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Die Bedienungsanleitung zum Smartphone

Ein Smartphone ohne brauchbare Bedienungsanleitung taugt nicht. Einsteigern fehlen die Grundlagen, Fortgeschrittenen fehlen die Anregungen. Was man in der Praxis erwarten kann und nicht erwarten sollte.

Wenn die Bedienungsanleitung fehlt

Ein Supermarkt bot das Smartphone eines weniger bekannten Herstellers an. Es wurde gekauft, unter anderem, weil der Preis so günstig war. Eine Bedienungsanleitung war nicht dabei, nur eine „Kurzanleitung“. Die war etwas größer als eine Briefmarke und enthielt Informationen auf je ca. 10 Seiten in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Deutsch, Niederländisch, Arabisch(?), Polnisch. Ohne Lupe war das kaum lesbar.

Für die neue Besitzerin – es ist ihr erstes Smartphone – war das zu wenig, sie bat mich um Hilfe.

Kann ja nicht so schwer sein, dachte ich. Wenn das Android ist, sollte es genügend Ähnlichkeiten mit bekannten Geräten haben, dachte ich. Aber der Hersteller hatte sich eine eigene „ganz andere“ Benutzeroberfläche und Menüstruktur einfallen lassen.

Es gibt ja die vollständige Bedienungsanleitung im Internet zum Download, dachte ich. Aber die Suchmaschine gab nichts her: Der Hersteller hatte keine schreiben lassen. Das bestätigte auch die Hotline am Telefon (nach der obligatorischen Warteschleife), aber ich könne ja eine allgemeine Android-Anleitung benutzen und einen anderen Launcher installieren.

Es gibt ja hilfsbereite Foren im Internet, dachte ich. Für bekannte Hersteller und verbreitete Modelle ist das kein Problem, für dieses Modell: Fehlanzeige. Bleibt also nur die Methode „Versuch und Irrtum“. Das kostet Zeit und Nerven.

Wie andere Hersteller mit der Bedienungsanleitung umgehen

Als ich mein letztes Smartphone bekam, war es in einer Schachtel mit den Abmessungen 13x8x5 cm verpackt. Nett, handlich, üblich. Aber zu klein für ein ernst zu nehmendes Handbuch oder eine CD. Zwei Büchlein waren dabei: „Kurzanleitung“ auf Deutsch und „Quick Start Guide“ auf Englisch, und diverse Info-Zettel. Auf den ersten Blick ist das nicht mehr als bei dem Supermarkt-Smartphone. Aber ich kann davon ausgehen, dass die großen Anbieter eine PDF-Datei mit der vollen Information zur Verfügung stellen, und zwar kostenlos. Die möchte ich auf dem PC und auf dem Smartphone speichern.

Die Suchmaschine hilft mir weiter. Wenn ich den Hersteller-Namen und die Modellbezeichnung eingebe und einen zusätzlichen Suchbegriff (z.B. Anleitung, Bedienungsanleitung, Benutzerhandbuch, Betriebsanleitung, Gebrauchsanleitung, Gebrauchsanweisung, Handbuch, Manual, User Manual) ergänze, finde ich viele Quellen, bei denen ich die Bedienungsanleitung herunterladen kann. Das ist zunächst der Hersteller, aber auch Internet-Shops, Fachzeitschriften, Portale, Netzbetreiber und Reseller. Vielleicht sind auch unseriöse Anbieter dabei, die Geld verlangen (einmalig oder im Abo) oder die meine persönlichen Daten sammeln wollen. Ich prüfe also, wohin die Links führen und ob das Datei-Format PDF ist (ZIP oder andere Exoten vermeide ich). Dann lade ich die Bedienungsanleitung von einer mir bekannten Seite herunter, am liebsten vom Hersteller.

Mir genügt die PDF-Datei. Manche Anwender drucken die Bedienungsanleitung vollständig oder auszugsweise aus, um wichtige Stellen zu markieren und mit eigenen Notizen ergänzen.

Bedienungsanleitung und Lernen

Smartphones sind lernbedürftig. Weil sie so vielseitig sind, müssen die Anwender mehr lernen als z.B. beim Auto. Auto-Betriebsanleitungen haben leicht mehrere hundert Seiten, Smartphones leisten sich meist zwischen 150 und 200 Seiten. Nur eine Kurzanleitung für das Smartphone (um die 10 Seiten) ist nicht akzeptabel. So ist jedenfalls meine Einschätzung als Autofahrer, Smartphone-Nutzer und Seminarleiter.

