den Vorwurf vehement. Einen vergleichbaren (nicht widerlegten) Verdacht gab es gegen die USA: Die NSA Spionage ging 2016 (Whistleblower Snowdon) durch die Weltpresse. Unbestritten ist die exzessive Datensammlung z.B. durch Google, Amazon, Facebook.
  • Die US-Sanktionen zwingen die Industrieverbände für Bluetooth, WiFi, microSD und Co. dazu, Huawei auszusperren.

Warum Android so wichtig ist

Ein Betriebssystem ist die verbindende Logik zwischen allen Komponenten des Smartphone, es “betreibt” das System. Ohne diese Software ist das Smartphone nur ein “dummes” Gehäuse mit Elektronik, aber ohne Funktion.

“Normale” Updates: Jedes Betriebssystem wird weiter entwickelt, es bekommt neue oder verbesserte Funktionen, erkannte Fehler werden korrigiert, die Sicherheit wird verbessert. Die Updates dienen also der “Hygiene” im Smartphone. Ohne Updates funktioniert es noch, aber es nutzt nicht alle aktuellen Verbesserungen und ist anfälliger.

Apple (USA) setzt sein eigenes Betriebssystem “iOS” ein und kann die Updates in eigener Regie steuern.

Alle übrigen Smartphone-Hersteller arbeiten mit dem Betriebssystem “Android” von Google (USA). Google entwickelt das zukünftige Basis-System. Die Hersteller ergänzen es um gerätespezifische Anpassungen. Dafür hat sich ein etwa jährlicher Rhythmus eingespielt.

Wenn eine neue Betriebssystem-Version fertig ist, werden neue Geräte mit der jüngsten Version ausgeliefert. Ausgewählte Geräte, die bereits an Nutzer ausgeliefert wurden, werden mit einem “Update” auf den jüngsten Stand gebracht.

Diese normalen Updates sind für Huawei zukünftig in Frage gestellt.

Nutzern kann der Huawei-Boykott egal sein

Für Nutzer von Huawei-Geräten bedeutet das vermutlich (wenn die Boykott-Regeln nicht geändert werden):

  • Smartphones und Tablets funktionieren weiter wie bisher.
  • Es wird wohl keine “großen” jährlichen Updates für das Betriebssystem geben.
  • “Kleine” Sicherheits-Updates will Huawei bereitstellen.
  • Der Zugriff auf den Google Play Store bleibt erhalten, d.h. Apps können auch zukünftig installiert werden; ob die App-Entwickler spezifische Apps für Huawei-Geräte aktualisieren oder neu entwickeln, liegt bei den Entwicklern.

Kann man neue Huawei-Geräte kaufen?

Zukünftige Käufer von Huawei-Geräten kommen vermutlich in eine unübersichtliche Situation “ohne Zukunft”. Die aktuelle Version ist Android 9 Pie. Android 10 Q im Herbst 2019 könnte gerade noch innerhalb der 90-Tage-Lizenzverlängerung liegen. Sicher ist das nicht.

  • Wer ein Gerät kauft, erkennt die installierte Android-Version. Wenn Android 10 Q innerhalb der Lizenzverlängerung kommt und beim Kauf installiert ist, wird der Käufer wohl wie ein früherer Nutzer behandelt (vermute ich).
  • Wenn Android 10 Q erst nach der Lizenzverlängerung kommt, wird es eine neue Android-Version wohl nicht geben.
  • Der Zugang zu Google-Apps wird unterbunden: Der Google Play Store mit seinen Sicherheitsfunktionen steht nicht mehr zur Verfügung, von hier können keine Apps installiert werden. Auch die übrigen Google-Apps werden nicht mehr verfügbar sein, wie Google-Suche, Maps, GMail, YouTube, Drive, Kontakte, Kalender, Fotos. Ohne den Google Play Store ist es schwer, Ersatz-Apps zu finden und zu installieren.

Preisauswirkungen im Huawei-Boykott

Eine Folge könnte sein, dass die Preise für neue Huawei-Geräte zunächst wegen der Entwertung sinken. Das wirkt sich zwangsläufig als Wertminderung aus, wenn man das alte Huawei-Gerät verkaufen will.

