Senioren, Smartphones, Sicherheit Privatstunden, Hilfe, Seminare – damit Technik Spaß macht

Der Enkeltrick ist noch viel schlimmer

Aufrufe: 47

Das Wort Enkeltrick ist bösartig. Es verleitet zum Denkfehler: “Mir kann nichts passieren, ich kenne doch meine Enkel”. Damit bewirkt es das Gegenteil dessen, was es bewirken soll. Es verniedlicht Risiken.

Auf den Enkeltrick hereingefallen

EnkeltrickDie “hessenschau” berichtete in diesen Tagen: Marburger leert Schließfach für falsche Polizisten – Vermögen weg. “‘Herr Stahl von der Kripo’ und ‘Einsatzleiter Schubert’: Für diese falschen Polizisten hat ein Mann in Marburg mehrere hunderttausend Euro von der Bank geholt und in seinem Auto deponiert. Die Betrüger sagten später auch noch Danke.”

Im gleichen Bericht steht noch ein Fall: “Ein weiterer Mann aus Marburg ist Opfer des ‘Microsoft-Tricks’ geworden. Der 73-Jährige fiel nach Angaben der Polizei auf einen Unbekannten herein, der sich als Mitarbeiter von Microsoft ausgab. In einem insgesamt fünf Stunden langen Telefonat habe der Betrüger den Marburger zunächst davon überzeugt, dass dessen PC von einem Virus befallen sei. Dann folgte das ahnungslose Opfer den Anweisungen des angeblichen Computer-Experten bis zum Online-Banking. Die abgefischten Daten nutzte der Unbekannte schließlich zu Kontoverfügungen. So gelangte er an 20.000 Euro.”

Stimmt, in diesem Bericht kommt das Wort Enkeltrick nicht vor, danke! Aber in vielen anderen dieser Art.

Der Enkeltrick manipuliert

Zur Entstehung des Worts Enkeltrick nennt die Polizei NRW diese Beispiele. Das Telefon klingelt: “Ja hallo, ich bin`s, deine Enkelin. Ich hatte einen Unfall, bin verletzt, aber es geht mir gut. Ich war auch nicht Schuld. Aber die andere Frau, die muss operiert werden. Wir wollen das ohne viel Tamtam regeln. Und das kostet Geld…!” oder “Hallo ich bin`s dein Enkel. Ich kann kurzfristig an eine günstige Wohnung kommen. Dafür brauche ich schnell Geld für eine Anzahlung. Verrate aber nichts den anderen. Das soll eine Überraschung sein!”

Das Wort Enkeltrick ist einprägsam. Oft sind es ältere Leute, die von angeblichen Enkeln betrogen werden. Aber es ist nicht auf diese Zielgruppe begrenzt. Der Fachbegriff ist “Social Engineering”, das bedeutet etwa “soziale Manipulation” oder “Manipulation mit Hilfe menschlicher Eigenschaften”. Das klingt nicht so griffig, beschreibt das Risiko aber sehr viel genauer.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schreibt dazu: Social Engineering – der Mensch als Schwachstelle: “Beim Social Engineering werden menschliche Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Vertrauen, Angst oder Respekt vor Autorität ausgenutzt, um Personen geschickt zu manipulieren. Der Angreifer verleitet das Opfer auf diese Weise beispielsweise dazu, vertrauliche Informationen preiszugeben, Sicherheitsfunktionen auszuhebeln, Überweisungen zu tätigen oder Schadsoftware auf dem privaten Gerät oder einem Computer im Firmennetzwerk zu installieren.”

“Das zentrale Merkmal von Angriffen mithilfe von Social Engineering besteht in der Täuschung über die Identität und die Absicht des Täters. So gibt sich dieser beispielsweise als Techniker/Technikern oder als Mitarbeiter/Mitarbeiterin eines Unternehmens wie PayPal, Facebook oder eines Telekommunikationsunternehmens aus, um das Opfer zur Preisgabe von Anmelde- oder Kontoinformationen oder zum Besuch einer präparierten Webseite zu verleiten.”

Die Polizei empfiehlt

Die Polizei NRW empfiehlt den Angehörigen oder nahe stehenden Personen von älteren Menschen:

  • Um ältere Menschen zu schützen, sprechen Sie mit ihnen über die Methoden der Trickbetrüger.

Wenn Sie selbst angerufen werden:

  • Seien Sie vorsichtig, wenn Sie jemand telefonisch um Geld bittet.
  • Legen Sie einfach den Telefonhörer auf, sobald ihr Gesprächspartner, häufig ein angeblicher Enkel, Geld von Ihnen fordert.
  • Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist. Rufen Sie ihn zurück.
  • Übergeben Sie niemals Geld an Ihnen unbekannte Personen.
  • Informieren Sie sofort die Polizei, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt: Notrufnummer 110!
  • Wenden Sie sich auf jeden Fall an die Polizei, wenn Sie Opfer geworden sind und erstatten Sie eine Anzeige.
  • Bei Fragen helfen Ihnen die im Opferschutz besonders geschulten Beamtinnen und Beamte Ihrer örtlichen Polizei gerne.

Digitalisierung. Macht. Geld.

