Internet ohne Google können sich viele nicht vorstellen. Aber Google ist als “Datenkrake” bekannt, das macht vielen Nutzern Angst. Wie kann man sich schützen?

Google kennt uns (zu) genau

Mit seiner Suchmaschine hat Google es bis in den DUDEN geschafft: “googeln: schwaches Verb – mit Google im Internet suchen, recherchieren”.

Google ist vielseitig
Googles Angebote sind so vielseitig wie diese “Doodles”, die das Logo kurzzeitig zu besonderen Anlässen ersetzen.

Mit dem Geschäftsmodell Werbung gehört Google zu den ganz Großen im Internet (“GAFA”: Google, Apple, Facebook, Amazon). Die werbenden Hersteller oder Händler zahlen im Internet nur für erfolgreiche Kontakte bzw. Verkäufe. Werbung bringt mehr Gewinn, wenn sie Kunden gezeigt wird, die offen für das beworbene Produkt sind. Erfolgsschlüssel ist also die Transparenz der Nutzer für “personalisierte Werbung”.

Wir werden immer “gläserner”. Behörden wollen per Vorschrift immer mehr wissen und argumentieren mit Terrorismus. Google will uns für die Werbung erforschen. WhatsApp sammelt unsere und fremde persönliche Daten von “Jubelnutzern”, um sie zu vermarkten. Gibt es zu “gläsern” eine Steigerungsform, z.B. “am gläsernsten”?

Gläsern durch die Suchmaschine

Nutzer suchen im Internet nach Informationen, die für sie wichtig sind. Suchmaschinen erfahren also direkt, was den Nutzer interessiert. Sie filtern die Informationen des Internet und sortieren sie bei jeder Suchanfrage für den Nutzer. Der ist mit der Suchmaschine zufrieden, wenn die Ergebnisse für ihn “relevant” sind statt irgendwie beliebig. Dann benutzt er die Suchmaschine gern auch bei seiner nächsten Anfrage.

Die Suchmaschine versorgt alle Bereiche des Nutzerlebens. Sie speichert die Interessen jedes Nutzers. Je öfter der Nutzer sucht, desto mehr weiß die Suchmaschine über ihn. Das “Puzzlebild” des Nutzers wird immer feiner und ausführlicher. Je zufriedener der Nutzer ist, desto transparenter wird er, desto seltener wird er andere Suchmaschinen benutzen, desto unbedeutender werden andere Suchmaschinen.

Google hat die Leistungen seiner Suchmaschine immer weiter perfektioniert und damit fast ein Suchmaschinen-Monopol erreicht. Für viele Nutzer ist Google so wichtig, dass sie die Google-Suche als Startseite in ihrem Internet-Browser einrichten.

Gläsern durch “hilfreiche” Angebote

Google betreibt nicht nur die Suchmaschine. Andere Aktivitäten führen zu weiteren persönlichen Informationen. Beispiele:

  • Maps: Ihre Orte, Strecken, Reisen
  • YouTube: Ihre Videos, Musik, Themen
  • Android: Das Betriebssystem Ihres Smartphones
  • Play: Ihre Apps, Filme, Serien, Spiele
  • News: Ihre Nachrichten, Meinungen, Unterhaltung
  • Gmail: Ihre ein- und ausgehenden E-Mails
  • Kontakte: Ihr Adressbuch mit weiteren persönlichen Daten
  • Drive: Ihre Dateien auf einem “Laufwerk” in der Cloud
  • Kalender: Ihre Termine, Aufgaben
  • Übersetzer: Ihre Sprachen, Texte, Verträge
  • Fotos: Ihre Fotos und Videos mit automatischer Gesichtserkennung, Orten, Ereignissen
  • Shopping: Ihre Anschaffungen
  • Docs: Ihre Dokumente, Korrespondenz, Ausarbeitungen, Planungen, Berechnungen
  • Chrome: Ihr Browser für Internet-Aktivitäten
  • Books: Volltextbücher im Internet
  • Blogger: Ihr öffentliches “Tagebuch”
  • Hangouts: Ihre Chats mit Freunden und Familie
  • Notizen: Was Sie nicht vergessen wollen

Diese Liste zeigt aktuelle Google-Angebote. Spontan fällt mir nicht viel ein, was man mit Smartphone oder Computer im Internet nicht mit diesen Google-Angeboten erledigen könnte. Einige der Angebote kann man “anonym” benutzen (z.B. Suchen, Maps, News, YouTube, Übersetzer). Für andere muss man eingeloggt sein (z.B. Gmail, Android, Play, Kontakte, Drive, Kalender, Fotos, Docs, Blogger, Hangouts, Notizen).