Die meisten Bedienungsanleitungen, die ich kenne, sind nur teilweise zum Lernen geeignet. Sie sind eher als Nachschlagewerk und Dokumentation konzipiert, kaum nach didaktischen Kriterien.

Die Autoren von Smartphone-Anleitungen können auch nur die Grundlagen des Geräts beschreiben, z.B. Bedien-Elemente, Menüs, Betriebssystem und einige Standard-Apps (Telefon etc.). Sie haben keine Chance, die Apps anderer Entwickler zu dokumentieren, die die Nutzer individuell installiert haben.

Beispiel: Ein Nutzer hat eine Nachrichten-App installiert, die bei einer Eilmeldung ein Symbol in die Statuszeile (oben im Display) einbaut. Dann kann der Anwender zunächst nicht erkennen, ob das Symbol aus dem Betriebssystem oder aus der „fremden“ Nachrichten-App kommt. Und der Handbuch-Autor kann nicht wissen, ob der Anwender diese Nachrichten-App einsetzt, oder eine andere App mit einem anderen Symbol.

Im Vergleich: In der Auto-Betriebsanleitung stehen keine Verkehrsregeln; um das Fahren zu lernen, gibt es die Fahrschule. Ähnlich kann man von der Smartphone-Anleitung auch nur die Geräte-Informationen erwarten, nicht z.B. Medienkompetenz.

Wikipedia zur Bedienungsanleitung

Unter der Überschrift Gebrauchsanleitung schreibt Wikipedia: „Eine Gebrauchsanweisung oder Bedienungsanleitung ist eine Information, die dem Benutzer eines Produkts hilft, das Produkt sicher und bestimmungsgemäß zu verwenden.“ Dafür haben sich unterschiedliche Formen mehr oder weniger praxisgerecht entwickelt, z.B. Buch, Handzettel, Schild, Etikett, Touchscreen.

Das Kapitel „Rechtliches“ in diesem Artikel besagt: „Der Hersteller eines technischen Produktes hat eine Instruktionspflicht gegenüber dem Kunden, die er durch die Übergabe einer Gebrauchsanleitung erfüllt; diese ist daher ein Bestandteil des Produkts (Produktsicherheitsgesetz 2011): Eine fehlerhafte, unvollständige oder unverständliche Gebrauchsanleitung ist ein Sachmangel – genauso wie ein Fehler am Produkt selbst – und kann zu Nacherfüllung, Rücktritt vom Kaufvertrag oder Kaufpreisminderung führen.“

Aber das ist wohl teilweise nur Wunschdenken. Ich befürchte, dass viele Anleitungen für Smartphones diese rechtlichen Anforderungen nicht erfüllen.

Bedienungsanleitungen sind so wichtig, dass es sogar eine Norm dafür gibt: „Die Europäische Norm EN 82079 vom September 2012 regelt den Entwurf und das Erstellen von Anleitungen – Gliederung, Inhalt und Darstellung und umfasst uneingeschränkt kleine sowie große und komplexe Produkte.“

Fazit

Ich meine, dass ein Smartphone ohne brauchbare Bedienungsanleitung nicht richtig genutzt werden kann. Von Einsteigern nicht, weil sie nicht genug Grundlagen haben, von Fortgeschrittenen nicht, weil sie keine Anregungen für weitere Nutzung bekommen.

In Testberichten findet das Thema Bedienungsanleitung praktisch nicht statt. Vielleicht stecken Tester und Redakteure so tief in der Technik und in Benchmarks, dass sie sich die Anwenderprobleme nicht mehr vorstellen können. Ja, ich bezweifle den Praxisbezug mancher Labortests.

Ohne Bedienungsanleitung ist alles nichts
Mit einer geeigneten Bedienungsanleitung kann sogar ein Kind komplizierte Aufgaben erledigen. Erfolgs-Spielzeug: Begeisterung und Marktanteile.

Meine Empfehlung: Wenn Sie ein Smartphone oder Tablet kaufen, achten Sie auf die Bedienungsanleitung. Glauben Sie nicht nur irgendwelchen Beteuerungen, sondern lassen Sie sich die Anleitung zeigen: Kommen Sie mit dem Medium zurecht (ausreichende Schriftgröße , ggf. PC mit CD-Laufwerk, geeignetes Dateiformat)? Wie umfangreich ist der deutschsprachige Teil? Sind die Formulierungen sprachlich korrekt oder handelt es sich um eine Automaten-Übersetzung? Enthält sie erläuternde und verständliche Übersichten, Fotos und Grafiken?

Die Bedienungsanleitung ist natürlich nicht alles beim Smartphonekauf. Aber ohne die Anleitung ist alles nichts.

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