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Erinnerungsfotos und –videos – von der Aufnahme bis zur Abmahnung

Erinnerungsfotos und -videos werden aufgenommen, angesehen und evtl. veröffentlicht. Sie können auch Rechte verletzen. Sie wollen „nachhaltig“ aufbewahrt werden.

Ein Event mit Erinnerungsfotos und –videos

Ein schöner Sonntagnachmittag in der Altstadt. Zum düsseldorf festival 2016 war hier Zelt aufgebaut, mit Bar, Bühne und Band. Jazz mit dem Barbara Oxenfort Quartett. Jazz ist selten geworden. Umso verständlicher, dass Jazz-Liebhaber davon Erinnerungsfotos oder –videos mitnehmen wollen.

Ich sah ihn nur von hinten. Ein Senior (mit einem weißen Haarkranz) stellte sich mit seinem Smartphone drei Meter vor die Bühne. Ein bisschen rücksichtslos, fand ich. Denn er verstellte dem übrigen Publikum die Sicht. Es muss ein Video gewesen sein, denn er setzte das Smartphone nicht ab wie nach einem Foto. Muss das die Sängerin nicht mächtig irritieren? Er trat noch näher an die Bühne. Die Reaktion der Sängerin fand ich bemerkenswert und professionell. Sie beugte sich vor, bis sie nur noch eine Armlänge vom Smartphone trennte. So sang sie deutlich lauter weiter, begleitet von einem souveränen Lächeln. Jetzt hatte der Senior verstanden, nach ein paar Takten verschwand er. Das Konzert ging ungestört weiter.

Wieder draußen auf der Rheinpromenade wollte ein Tourist einen anderen fotografieren. Diesmal kein Selfie, sondern eine Aufnahme vor der attraktiven Kulisse. Die beiden standen quer zur Gehrichtung. Passanten erkannten die Aufnahme, wollten sie nicht stören und warteten. Andere umrundeten die kleine Gruppe. „Bitte schön“ sagte der Fotograf, nachdem er fertig war. Er hat sich nicht für die Rücksichtnahme der Passanten bedankt, sondern „großzügig“ auf sein „Recht“ zu fotografieren verzichtet. So wirkte es auf mich.

Zwei ganz kleine Erlebnisse zur Rücksichtnahme. Sie zeigen aber, welche Bedeutung das Fotografieren und Filmen offensichtlich hat.

Wie Erinnerungsfotos und –videos verwendet werden

Noch nie wurde mehr fotografiert und gefilmt als heute, lese ich, und zwar überwiegend mit Smartphones. Deren Leistungsfähigkeit kommt den Kompaktkameras immer näher. Und sie haben den Vorteil, dass sie immer dabei sind, ohne zusätzlichen Transportaufwand.

Was passiert mit den Erinnerungsfotos und -videos?

  • Ganz wichtig scheint zu sein, dass die Aufnahmen sofort versendet werden. Sie zeigen den zu Hause Gebliebenen, was hier gerade los ist, z.B. anstelle von Postkarten. Das ist mit normalen Kameras, die keinen Internet-Zugang haben, nicht möglich.
  • Sie werden im kleinen Kreis herumgezeigt. Jeder nimmt das Smartphone in die Hand, sieht sich die Aufnahme (oder mehrere) an und gibt es dann weiter. Das Gepräch geht weiter, und leicht geht der Zusammenhang zwischen Aufnahme und Gespräch verloren.
  • Viele Erinnerungsfotos und -videos werden im Computer oder auf CD / DVD gespeichert. In dem Zusammenhang höre ich oft den Vorwurf, dass sie dann „weg“ sind.
  • Wenn die Technik mitspielt, d.h. wenn das Smartphone und der Fernseher sich einfach verbinden lassen, kann man die Aufnahmen auf dem größeren TV-Bildschirm ansehen und ggf. hören.
  • Auch das Internet ist ein wichtiges Medium geworden, um anderen die eigenen Aufnahmen und Selfies zu zeigen: Soziale Netzwerke (z.B. Facebook) und Messenger (z.B. WhatsApp) sind beliebte Medien. Manche speichern sie in der Cloud, zur Sicherung oder um sie den Teilnehmern einer Veranstaltung zu zeigen.
  • Manche Fotos schaffen es sogar aufs Papier, also ins Album oder ins Fotobuch (gedruckt oder ausbelichtet/fotochemisch entwickelt).
  • Einige Aufnahmen werden wie Notizen behandelt oder dienen der Dokumentation. Nachdem sie ihren Zweck erfüllt haben, können sie gelöscht werden.

Vergessen geht schnell

Meine Vermutung: So schnell die Fotos mit irgendeiner Technik gezeigt wurden, so schnell sind sie wohl auch wieder vergessen. Das Problem ist nicht die Technik selbst, sondern die Tatsache, dass überhaupt eine Technik gebraucht wird.

Ich erinnere mich noch an die vielen analogen Aufnahmen, die als Dia oder Filmrolle in irgendeiner Schublade landeten. Wenn man sie später mal betrachten wollte, fehlten die Leinwand und/oder das Verlängerungskabel. Wo ist der passende Projektor (Dia, Super 8, Doppel 8, Normal 8)? Oft wurde eine Reservebirne gebraucht oder die Bedienungsanleitung. Nicht viel besser war es bei den digitalen Aufnahmen (Kassetten unterschiedlicher Formate).