Ganz “anonym” ist man nie, auch wenn man sich nicht für alle Dienste einloggen muss:

  • Im Internet ist man immer mit seiner IP-Adresse unterwegs. Die identifiziert Sie wie ein Nummernschild am Auto.
  • Besuchte Webseiten hinterlassen “Cookies” mit Surf-Details im eigenen Gerät. Cookies können von anderen Webseiten werden.
  • Jeder Computer und jedes Smartphone hinterlässt auf den besuchten Webseiten einen Fingerabdruck, der aus Hard- und Software-Details eine einmalige Kennung macht.

Das ganze Leben “in einer Hand”?

Und diese Informationen sind nicht auf die aktuelle Situation begrenzt. Das Internet vergisst níchts. Es bewahrt die Infos “endlos” auf – auch wenn Sie selbst sie lange vergessen haben.

Würden Sie all diese Informationen gebündelt einem Unternehmen oder Fremden anvertrauen? Vielleicht würden Sie das nicht einmal mit Familie oder Freunden tun? Warum sollten Sie Google so großes Vertrauen entgegenbringen?

Die meisten Angebote sind sehr attraktiv für die Nutzer: große Leistungsfähigkeit, z.T. “aus einem Guss” und einfach zu bedienen, z.T. Vorteile gegenüber konkurrierenden Angeboten. Die Angebote versuchen, sich damit “unentbehrlich” zu machen.

Man kann “das ganze Leben” damit abwickeln. Das muss man nicht! Man sollte das nicht. Ich mache das nicht.

Google ist nicht “alternativlos”

Seitdem mir die “Allwissenheit” von Google bewusst ist, versuche ich, Alternativen zu verwenden. Immer gelingt das nicht, aber immer öfter. Manchmal verzichte ich zugunsten der Privatsphäre auf Google-Vorteile. Manchmal haben andere Angebote Vorteile gegenüber Google. Es ist meine persönliche Abwägung.

Vergleichbare Alternativen

Als Suchmaschine benutze ich startpage.com. Diese Seite nennt sich “die diskreteste Suchmaschine der Welt”. StartPage leitet die eingegebenen Suchanfragen an die Google-Suchmaschine weiter und anonymisiert dadurch die Anfragen. StartPage ist ein europäisches System (Niederlande) und finanziert sich über nicht-personalisierte Werbung. Ein ähnliches Angebot ist DuckDuckGo, allerdings aus den USA.

Android und Play bilden eine von zwei Plattformen für Smartphones, und zwar die deutlich viel größere. Die einzige Alternative ist Apple. Die große Android-Plattform wird von vielen Herstellern benutzt, es gibt viel Wettbewerb mit zunehmend besseren Lösungen und günstigeren Preisen. Für mich ist die Android-Plattform das “kleinere Übel”.

Maps: Für die Navigation benutze ich fast ausschließlich HERE WeGo. Dieses Navi-System hat gegenüber Maps Vorteile. Denn es funktioniert auch in Funklöchern. Außerdem spart es Datenvolumen und vermeidet Gebühren außerhalb des Roaming-Auslands.

Gmail: Ich benutze E-Mail-Adressen bei Freemailern und auf meiner Webseite. Die Gmail-Adresse benutze ich nur für die Identifizierung und das Einloggen bei Google-Diensten, nicht für Korrespondenz.

Chrome ist Googles Browser. Es gibt andere Browser mit vergleichbaren Funktionen. Z.B. Firefox, Microsoft Edge, Opera, Safari. Meine Wahl fällt auf den immer wieder gut bewerteten Firefox, den gibt es für Computer und mobile Geräte.

