Ein Funkloch hatte ich nicht erwartet

Wir wollten ein paar Tage in Franken genießen und uns an der Digitalisierung erfreuen. Das Funkloch stand nicht auf dem Plan.

gastlich

Volkach ist eine gemütliche Kleinstadt im Kreis Kitzingen. Ein historischer Ortskern mit netten Geschäften und netter Gastronomie, ein feines kleines Weinfest in Obervolkach. Beste Voraussetzungen zum Wohlfühlen.

Zwischendurch wollte ich wissen, was in der Welt los ist und per E-Mail und Threema kommunizieren. Dafür hatte ich mein Smartphone mitgenommen. Das ist meine Foto-Dokumentation:

Funkloch überall

Zwischen dem Fachwerkhaus links und dem Weinfest rechts liegen 3 Kilometer. An beiden Plätzen und dazwischen und im weiteren Umkreis gab es statt einer Verbindung nur Funkloch an Funkloch. Empfang gab es nicht. Auch nicht als ein junges Paar uns den Insider-Tipp gab “dort auf der Brücke”.

Die lokale Fischbraterei hat “unseren bekannten Weinfestfisch” sehr würzig gemacht, damit die Getränke auch schmecken. Es sollte ein Merlan sein. Im Internet wollte ich mehr darüber erfahren: Fehlanzeige im Funkloch. Aber es gab ja Hefeweizen und Schorle gegen den Durst und Silvaner für den Geschmack. Das Funkloch war dann nicht mehr so wichtig.

Nur wer das Funkloch kennt, schätzt die Digitalisierung

Meine Erwartungen an die bayerische Digitalisierung waren hoch gesteckt. Kommen nicht die Digitalisierungs-Zuständigen aus Bayern? Laptop und Lederhose? Frau Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär schwärmt von Flugtaxis. Ihr Vorgänger Herr Alexander Dobrindt als Chef für das Ressort Verkehr und digitale Infrastruktur kündigte vorher das “schnellste und intelligenteste Netz der Welt” an. Das Verbindende zwischen den beiden ist vielleicht die Maut für Flugtaxis?

Habe ich unsere Polit-Darsteller falsch verstanden? Erlebt habe ich das Funkloch, und zwar flächendeckend. Die Digitalisierung war zwar versprochen, aber das Funkloch wurde bewahrt. Da erinnerte ich mich vage an ein Zitat. “Tradition ist nicht das Aufbewahren der Asche, sondern die Weitergabe der Streichhölzer.” So soll Tatort-Professor Boerne die bekannte Weisheit angepasst haben.

Ein bisschen digital waren wir dann doch, weil der Wirt unseres Gasthofs WLAN angeboten hat. 30 Meter Router-Reichweite sind doch auch schon was. Aber nachdem wir das Funkloch verlassen hatten, freuten wir uns über die Digitalisierung umso mehr.

Das Funkloch wird nicht gemacht, es ist “normal”

Schätzen Sie bitte mal, wie viele Einwohner Escherndorf an der Mainschleife hat:

Weinberg im Funkloch

Ein Funkloch ist dort, wo die Infrastruktur fehlt, wo z.B. keine Funkmasten stehen oder wo sie nicht leistungsfähig genug sind. Die Infrastruktur ist nicht kostenlos. Sie wird von den Netzbetreibern (Telekom, Vodafone, Telefonica) bereitgestellt. Die Netzbetreiber investieren aber nur, wenn sie genügend zahlende Kunden haben. Oder wenn sie von der Politik “motiviert” werden.

Verstehen Sie nun, warum ich Sie nach der Einwohnerzahl gefragt habe? Es wohnen schlicht zu wenige Zahler da. Und die Urlauber und Touristen zahlen woanders. Das “schnellste und intelligenteste Netz der Welt” und die Flugtaxis werden hier wohl nie ankommen. Jedenfalls nicht mit solchen Polit-Darstellern.

Funkloch zwischen Realität und Ankündigung

Mein Smartphone zeigt “E” in der Statusleiste. Das steht für “EDGE” (Enhanced Data Rates for GSM Evolution) und überträgt Daten mit bis zu 220 kbit/s. Die Meldung zeigt, dass praktisch nichts übertragen wird.

Unsere politischen Digital-Ankündiger schwurbeln was von Gigabit-Netzen mit “5G” in der Statusleiste. Das steht für 5. Generation und soll Daten mit bis zu 10 Gbit/s übertragen. Das ist etwa die 50.000-fache Geschwindigkeit im Vergleich zur Realität.

Mobilfunk-Bedeutung

Mobilfunknetz – was die Balken und Buchstaben bedeuten

In meiner Darstellung mit Geschwindigkeits-Vergleichen habe ich “E” mit “elend” übersetzt: das Funkloch mit Schnecken-Geschwindigkeit – wenn überhaupt. Angekündigt wird “Luxus” mit Raketen-Geschwindigkeit. Dieser Luxus wird irgendwann mal benötigt, z.B. für autonomes Fahren, für Telemedizin, für Roboter-Industrie.

Ein sinnvoller Zwischenschritt für ländliche Regionen wäre das, was es heute schon in Ballungsräumen gibt: “H”, “H+” und “LTE”. Das ist machbar und “handlich”. Das ist nützlicher als Luxus am Sankt-Nimmerleins-Tag.

Wie Erich Kästner schon sagte: “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!”


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