Rechtliche Aspekte von Erinnerungsfotos und –videos

Die Verwendung der Erinnerungsfotos und –videos reicht also von ganz persönlich über den kleinen Kreis bis zur großen Öffentlichkeit.

Die Bedienungsanleitung meines Smartphones enthält Hinweise zur Verwendung der Kamera. Keine Fotos von anderen Personen ohne deren Erlaubnis machen. Orte, an denen Aufnahmen nicht erlaubt sind, sind tabu. Die Privatsphäre anderer Personen darf nicht verletzt werden.

Fotos und Videos betreffen also nicht nur die Technik und die Gestaltung. Sie betreffen auch Rechte, die den Fotografierenden oft nicht bewusst sind. Oft werden fremde Rechte ohne böse Absicht verletzt. Trotzdem haftet der Fotograf, wenn es zum Rechtsstreit kommt. Suchen Sie mal im Internet mit Suchbegriffen wie „Persönlichkeit Urheberrecht Foto Video Abmahnung“. Dazu gibt es eine Fülle von juristischen Stellungnahmen.

Ein Beispiel daraus: Fotografie und Recht – Was darf ich fotografieren und was nicht? von Rechtsanwalt Michael Terhaag, LL.M.. In dem lesenswerten Artikel geht es um Gebäude, Kunstwerke, Markenprodukte, Logos, Namensschilder, urheberrechtlich geschützte Werke, Menschen, Kinder, Aktaufnahmen etc.

Die Falle der Allgemeinen Geschäftsbedingungen

Was ist, wenn Andere Ihre Fotos verwenden? In der juristischen Diskussion sind z.B. die AGB von WhatsApp umstritten. So zitiert z.B. giga.de aus den englischsprachigen AGB:

„However, by submitting the Status Submissions to WhatsApp, you hereby grant WhatsApp a worldwide, non-exclusive, royalty-free, sublicenseable and transferable license to use, reproduce, distribute, prepare derivative works of, display, and perform the Status Submissions in connection with the WhatsApp Service and WhatsApp’s (and its successor’s) business, including without limitation for promoting and redistributing part or all of the WhatsApp Service (and derivative works thereof) in any media formats and through any media channels. You also hereby grant each subscriber to your status on the WhatsApp Service a non-exclusive license to access your Status Submissions through the Service.“.

Mit dem Original-Text will ich zeigen, dass wohl nur wenige Nutzer die AGB überhaupt lesen oder gar verstehen. Das ändert nichts an deren Gültigkeit.

Dieser Passus wird so kommentiert: „Auf Deutsch heißt das etwa: Wer auf WhatsApp Bilder oder Texte verschickt gewährt WhatsApp damit das Recht, diese Inhalte zu benutzen, wiederzuverwerten oder auch an Dritte weiterzuverbreiten. Mit dieser Übertragung der Rechte sichert sich WhatsApp die Möglichkeit, die Inhalte für eigene Zwecke zu verwenden – ähnlich wie das z.B. auch bei Facebook oder Instagram der Fall ist.“

Weiß ich jetzt mehr?Erinnerungsfotos

Hoffentlich bringt mir dieses Adam und Eva-Foto keine Probleme!

Weil ich kein Jurist bin, habe ich ein sehr ungutes Gefühl. Was kann auf mich zu kommen, wenn

  • ich unwissentlich und ohne böse Absicht fremde Rechte verletze
  • und die AGB unverstanden akzeptiert habe und
  • wenn die „sozialen Medien“ ihre Ansprüche aus den AGB wahrnehmen und meine Fehler verbreiten?

Nur Papierfotos sind „sicher“

Abmahnungen für unberechtigt veröffentlichte Aufnahmen sind teuer. Ich lese von Beträgen, die leicht 3000 Euro erreichen. Diese Art von Erinnerungsfotos und –videos kann und will ich mir nicht leisten.

Meine Erkenntnis: Jede Technik macht die Aufnahmen irgendwann „unverfügbar“. Wichtige Erinnerungen gehören auf Papier, das kann man ohne Hilfsmittel betrachten. Mit Papier meine ich Abzüge / Drucke, die im „Schuhkarton“ oder sortiert gesammelt werden, die säuberlich ins herkömmliche Album eingeklebt oder im Fotobuch festgehalten werden.

Als ich vor einiger Zeit einen Anlass zum Aufräumen hatte, habe ich alle analogen Filme vernichtet. Ansehen und prüfen konnte ich sie nicht mehr. Digitale Filme auf Kassetten habe ich behalten, weil ich die Video-Kamera noch habe, die ich auch für die Wiedergabe benutzen kann. Alte Dias und Negative habe ich digitalisiert und zu einem Fotobuch verarbeitet. Spannend, welche Erinnerungen dabei wieder auftauchten. Neuere digitale Fotos sammle ich chronologisch im PC, einige davon kommen aufs Papier.

Ich habe mehrere Generationen von Aufnahme- und Wiedergabegeräten gebraucht, bis ich diesen Umgang mit Erinnerungsfotos und –videos für mich entdeckt habe. Ob er für Sie auch geeignet ist, können nur Sie beurteilen.

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