Shopping: Im Internet gibt es viele Portale für Produkt-, Preis- und Tarifvergleiche. Beispiele: billiger.de, check24.de, guenstiger.de, idealo.de, verivox.de. Es ist eher Geschmackssache, welchen Dienst man bevorzugt.

Keine ernsthaften Alternativen

YouTube: Ich erkenne wegen der weiten Verbreitung und des umfangreichen Informationsangebots keine ernsthaften Alternativen.

Alternativen mit Vorteilen

News: Ich lese Nachrichten gern im Original mit den Apps der Verlage und TV-Sender, als Presseschau / Nachrichten-Sammlung bietet sich Simply an.

Übersetzer: Nach meinen Beobachtungen ist deepl.com leistungsfähiger.

Zu Blogger gibt es mehrere Alternativen. Z.B. für diese Webseite app66.de benutze ich WordPress.

Die verbreitete Alternative zu Hangouts ist WhatsApp, ich habe mich überzeugt für die sicherere Alternative Threema entschieden.

Meine Geräte sind sicherer als die Cloud

Zu oft liest man, dass schon wieder Tausende oder Millionen von Passwörtern, Datensätzen in der “Cloud” (in Computern im Internet) gecrackt wurden. Oder dass sie wegen technischer Fehler oder Schlampigkeit zum Missbrauch zur Verfügung standen.

Kontakte, Kalender, Notizen sind persönliche Informationen, die ich keiner Cloud-Lösung anvertrauen würde. Diese Daten speichere ich im Smartphone und im Computer. Die Daten synchronisiere ich täglich mit MyPhoneExplorer, damit beide Geräte aktuell sind und damit ich immer eine Datensicherung habe.

Drive und Fotos benutze ich nicht. Diese Lösungen haben Automatismen, die für mich nicht transparent sind, die ich nicht beeinflussen kann und die ich nicht brauche. Meine Lösung ist die Speicherung im Smartphone und im Computer.

Die Funktionen von Docs sind mit den “Office”-Paketen für Computer vergleichbar, z.B. Microsoft Office, Libre Office, Open Office. Weil ich die Kompatibilität mit fremden Computern brauche, kommt für mich nur Microsoft Office infrage. Office-Funktionen sind nur auf dem Computer komfortabel nutzbar, mit dem großen Monitor, Tastatur und Maus. Die “kleinen” Smartphones sind für Office kaum geeignet.

Es muss nicht immer Google sein

Ich nutze Google nur, wenn es wirklich unvermeidbar ist. Für mich bedeutet das:

  • Mein Smartphone und dessen Apps kommen von der Android-Plattform. Eine sichere Alternative wäre, auf ein Smartphone zu verzichten. Das wollte ich nicht.
  • Bei YouTube finde ich gelegentlich Video-Anleitungen, die manche Themen informativer darstellen können als Texte. Selten habe ich selbst etwas auf YouTube veröffentlicht.

Mein weitgehender Verzicht auf Google bedeutet nicht, dass ich mich einschränken muss. Ich benutze gute, z.T. sogar bessere Alternativen.

Ungern erinnere ich mich an die Diskussionen um die Macht amerikanischer Dienste wie NSA und PRISM. Ich habe mehr Zutrauen zu europäischen Unternehmen wie z.B. startpage.com (Niederlande) und threema (Schweiz), die europäischem Datenschutzrecht unterliegen.

Die Nutzung von Alternativen hat noch eine Auswirkung auf die Privatsphäre: Meine Daten befinden sich bei unterschiedlichen Anbietern. Durch diese “Entbündelung” fällt es Datensammlern schwerer, mein Puzzle vollständig und ausführlich zu machen. Das ist für mich wichtig, obwohl “ich nichts zu verbergen habe”

Und ich versuche, meine Haltung in meiner Sprache deutlich zu machen. Wenn es nicht genau um Google geht, sage ich “Suchmaschine”; statt “googeln” sage ich suchen. Meistens gelingt es mir.

Es muss nicht immer Google sein

  1. Auf Google können Sie verzichten
  2. Mit StartPage suchen statt mit Google
  3. Der Browser Firefox im Vergleich


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