Die Preise anderer Hersteller könnten steigen, weil ein wichtiger Wettbewerber ausscheidet.

Apps sind der Schlüssel im Huawei-Boykott

Huawei ist so groß, dass es ein eigenes Betriebssystem entwickeln kann.

Ein neues Betriebssystem braucht Apps, damit es für Nutzer attraktiv ist. Für Android gibt es ca. 2,5 Millionen Apps, Nutzer finden praktisch für “alles” eine geeignete App. Wenn Nutzer nichts passendes finden, wenden sie sich ab.

Wie brutal sich das auswirken kann, war bei Microsoft zu beobachten. Windows ist Marktführer bei PCs. Die Familienähnlichkeit zwischen den Windows-Versionen für PC und Smartphones/Tablets machte es Umsteigern leicht. Die Hardware war ok. Aber für das mobile Windows gab es viel weniger Apps. Microsoft stellte die Arbeit an seinem mobilen Betriebssystem ein. Damit verschwand diese Plattform vom Markt.

Huawei hat angekündigt, dass in 2020 ein eigenes Betriebssystem kommt, evtl, sogar noch in 2019. Basis soll der Open-Source-Code sein, den auch Android benutzt, der und der legal benutzt werden darf und den Google nicht boykottieren kann. Das neue System soll auf Smartphones, Computern und Tablets laufen, aber auch auf Fernsehern, in Autos und tragbaren Geräten zum Einsatz kommen. Außerdem soll es mit Android-Apps kompatibel sein.

 
Von anderen mobilen Betriebssystemen hört man auch nichts (mehr), z.B. Sailfish OS (Jolla), Tizen (Intel und Samsung), Ubuntu (Canonical), Blackberry (Research in Motion), Firefox OS (Mozilla), Symbian OS (Symbian Foundation), WebOS (LG).

Entwickler haben vermutlich nur geringes Interesse, Apps für ein System mit unsicherer Zukunft zu entwickeln. Nutzer haben kein Interesse, ein Gerät mit einer zu kleinen App-Auswahl zu kaufen, wenn sie zu anderen Anbietern ausweichen können.

Huaweis Chance könnte ein neues Betriebssystem sein, das mit Android kompatibel ist. Dann könnten Nutzer die vorhandenen Apps einsetzen. Nur sind diese Möglichkeiten zu vage, um sich für ein “Gerät ohne Apps” zu entscheiden.

Denkbar sind auch alternative Betriebssysteme, die auf “gerooteten” Smartphones eingesetzt werden können, zusammen mit einer anderen Quelle für Apps. Für “normale” Anwender ohne Technik-Bezug ist das keine komfortable und ernstzunehmende Lösung.

Mein Fazit zum Huawei-Boykott

Nichts Genaues weiß man nicht. Das ist das Einzige, was gewiss ist. Alle Vermutungen können durch neue politische Entscheidungen in ihr Gegenteil verkehrt werden.

  1. Wer jetzt schon ein Huawei- oder Honor-Gerät benutzt, kann es weiter benutzen. Updates und Apps sollen wie bisher verfügbar sein.
  2. Das gleiche soll wohl für “lagerhaltige” Geräte gelten, die jetzt gerade auf dem Weg zum Kunden oder zum Zwischenhändler sind. Vielleicht gilt das auch für Geräte, die innerhalb der Lizenzverlängerung ein Update auf Android 10 Q erhalten?
  3. Ein Rückgaberecht bereits gekaufter Geräte hat Huawei abgelehnt.
  4. Nach der Fristverlängerung bis zum 19.08.2019 wird die Anbindung an Google beendet. Welche Alternativen Huawei dann anbieten kann, ist offen.
  5. Es gibt Empfehlungen, mit einer Kaufentscheidung bis August 2019 zu warten. Solange der Boykott von willkürlichen politischen Entscheidungen abhängt, bleibt die Zukunft von Huawei unsicher.

Mir wäre diese Aussichten zu unsicher für einen Kauf. Huawei hat attraktive Geräte gerade im Spitzenbereich, auch mit gut beurteilten Kameras. Schade drum, aber es gibt auch andere Hersteller. Auf jeden Fall muss man die Entwicklung vor einer Entscheidung beobachten.


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