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Exoten: Brauchen Senioren ein “Senioren-Smartphone”?

“Auf dieses Seminar habe ich seit Jahren gewartet”. Das sagte eine Teilnehmerin zweimal, nämlich am Anfang und am Ende des Seminars am Donnerstag dieser Woche. Dabei ging es um Anwendungsbeispiele für Smartphones: Wofür kann man ein Smartphone brauchen? Welchen Nutzen und evtl. welche Risiken gibt es? Das Thema “Senioren-Smartphone” spielte nur eine Nebenrolle: Ich wollte die Möglichkeiten darstellen, nicht die Einschränkungen.

Wer entscheidet über Normal- oder Senioren-Smartphone?

Wenn Senioren ins Seminar kommen, ist die Smartphone-Auswahl oft abgeschlossen. Dann geht es vorrangig um das WIE der Bedienung, nicht mehr um das OB oder das WOFÜR des Einsatzes. Dann hat schon jemand diese Entscheidungen getroffen – jemand, nicht unbedingt die Betroffenen. Jemand? Der Verkäufer (wegen seines Umsatzes), die Kinder (die ihr altes Smartphone recyceln oder ihren Hilfe-Aufwand beeinflussen wollen), die Enkel (die einen ganz anderen Bedarf haben als die Großeltern), Bekannte (die natürlich von der eigenen Entscheidung überzeugt sein müssen).

Besser ist es, wenn die Senioren diese Entscheidung bewusst selbst treffen. Beratung gern, aber bitte nicht so: “Das wird gern genommen” – “Du musst unbedingt …” – “Das geht gar nicht”. Wenn Senioren ihre Smartphone-Auswahl selbst überlegen, können sie sich viel besser mit der neuen Technik identifizieren. Das Lernen fällt ihnen leichter, weil die Motivation stimmt.

Auf dieser Webseite biete ich diese Hilfen zur Smartphone-Entscheidung an:

Finger weg von Exoten wie Senioren-Smartphone

In einem anderen Seminar für Android Smartphones brachte jemand ein “Senioren-Smartphone” von Doro mit. Dieser Hersteller bewirbt dieses Gerät ausdrücklich mit diesem Begriff. Ich hätte der Teilnehmerin gern geholfen, konnte das aber nicht. Bei “echten” Android-Smartphones reichen meine Erfahrungen meist aus. Auch wenn die Spanne von Android 2.3.6 bis Android 7 ziemlich groß ist. Auch wenn zwischen 100-Euro-Smartphones und 1.000-Euro-Smartphones Unterschiede bestehen. Auch wenn Hersteller mit individuellen Launchern bewusst “anders” sein wollen. Meistens kann ich meine Erfahrungen übertragen und helfen.

Aber mit diesem Senioren-Smartphone kam ich nicht klar. In der kurzen Zeit, die mir im Seminar pro Teilnehmer bleibt, konnte ich die Bedienung nicht erlernen und vermitteln. Keine Ähnlichkeit mit dem Standard, intuitiv ist anders. Im Seminar ist keine Zeit für eine Privatstunde.

In einem Bericht von areamobile.de über das Senioren-Gerät fand ich später: “Die Smartphones von Herstellern wie Doro und Emporia zeichnen sich durch einfache Bedienoberflächen, mechanischen Tasten, Hörgerätekompatibilität und Features für Menschen mit Einschränkungen bei Seh- und Hörvermögen sowie Tastsinn aus.” Das Ergebnis in diesem Bericht war: “Smartphones, die erst keiner haben will, aber immer mehr Menschen kaufen.”

Meine Vorbehalte gegen ein Senioren-Smartphone

Mag sein, dass das Bedienkonzept objektiv gut ist. Mag sein, dass Anwender mit dem speziellen Senioren-Smartphone zufrieden sind (so steht es in Rezensionen bei Amazon). Meine Vorbehalte ergeben sich aus dem großen Lernaufwand, ohne den es nicht geht:

  • Gibt es z.B. in der Familie Helfer mit genug Lernbereitschaft für das abweichende Bedienkonzept eines Senioren-Smartphones (selbst wenn sie sich mit ihrem “Normal”-Smartphone gut auskennen)? Ich höre oft, dass “die Kinder zu viel um die Ohren haben” und dass “die Enkel zu schnell und zu ungeduldig sind”.
  • Können Senioren die Bedienung ohne Hilfe erlernen? Das ist selten, nur z.B. bei einschlägigen Vorkenntnissen. Handy-Erfahrungen sind viel zu wenig dafür, weil deren Vielseitigkeit nicht bis ins Internet reicht. Computer-Erfahrungen sind hilfreich.
  • Gibt es in der eigenen Umgebung andere Anwender von Senioren-Smartphones, mit denen Erfahrungen ausgetauscht werden können? Ich vermute, dass die Marktanteile dieser speziellen Geräte verschwindend gering sind und dass es in näherer Umgebung nur wenige “gleichgesinnte” Nutzer gibt – und die muss man erst finden.