Betrug in Form des “klassischen Enkeltricks” gibt es schon viel länger als die Digitalisierung. Aber die Digitalisierung erleichtert es den Kriminellen.

Welche Bedeutung die Digitalisierung hat, kann man anhand eines Vergleichs von Mitte 2020 erahnen. Allein Facebook hat 2,6 Milliarden aktive Nutzer weltweit. Zur gleichen Zeit hat China, das bevölkerungsreichste Land der Erde, 1,4 Milliarden Einwohner. Wenn Facebook ein Land wäre, wäre es viel größer als China – fast doppelt so groß.

Und Facebook ist nur einer der vier Großen “GAFA” im Internet: Google, Apple, Facebook, Amazon. Die Europäische Union steht den vier Internetriesen kritisch gegenüber, die einen übermächtigen Einfluss auf Wirtschaft, Steuern und Konsumenten haben. Es geht also um viel Macht und Geld.

Spezialisierte Gangster gegen naive Anwender

Und wo es um Geld geht, sind Trittbrettfahrer nicht weit. “Cybercrime” ist die Bezeichnung für Internet-Kriminalität. Gangster investieren, um ihren Teil vom Kuchen zu bekommen. Sie investieren in Ausbildung, oder sie “kaufen” sich die Qualifikation von Experten. Dann verfügen sie über technisches Knowhow, um fremde Computer und Netze anzugreifen. Und sie bauen psychologisches Knowhow auf, um den Enkeltrick zu perfektionieren. Dafür brauchen sie nur geringe technische Kenntnisse, kriminelle Energie haben sie genug.

Gegen die Kombination von technischem und psychologischem Knowhow können sich Opfer kaum wehren. Mit Technik finden Gangster persönliche Daten heraus, mit Psychologie und Kenntnis der Situation manipulieren sie die Opfer.

Jetzt prallen zwei Welten aufeinander. Spezialisierte Gangster treffen auf naive Anwender:

  • Das Thema Digitalisierung ist objektiv schwierig. Die Geräte und Apps sind so komplex und leistungsfähig wie bisher keine andere Technik.
  • Die Anwender hatten wenig Veranlassung und minimale Motivation, sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen.
  • Ihnen fehlt das Problembewusstsein, weil ihre analogen Erfahrungen für die digitalen Risiken nicht ausreichen.

Einige Anwender gehen weiter “blauäugig” in die Digitalisierung. Andere haben von Risiken gehört und lehnen “diese böse Welt” ab. Wer sich zurückzieht, hält die Entwicklung nicht auf. Wer sich weigert zu lernen, wird umso angreifbarer.

Kinder beim Versteckspiel kneifen die Augen zu und glauben, so nicht gesehen zu werden. Und freuen sich, wenn sie erwischt werden – das ist der Reiz des Spiels. Das ist dramatisch anders als beim Enkeltrick.

Der Enkeltrick ist vorhersehbar

Die betroffenen Betrogenen tun mir leid, egal ob die Schäden existenzbedrohend oder “nur” extrem ärgerlich sind.

Wer einmal betrogen wurde, ist trotzdem nicht vor weiterem Betrug geschützt. Wer noch nicht betrogen wurde, hat diese Erfahrung vielleicht noch vor sich. Es gibt keine Immunität gegen den Enkeltrick:

  • Ein Elektrodiscounter startete die Werbung “Geiz ist geil” und traf damit den Zeitgeist. Dieser Gedanke setzt sich besonders im Internet durch.
  • “Mit der Wurst nach dem Schinken werfen” ist eine Einstellung, die viele Anbieter im Internet verfolgen. Sie bieten uns attraktive Leistungen an, auf die wir nicht mehr verzichten “können”, z.B. Google. Dafür durchdringen sie unsere Privatsphäre.
  • “Nichts ist teurer als umsonst” oder “Wer im Internet nicht bezahlt, ist nicht der Kunde, sondern die Ware”. Diese Warnungen sind unbeliebt. Wer sie ausspricht, wird gern in die Spielverderber-Ecke gestellt.
  • “Es gibt keinen Trick, auf den nicht irgendein Depp hereinfällt” ist eine Erfahrung der Betrüger. Sie versuchen es systematisch immer wieder. Die Digitalisierung macht es für sie leicht und kostengünstig. Sie müssen nicht einmal Porto bezahlen.

Ja, es ist schwer, sich in einem unbekannten Umfeld sicher zu bewegen. Eine Standard-Frage sollten Sie bei jedem Internet-Angebot stellen: “Was wollen die wirklich von mir – ist das nötig und in meinem Sinn?”. Manche Antworten drängen sich auf. Solche Vermutungen sind nicht immer die richtigen Antworten. Bleiben Sie skeptisch.

Die Digitalisierung – auch in Ihrem Alltag – können Sie nicht aufhalten. Prüfen Sie Ihre Haltung: Lernen und öffnen, nicht zurückziehen. Mitdenken, nicht wegklicken. Nachfragen, nicht vermuten.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, lesen Sie auch den Beitrag Enkeltrick – Trickbetrug – “Social Engineering”.

PrivatstundenHandyTipp Fernsteuerung


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.