Meine Vorbehalte ergeben sich außerdem aus dem Leistungsumfang. Die “einfachere Bedienung” wird damit erreicht, dass viele Funktionen einfach fehlen. Dann können sie die Nutzer nicht irritieren. Was ist aber, wenn der Bedarf der Nutzer wächst? Dann muss der “Exot” durch ein “richtiges” Smartphone ersetzt werden, damit beginnt der Lernaufwand von vorn. Dieser Vorbehalt betrifft allerdings nur die “technisch neugierigen” Anwender.

Weichenstellung: Normal- oder Senioren-Smartphone?

Natürlich gibt es Unterschiede bei den Anwendern. Einige mögen Technik, sind aufgeschlossen und lernbereit. Andere wollen nur erreichbar sein oder bei Bedarf jemanden erreichen können – und/oder trauen sich die Technik nicht zu.

Zu den wichtigsten Entscheidungen gehört die Selbsteinschätzung der Nutzer:

  • Will ich nur die Kommunikation bei Bedarf und möglichst wenig lernen? Oder habe ich ein Handicap, z.B. feinmotorisch? Dann genügt ein Handy. Vielleicht ein “Seniorenhandy” mit größeren Tasten, größerem Display, stärkerem Lautsprecher und Notruf-Taste. In diesem Fall ist wahrscheinlich ein Senioren-Smartphone schon zu anspruchsvoll.
  • Will ich Anschluss an die Digitalisierung unserer Gesellschaft halten? Analoge Leistungen fallen weg, z.B. Auskünfte. Neue digitale Leistungen entstehen, z.B. Assistenzsysteme. Dann sollte das Gerät Internet-Zugang haben. Smartphone, Tablet oder Computer kommen dafür in Frage. Wenn das Internet auch unterwegs benutzt werden soll, ist ein Smartphone die erste Wahl. Ein voll funktionsfähiges Smartphone, kein abgespecktes Senioren-Smartphone. Denn “der Appetit kommt beim Essen”.
  • Will ich einen relativ einfachen Einstieg, ohne die Zukunft zu blockieren? Dann ist ein “normales” Smartphone (z.B. untere Mittelklasse) geeignet, dass für die Lernphase auf den so genannten “einfachen Modus” gedrosselt wird. Wenn dann der “Appetit” kommt, muss nur noch der so genannte “Normalmodus” eingeschaltet werden, und die ganze Leistung steht zur Verfügung.

Manchmal erlebe ich, dass Senioren an ihrem vertrauten Handy hängen und sich standhaft gegen das Umsteigen wehren. Wenn sie es dann doch schaffen, wächst mit den ersten Erfolgen das Interesse – aus der ursprünglichen Verweigerung wird technische Neugierde, oft sogar Begeisterung. Überraschend ist das nicht: Senioren sind zwar oft vorsichtig, aber nicht dumm.

Entscheiden Sie “normal”

Was bedeutet “normal”? Das ist sicher für jeden anders. Sehen Sie sich in Ihrem Umfeld um: Familie, Freunde, Bekannte. Was benutzen die anderen – Hersteller, Geräteklasse, Tarif? Welche Lernfähigkeit oder Lernbereitschaft haben sie? Wofür benutzen sie es? Wie haben sie gelernt? Wie hilfreich waren die Handbücher? Welche guten und schlechten Erfahrungen haben sie im täglichen Leben mit dem Smartphone gemacht? Was hat sich durch das Smartphone verändert? Welche (evtl. unlösbaren) Probleme gab es? Was würden sie anders machen?

Für einige Anwender kann ein Senioren-Smartphone in diesem Sinn “normal” sein. Für viele Anwender sind Einsteiger- oder Mittelklasse-Smartphones normal. Für mich (mit unterschiedlichen Seminarthemen und wechselnden Teilnehmern) sind die großen Marktanteile “normal”: Android als Betriebssystem, Samsung als Hersteller. Dann habe ich die größten Chancen, dass sich meine eigenen Erfahrungen mit dem Bedarf der meisten Teilnehmer decken.

Aus Ihrem Umfeld bekommen Sie Anregungen und Hilfe. Wenn Sie irgendwann feststellen, dass Ihre Smartphone-Entscheidung in eine Sackgasse geführt hat, sind Sie unzufrieden.

Senioren-Smartphone oder Smartphone für Senioren

Aber lassen Sie sich nicht entmutigen, der Lernaufwand lohnt sich. Wenn Sie erstmal den Einstieg verstanden haben, werden Sie bestätigen: “Alles ganz einfach”. Versprochen!

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